Gerardo Cuomo wird im Tessin verhört
Der mutmassliche Drahtzieher des internationalen Zigarettenschmuggels, Gerardo Cuomo, ist am Wochenende für Einvernahmen den Tessiner Strafverfolgungsbehörden überstellt worden, wie das Bundesamt für Polizei (BAP) am Montag (07.08.) bestätigte.
Es wird davon ausgegangen, dass der Tessiner Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici Cuomo im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den seit Freitag in Untersuchungshaft sitzenden Strafgerichtspräsidenten Franco Verda einvernehmen will.
Giudici selber verweigerte am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AP jede weitere Auskunft zu der Affäre und wollte auch nicht bestätigen, dass er Marco Cuomo, den Sohn des mutmasslichen Bosses im Zigarettenschmuggel, verhaften liess.
Gemäss BAP- Sprecherin Daniele Bersier ist noch nicht entschieden, ob Cuomo an Italien ausgeliefert wird.
Der am vergangenen Freitag von Sonderstaatsanwalt Giudici in Untersuchungshaft genommene Verda erklärt sich nach wie vor unschuldig, wie dessen Anwalt Mario Molo am Montag auf Anfrage bestätigte.
Der im Amt suspendierte Präsident des kantonalen Strafgerichts, dem Freundschaftsdienste für Cuomo nachgesagt werden, befindet sich wegen Gesundheitsproblemen in einer Sicherheitszelle des Regionalspitals von Lugano.
Im Tessin wurde nach der Festnahme ein weiterer Entscheid über die Position Verdas in den Justizbehörden erwartet. Die am 13. Juni verfügte Suspendierung im Amt hatte vorläufigen Charakter und bedeutete, dass der ins Zwielicht geratene Magistrat weiterhin sein Gehalt bezieht. Die Verhaftung Verdas erfolgte nach der Ausdehnung der Anklage wegen Amtsgeheimnisverletzung um die Tatbestände der Bestechlichkeit und der Begünstigung.
Tessiner Justiz als Objekt von Gerüchten und Spekulationen
Medien im Tessin und in Italien berichteten unterdessen, dass ein weiteres Mitglied der Tessiner Justizbehörden der Kontakte mit Cuomo verdächtigt werde. Staatsanwalt Jacques Ducry, der von einer Zeitung genannt wurde, sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP, er habe weder Cuomo noch ihm nahe stehende Personen gekannt, weder in seiner Ermittlungsfunktion noch als Privatperson.
Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn die aus Italien kommenden Gerüchte noch andere Tessiner Magistraten ins schiefe Licht zu bringen versuchten. Ducry sagte weiter, Verda habe ihn im vergangenen Jahr angefragt, ob ihm bekannt sei, dass Cuomo strafrechtlich verfolgt werde.
Dies habe er damals verneint, da seines Wissens in der Schweiz kein Verfahren gegen Cuomo gelaufen sei, sagte Ducry. Die italienischen Medien, die den Beginn der Tessiner Justizaffäre nur am Rande vermerkt hatten, berichten seit dem Bekanntwerden der Verhaftung Verdas breit über den Fall.
swissinfo und Agenturen
Zahlreiche italienische Journalisten von Printmedien und Fernsehstationen halten sich seit dem Wochenende in Lugano auf.
Zudem wird über das Ermittlungsverfahren der Antimafiapolizei in
Bari gegen Cuomo berichtet und über die Bestechlichkeit der Tessiner
Justiz gemutmasst.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch