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Russischer Aeroflot-Ermittler demissioniert

Nikolai Wolkow bei seinen Ermittlungen am 26. Juli in Bern. Keystone

Der russische Untersuchungsrichter Nikolai Wolkow hat seine Demission angekündigt. Er war mit dem Fall Aeroflot betraut, dessen Spuren auch in die Schweiz führen. Erst im Juli war er deshalb in die Schweiz gereist.

«Die Führung der Generalstaatsanwaltschaft war mit meinen Vorstellungen über die Aussichten der Ermittlungen nicht einverstanden, und mein Vorhaben, sie zu aktivieren, hat keine Unterstützung gefunden», sagte Wolkow am Dienstag (22.08.) der Nachrichtenagentur Interfax zur Begründung.

Nach Darstellung der russischen Generalstaatsanwaltschaft hatte Wolkow zuletzt seine Amtsvollmachten überschritten. Er habe eigenmächtig im Namen des Generalstaatsanwalts Wladimir Ustinow per Fax eine Einladung an die Schweizer Ermittler geschickt, hiess es.

Wolkow selbst sagte, er habe eine Übersetzung der Einladung geschickt, ohne zu wissen, das sie noch nicht unterzeichnet worden sei.

Transaktionen über Lausanner Firmen

Wolkow war mit dem Fall der russischen Fluggesellschaft Aeroflot betraut, die zu 51 Prozent in russischem Staatsbesitz ist. Der Ermittler vermutet, dass bis zu 700 Mio. Dollar veruntreut wurden. Die Transaktionen sollen über die Konten der Lausanner Finanzgesellschaften Andava und Forus gelaufen sein.

Die beiden Institute sollen vom russischen Geschäftsmann und Jelzin-Vertrauten Boris Beresowski gegründet worden sein, um die Devisenfonds der Fluggesellschaft zu verwalten. Beresowski wird zudem vorgeworfen, bei der Besetzung der Aeroflot-Spitzenpositionen seinen Einfluss geltend gemacht zu haben.

80 Kisten aus der Schweiz

Erst Ende Juli war Wolkow wegen des Falls in die Schweiz gereist. Er brachte 80 Kisten mit Dokumenten nach Hause. Die Untersuchung der Dokumente sollte es dem russischen Untersuchungsrichter erlauben, bis September die Höhe der Unterschlagungen zu bestimmen. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch entschieden werden, ob gegen Beresowski und weitere Personen Anklage erhoben wird. Gegen Beresowski war bereits im vergangenen Jahr Anklage erhoben worden, später wurde das Verfahren gegen ihn jedoch eingestellt. Er wurde in diesem Jahr lediglich als Zeuge vernommen.

Wolkow ermittelte zudem in einer möglichen Geldwäscherei-Affäre, bei der Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Höhe von 4,8 Mrd. Dollar auf Schweizer Konten abgezweigt worden sein sollen. Wolkow wollte diesbezüglich ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz stellen.

Untersuchungsrichter Bertossa erstaunt

Der Genfer Untersuchungsrichter Bernard Bertossa zeigte sich über die Demission Wolkows erstaunt. Die Demission gehöre zu einer Reihe von Umbesetzungen, welche Zweifel weckten, ob die russische Regierung die Klärung gewisser Dossiers wirklich vorantreiben wolle, sagte Bertossa auf Anfrage. Wolkows Rückzug stärke zudem die Zweifel an der Unabhängigkeit der russischen Staatsanwaltschaft.

swissinfo und Agenturen

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