Kampagne gegen Impfmüdigkeit
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mahnt, Kinder und Jugendliche vorsorglich impfen zu lassen.
Nur so liessen sich allzu oft als harmlos betrachtete Infektionen bekämpfen, hielt das BAG zum Start seiner Kampagne fest.
Die Kinderkrankheiten und deren tragische Folgen seien dank der Fortschritte der Medizin und einer hohen Durchimpfungsrate in der Schweiz stark zurückgegangen. Das habe zu einer Banalisierung und Verkennung der echten Gefahren der Infektionskrankheiten geführt, betonten die Verantwortlichen des BAG an einer Medienkonferenz am Montag in Bern.
Es lasse sich eine gewisse Impfmüdigkeit beobachten, die durch impfkritische alternative Ansätze oft bestärkt werde und bei Eltern Fragen und Zweifel hervorrufe. Impfungen beinhalteten zwar Risiken, doch diese seien sehr klein im Vergleich zu den Komplikationen, die Infektionskrankheiten bei nicht Geschützten verursachen könnten.
Dreifuss: Echte Gefahr
«Unser grösster Feind ist zur Zeit die Banalisierung», sagte Gesundheitsministerin Ruth Dreifuss. Hepatitis B, die im Verdacht steht, Leberkrebs zu verursachen, trete in der Schweiz immer noch häufig auf. Meningitis trete periodisch auf und sei immer noch sehr schwierig zu behandeln. Die Tuberkulose gewinne an Terrain.
Der Anteil Geimpfter sei noch nicht hoch genug, um den Kreislauf der Infektionserreger, welche es zu besiegen gilt, zu unterbrechen. Ein Rückgang der Durchimpfung stelle eine echte Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar.
Das BAG erinnert daran, dass Masernepidemien in der Schweiz und in etlichen europäischen Ländern in den letzten Jahren Tausende von Kindern betroffen hatten. Sie hätten Todesfälle und schwerwiegende Folgekrankheiten verursacht, während man doch über einen sicheren Impfstoff verfüge. Solche Dramen seien vermeidbar.
80 Prozent der Kinder geimpft
Gemäss BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher sind heute in der Schweiz ungefähr 80 Prozent der Kinder gegen die wichtigsten Infektionen wie zum Beispiel Masern, Röteln oder Starrkrampf geimpft.
Die nun zusammen mit der Ärztevereinigung FMH und den kantonalen Behörden gestartete Kampagne soll diesen Anteil erhöhen helfen – mit einer Broschüre, via Internet und telefonischer Infoline.
Kritische Stimmen
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) reagierte kritisch auf die «aufwändige» Kampagne. Sie sei überzeugt, dass nicht für alle Babys und Kleinkinder der offizielle Impfplan des BAG der richtige sei, heisst es in einem Communiqué. Eine durchgemachte Krankheit könne das kindliche Immunsystem auch positiv beeinflussen.
Die SKS verwies auf ihren demnächst erscheinenden überarbeiteten Ratgeber «Impfen – Grundlagen für einen persönlichen Entscheid». Dieser biete «differenziert-kritische Entscheidungshilfen» an.
swissinfo und Agenturen
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