Schweizer Ölhändler rechnen mit hohen Preisen und guten Geschäften
Der Iran-Krieg und blockierte Schiffe in der Strasse von Hormus treiben die Energiepreise in die Höhe. Ölhändler liessen sich an ihrem Jahrestreffen in Lausanne ein wenig in die Karten blicken.
Die Energieversorgung wird wegen des Iran-Kriegs und der blockierten Schifffahrt in der Strasse von Hormus unsicherer. Im Zentrum dieses geopolitisch brisanten Geschäfts stehen die grossen Ölhändler – eine recht verschwiegene Branche, die wenig über ihre Strategie publik macht. Am FT Commodities Global Summit in Lausanne Ende April gaben sie seltene Einblicke.
So ist etwa der Rohstoffhändler Trafigura mit Handelssitz in Genf unmittelbar vom Krieg betroffen, wie Chef Richard Holtum sagte. Der Konzern kontrolliert eine riesige Tankerflotte. Neun Schiffe seien im Persischen Golf blockiert. Erst eines habe die Strasse von Hormus passieren können.
Der Genfer Konkurrent Mercuria wiederum habe sämtliche Tanker aus der Blockade befreien können, erklärte Chef Marco Dunand. Über das Wie und den allfälligen Preis schwieg er sich aus. «Es gibt Wege», sagte er lediglich.
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Wenig Öl und hohe Preise in Asien
Der weltgrösste Ölhändler Vitol, ebenfalls mit Sitz in Genf, geschäftet intensiv mit Produkten in den Golfstaaten. Chef Russell Hardy bestätigte, dass die Infrastruktur in der Region grossen Schaden genommen habe. Die Folgen: höhere Preise oder Rationierungen. Und das spürten derzeit vor allem Länder in Asien. Im Westen könnten die Auswirkungen zeitverzögert eintreten.
Grundsätzlich liege der Preis für Öl höher als Referenzpreise, wie Brent oder WTI es vermuten liessen, ergänzte Holtum von Trafigura. Diese spiegelten vor allem den Handel mit «Papieröl» – und nicht mit Öl auf den Schiffen. Man müsse bei realem Öl für die Sicherheit bezahlen, dass die Ware auch geliefert wird. Und das nicht in zwei Monaten, sondern jetzt.
Volatile Preise ermöglichen es Ölhändlern, mit ihren Wetten gigantische Gewinne einzustreichen. Das dürfte auch in den letzten Wochen und Monaten der Fall gewesen sein. Das wollte Richard Holtum nicht bestätigen. Er könnte etwas sagen, werde aber nicht. Ausser: Er sei zufrieden.
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Direkter Draht zur US-Regierung
Ähnlich tönte es bei Gary Pedersen. Der neue Chef des Genfer Ölhändlers Gunvor ist US-Amerikaner. Er hat – wie auch die Konkurrenz – einen direkten Draht ins Weisse Haus. Die US-Regierung suche nach Lösungen, um sich Rohstoffe zu sichern, und die könne Gunvor liefern.
Einigkeit herrschte unter den Konzernchefs darin, dass die US-Regierung sehr aktiv sei, um sich gegenüber China abzusichern. Auch Europa müsse sich für eine konsistente Energiepolitik starkmachen, sagt Russell Hardy von Vitol. Mit einem Augenzwinkern fügt der Brite hinzu: Man müsse dafür ja nicht gerade ein Land erobern.
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