Späte Ehre für Gerhart Riegner
Der letzten Dezember in Genf Verstorbene hatte als einer der Ersten die Alliierten über den Holocaust informiert.
Bundesrätin Ruth Dreifuss ehrte Gerhart Riegner in Bern als «einen der grossen Männer des 20. Jahrhunderts».
Als «Wächter über die Humanität und nicht nur über das jüdische Volk», habe Riegner 1942 die Regierungen und die internationalen Organisationen über den von den Nazis verübten Völkermord unterrichtet, erinnerte Dreifuss an der Gedenkveranstaltung. Unermüdlich habe er «an Türen geklopft, die fest verschlossen blieben».
Lästiger Zeuge
Bis Ende des letzten Jahrhunderts habe Riegner daran erinnert, dass man gewusst habe, was sich in Deutschland und den von der deutschen Armee besetzten Gebieten ereignet habe, sagte die Bundesrätin gemäss Redetext weiter. Er sei ein «lästiger Zeuge gegen die Lügen und das Vergessen» gewesen.
Der 1911 in Berlin geborene Riegner hatte Deutschland 1933 nach der Machtergreifung Hitlers verlassen. In Genf arbeitete er ab 1936 für den Jüdischen Weltkongress, dessen Generalsekretär er von 1965 bis 1983 war.
Am 8. August 1942 schickte er sein erstes Telegramm mit Informationen über die Ermordung der Juden durch die Nazis nach London und Washington, dann an den Vatikan, an das IKRK und an den schweizerischen Bundesrat. Seine Appelle hatten aber kaum Echo; die Allierten reagierten vorerst nicht und die Schweizer Landesgrenzen wurden für jüdische Flüchtlinge gesperrt.
«Niemals verzweifeln»
Riegner gab nicht auf und organisierte Rettungsaktionen für bedrohte Juden. Nach dem Krieg engagierte er sich weiter für jüdische Flüchtlinge und bemühte sich um die christlich-jüdische Verständigung. Riegner erhielt dafür zahlreiche Auszeichnungen. 1998 publizierte er seine Autobiographie «Niemals verzweifeln».
Die Gedenkveranstaltung vom Donnerstag in Bern wurde organisiert vom Schweizerischen Israelischen Gemeindebund (SIG) und der Christlich-jüdischen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz. Unter den Rednern waren neben Bundesrätin Dreifuss der frühere SIG-Präsident Rolf Bloch, der St. Galler SP-Nationalrat Paul Rechsteiner und Professor Jean Halpérin von der Universität Genf.
swissinfo und Agenturen
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