Novak überlistete Spaniens Sand-Armada
Sensations-Sieger in Gstaad: Der Triumph von Jiri Novak am Tennis-Open ist die grösste Überraschung, seit der Angreifer Darren Cahill 1988 gegen Jakob Hlasek das Turnier gewann oder seit Roland Stadler vor 15 Jahren als Qualifikant in den Final stürmte.
Am meisten überrascht war Jiri Novak selber: «Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Turnier gewinnen könnte. Ich habe nicht einmal erwartet, gegen Guillermo Coria die 1.Runde zu überstehen.»
Für den 26-jährigen Tschechen wurde ein Tennis-Märchen wahr. Unmittelbar nach seiner Ankunft im Saanenland bezwang er den als Nummer 7 gesetzten Argentinier Coria 6:2, 6:4.
Und Novak siegte weiter: Im Achtelfinal deklassierte er Felix Mantilla, den Turniersieger von 1997. Im Viertelfinal liess er dem letzten verbliebenen Schweizer, Michel Kratochvil, ebenfalls keine Chance.
Und am Final-Wochenende besiegte er die beiden Top-Ten-Spieler Alex Corretja und Juan Carlos Ferrero und beendete damit die spanische Dominanz in Gstaad. Seit 1991 hatten mit einer Ausnahme (1995 Jewgeni Kafelnikow) nur Spanier im Saanenland gewonnen.
17 Punkte in Folge
Der grösste Coup gelang Novak im Final. Er bezwang Juan Carlos Ferrero (ATP 5) in 1:48 Stunden 6:1, 6:7 (5:7), 7:5. Die Partie begann kurz nach 12 Uhr, ging bei nasskalter Witterung indes erst gegen 18 Uhr zu Ende.
Ferrero hatte zuvor auf Sand eine Matchbilanz von 31:3 gehabt, wurde aber anderthalb Sätze lang von Novak vorgeführt. Vom 4:1 im ersten Satz bis zum 6:1, 2:0, 30:0 gewann Novak 17 Punkte hintereinander.
Der Tscheche besass total fünf Chancen für einen Doppelbreak-Vorsprung im zweiten Satz (3:0 oder 4:1). Bei zwei dieser fünf Break-Möglichkeiten entschied der Referee gegen ihn und gegen den Linienrichter.
Ferrero fand daraufhin noch ins Spiel zurück, Novak liess sich aber auch durch die verpassten Chancen und den Satzausgleich nicht aus der Ruhe bringen. Ferrero geriet immer mehr unter Druck und produzierte schliesslich beim zweiten Matchball den entscheidenden Doppelfehler.
In der Weltrangliste wird sich Jiri Novak dank des zweiten Turnier-Sieges in dieser Saison (nach München ebenfalls auf Sand) von Platz 40 etwa auf Position 33 verbessern.
Drittbester Besuch
Gewiss wäre den Organisatoren Juan Carlos Ferrero als Sieger lieber gewesen als Novak. Dem 21-jährigen Spanier gehört die Zukunft, er kann der beste Spieler seiner Art seit Mats Wilander oder Guillermo Vilas werden.
Die Bilanz der Veranstalter war aber positiv. Der befürchtete Zuschauer-Rückgang blieb aus. Mit gut 45’000 Besuchern wurde das drittgrösste Zuschauer-Total erreicht.
swissinfo und Agenturen
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