Rekordflut in Fukuoka?
Zwei Finalteilnahmen und acht Landesrekorde haben sich die Techniker von Swiss Swimming bei den am Sonntag (22.07.) beginnenden Schwimm-Weltmeisterschaften in Fukuoka (Japan) als Minimalziel gesetzt.
Insgeheim liebäugeln die optimistischen Verbands-Funktionäre gar mit vier Plätzen unter den besten Acht, und selbst eine regelrechte Rekordflut wird in Betracht gezogen.
Spätestens seit den medaillenträchtigen Tagen an der EM 2000 in Helsinki, wo die Tessinerin Flavia Rigamonti über 800 m den Titel gewann, Chantal Strasser und Remo Lütolf mit Silber und Bronze nachdoppelten, blicken Schweizer Schwimmer gemeinhin mit ausgeprägtem Selbstvertrauen den internationalen Rendez-vous entgegen.
«Wir sind mit dem grössten WM-Aufgebot aller Zeiten nach Japan gereist und wollen dort unsere Fortschritte der letzten Jahre natürlich bestätigen», umschrieb Pierre-André Weber, der neue Schweizer Headcoach, die generelle Zielsetzung.
An der Olympiade in Sydney sorgten Rigamonti (20) und Lütolf (21), die beiden mit Abstand talentiertesten Vertreter der aufstrebenden helvetischen Schwimmer-Generation, selbst im olympischen Aquatic Center für beträchtlichen Wellenschlag.
Die Tessinerin crawlte vergangenen September in einem ultraschnellen 800er-Final in magistralen 8:25,91 als glänzende Vierte zu einem olympischen Diplom und sportlich wertvollsten Ergebnis seit zwölf Jahren. Auch Lütolf unterstrich die Schweizer Ambitionen, sich der Weltklasse weiter zu nähern, mit einem Diplom.
Einige Fragezeichen
Dem Duo Rigamonti/Lütolf darf zweifelsohne gehobenes internationales Format bescheinigt werden. Ob es im Südosten Japans aber erneut fähig sein wird, in unmittelbarer Reichweite der Weltbesten anschlagen zu können, ist nur schwer abzuschätzen.
Rigamontis Saisonbestleistung über 800 m 8:42,43 liegt beispielsweise satte 16,5 Sekunden über ihrem (zugegebenermassen phänomenalen) Rekordwert vom vergangenen Herbst, womit sie im aktuellen World-Ranking lediglich auf Position 17 rangiert
1500 m als Option
Trotz einiger Fragezeichen ist aber davon auszugehen, dass sie sich am Sonntag in der Früh für den 800-m-Final vom Montag qualifiziert. Sollte Rigamonti ihr erstes Teilziel verfehlen, so bliebe ihr die gewiss nicht schlechte Option der längsten Crawl-Strecke von 1500 m.
Lütolf: «Ich will und muss in den Final»
Brustspezialist Lütolf dämmte seinen Trainingsaufwand nach den Olympischen Spielen merklich ein. Der Rheintaler begann ein Jus-Studium, «das mir in Kombination mit dem Sport mehr Energie abverlangte, als ich geglaubt hatte». Im Vergleich zu den seit Jahren professionell trainierenden Gegnern büsste der 21-Jährige sofort wieder an Längen ein.
Chancen rechnet sich Lütolf über die Sprint-Distanz aus. Einerseits fällt über 50 m die für ihn Zeit raubende Wende weg, andererseits sollte sein momentan mangelhaftes «Stehvermögen» nicht zu sehr ins Gewicht fallen.
swissinfo und Sven Schoch (si)
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