Rad: Meisterschaft von Zürich mit erstklassiger Besetzung
Seit 1981 warten die Schweizer Radprofis auf einen Heimsieg bei der "Meisterschaft von Zürich". Die nächste Gelegenheit auf einen Erfolg beim einzigen Schweizer Weltcuprennen (248,4 km) bietet sich diesen diesem Sonntag (20.08.) bei der 87. Auflage.
Die Konkurrenz bei der «Züri-Metzgete» ist allerdings auch auch dieses Mal erstklassig: Im Feld der 22 Teams mit 176 Fahrern befinden sich sämtliche Eintages-Spezialisten.
Im Vordergrund steht das Duell um den Weltcup. Nachdem der Deutsche Erik Zabel nach seinen Erfolgen bei Mailand-Sanremo und im Amstel Gold Race bereits seinem ersten Gesamtsieg entgegen zu fahren schien, ist dank dem letzten Rennen in San Sebastian wieder Spannung eingekehrt.
Weiter Favoritenkreis
Der belgische Vorjahressieger Andrej Tschmil hat sich wieder bis auf 124 Punkte an den Deutschen genähert. Da für einen Sieg in Zürich 100 Punkte gutgeschrieben werden, könnte Tschmil seine Aufholjagd auf der anspruchsvollen Zürcher Strecke fortsetzen.
Hauptsächliche Siegesanwärter sind aber die Italiener Francesco Casagrande, Paolo Bettini (Gewinner von Lüttich-Bastogne-Lüttich), Davide Rebellin und der Hamburg-Sieger Gabriele Missaglia sowie der Holländer Erik Dekker, der am vergangenen Samstag in San Sebastian triumphiert hatte.
Im letzten Moment hat sich auch Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong, ein exzellenter Eintagesfahrer, zu einer Teilnahme entschieden. Noch vor einer Woche war der Texaner kurz vor dem Rennen in San Sebastian abgereist. Eine Magenverstimmung verunmöglichte ihm eine Teilnahme. Inzwischen hat sich der frühere Strassenweltmeister wieder erholt.
Camenzind und Markus Zberg aussichtsreichste Schweizer
Unter den 24 gemeldeten Schweizern ist am ehesten von Tour-de-Suisse-Sieger Oscar Camenzind und dem WM-Zweiten Markus Zberg eine Spitzenklassierung zu erwarten. Wenn Form und Rennglück gar zusammenfallen, ist der erste Schweizer Erfolg seit 1981 nicht ausgeschlossen.
Damals siegte der Ostschweizer Beat Breu, nachdem er im Finale seinen deutschen Kontrahenten Henry Rinklin düpiert hatte. Seither sind vordere Platzierungen im Heimrennen weitgehend ausgeblieben. Selbst seit dem letzten Podestplatz eines Schweizer Profis sind 12 Jahre verstrichen. 1988 beendete Tony Rominger die „Züri-Metzgete“ im dritten Rang.
Als Aussenseiter starten hingegen die beiden Schweizer GS-2-Mannschaften Post Swiss Team und Phonak Hearing Systems. Beide Tems, die in Zürich ihr einziges Weltcuprennen in diesem Jahr bestreiten, sind vom Veranstalter mit einer Wild Card eingeladen worden.
Chancen auf eine Spitzenklassierung werden die Fahrer dieser zwei Teams kaum haben. Vielmehr werden sie ihr Heil in frühen Fluchtgruppen suchen, um wenigstens temporär den medialen Blick auf ihren Sponsor zu lenken.
Zülle, Richard und Beat Zberg nicht am Start
Prominenter Abwesender im Schweizer Lager ist Alex Zülle. Der Ostschweizer hält sich derzeit in Spanien auf und bereitet sich auf die Spanien-Rundfahrt vor, die eine Woche nach Zürich in Malaga gestartet wird. Aus diesem Grund hat sich gleich die ganze Banesto-Mannschaft in der Schweiz abgemeldet.
Ebenfalls nicht am Start steht Olympiasieger Pascal Richard, dessen Team Linda McCartney nicht eingeladen wurde. Auch Beat Zberg verzichtet nach seiner langen Verletzungspause auf eine Teilnahme.
Leicht modifizierte Strecke
Ein Jahr nachdem der neue Organisator Daniel Perroud aus Genf sowie der Radfahrer-Verein Zürich als Besitzer des Rennens die Meisterschaft von Zürich wieder vollständig in die Limmatstadt verlegt haben, ist der Rundkurs ins Zürcher Oberland nur leicht modifiziert worden. Beibehalten wurde die Passage des 727 m hohen Pfannenstiels, einzig die Abfahrt zum Zürichsee wurde entschärft.
Eines der anspruchsvollsten Weltcuprennen
Der Parcours wurde dadurch einige Kilometer kürzer, weshalb neusechs statt fünfeinhalb Runden auf dem Programm stehen. Start und Ziel befinden sich unverändert an der Zürcher Bellerive-Strasse. Die Gesamtdistanz beträgt 248,4 km, die Höhendifferenz 3’426 m. Damit gehört die Meisterschaft von Zürich weiterhin zu den anspruchsvollsten Weltcuprennen überhaupt.
swissinfo und Agenturen
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