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Geiseldrama in Mali beendet

Im riesigen Wüstengebiet Malis können sich Terroristen und Banditen gut bewegen. Keystone

In Mali ist am Wochenende ein fast sechsmonatiges Geiseldrama zu Ende gegangen. Der Schweizer, der im Januar in der Sahara von der Terrorgruppe Al-Kaida im Maghreb entführt wurde, ist frei, wie ein Sprecher des malischen Präsidenten Amadou Tounani Touré mitteilte.

Der 57-Jährige sei am Sonntagmorgen in der Region Gao im Norden des Landes befreit worden, sagte Präsidenten-Sprecher Seydou Sissouma am Sonntag in Bamako. Er befinde sich in Obhut der malischen Behörden.

Nach der Freilassung des Schweizers hat sich der Leiter des Schweizer Krisenstabs am Sonntag «froh und erleichtert» gezeigt. Die Schweiz habe kein Lösegeld bezahlt, sagte Botschafter Markus Börlin an einer Medienkonferenz in Bern. Die Schweiz habe nicht direkt mit den Entführern verhandelt, sagte Börlin. «Der malische Präsident hat die Freilassung erwirkt.» Konkrete Umstände gab er keine bekannt. In den Mittagsstunden habe der malische Präsident die Schweiz von der Freilassung unterrichtet.

Schon bald zurück in die Schweiz

Der befreiten Geisel gehe es den Umständen entsprechend «einigermassen gut», sagte der Vertreter des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weiter. Er sei müde und erschöpft.

Der Schweizer sei nun auf dem Weg in die Hauptstadt Bamako, wo er von der Schweizer Vertretung in Empfang genommen werde. Dort wird er laut EDA ärztlich untersucht. Sobald es sein Gesundheitszustand zulasse, könne er zu seiner Familie in die Schweiz zurückkehren.

Mord und Morddrohung

Der Mann aus Adliswil, Kanton Zürich, befand sich seit dem 22. Januar in der Gewalt der Entführer. Er war zusammen mit seiner Frau, einer Deutschen und einem Briten als Tourist im Grenzgebiet zwischen Mali und dem Niger unterwegs. Die beiden Frauen wurden im April im Norden Malis freigelassen.

Anfang Juni meldete Al-Kaida im Maghreb, sie habe den Briten umgebracht. Auch dem Schweizer drohten sie mit Ermordung, sollten ihre Forderungen nach Lösegeld und der Freilassung eines Gesinnungsgenossen aus britischer Haft unerfüllt bleiben.

Dank an Malis Regierung

Das EDA dankt in einer Mitteilung der Regierung von Mali «für die umfangreiche Unterstützung, die zu diesem glücklichen Ende geführt hat».

Mali sei ein Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungs-Zusammenarbeit. Das Engagement der malischen Regierung zugunsten der Freilassung und Rückkehr der beiden Schweizer Bürger stärke die Verbindung der beiden Länder, schreibt das EDA.

Angst und Schrecken

Die Al-Kaida im Maghreb, der nordafrikanische Zweig der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida, ging aus der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) hervor, die zunächst vor allem in Algerien aktiv war. Anfang Juni hatte die malische Regierung einen «Kampf ohne Gnade» gegen islamistische Kämpfer angekündigt.

Kämpfer der Al-Kaida verbreiten im Norden Malis Angst und Schrecken. Die Armee versucht, den Islamisten Herr zu werden – und kann dabei auf die Unterstützung des Westens und von Bürgermilizen zählen.

Machtergreifung in Algerien im Visier

Hauptziel der Islamisten ist die Machtergreifung in Algerien. Mali dient ihnen primär als Rückzugsgebiet und als Drogenumschlagsplatz. «Der Drogenhandel finanziert und begleitet andere Verbrechen wie den Terrorismus», sagt der malische Justizminister Maharafa Traoré. Mit dem Geld aus dem Drogenhandel beschaffen sich die Islamisten Waffen und Munition in Algerien.

Seit kurzem patroullieren malische und algerische Soldaten gemeinsam in dem riesigen Grenzgebiet mitten in der Sahara. Die Allianz gegen die Islamisten wird von den USA unterstützt.

Seit mehreren Jahren bildet die US-Armee malische Militärs aus, mit dem Ziel die Ausbreitung des islamischen Extremismus gegen den Sahel zu stoppen. Mali erhält auch Unterstützung von europäischen Ländern, darunter der Schweiz.

swissinfo.ch und Agenturen

Die Schweiz hat Mali 1960 als unabhängigen Staat anerkannt und unterhält seit 1961 diplomatische Beziehungen zu dem Land.

Mali ist seit Ende der 1977 ein Schwerpunktland für die Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstützt Projekte in den Bereichen Gesundheits- und Bildungswesen, nachhaltige Verwendung natürlicher Ressourcen sowie Dezentralisierung. Die Deza ist seit 1980 mit einem Kooperationsbüro in der Hauptstadt Bamako vertreten.

Zurzeit beträgt die Schweizer Hilfe an Mali jährlich rund 11 Mio. Franken. Die Schweiz wolle namentlich das Friedensförderungsprogramm in Mali verstärken, betonte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey anlässlich ihres Besuches in Mali im April dieses Jahres.

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