The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Streng kontrolliert

Jubelnde Athleten im Ziel und hinten warten die Dopingkontrolleure. Keystone

An der Ski-WM in St. Moritz arbeiten allein sechs Experten von Swiss Olympic fast rund um die Uhr und kontrollieren die Aktiven auf Doping.

Der Urin der Athleten wird in Lausanne unter Aufsicht des Internationen Olympischen Komitees untersucht.

Die Technische Kommission gegen Doping von Swiss Olympic stellt den Organisatoren der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz ihre Dienste und Erfahrungen zu Verfügung.

Nach jedem Wettbewerb auf den WM-Pisten im Engadin bestimmen die Experten der Doping-Kontrolle, welche Athleten zur Kontrolle müssen. Die Teilnahme ist für die Gewinner der ersten vier Plätze obligatorisch. Weiter müssen sich zwei zufällig ausgewählte Athleten oder Athletinnen dem Test unterziehen.

Immer in Begleitung

«Unsere Aufgabe besteht darin, die Athleten so schnell wie möglich nach der Zieldurchfahrt zur Dopingkontrolle zu bringen», sagt der Walliser Paul-André Dubosson.

Und der ehemalige Trainer der früheren Schweizer Skirennläuferin Vreni Schneider fügt bei: «Anschliessend überwachen wir minutiös alle Bewegungen der Beteiligten, bis die Doping-Formalitäten erledigt sind. So verhindern wir Manipulationen.» Die Athleten werden auch bei Interviews von den Doping-Kontrolleuren begleitet.

Für die Kontrolle müssen sich die Athleten und Athletinnen – immer unter Beobachtung – von der Taille bis zum Knie entblössen und in ein Fläschchen urinieren. 75 Milliliter braucht es für den Test.

«Oft sind das heikle Augenblicke, aber sie müssen sein. Dem sauberen Sport und dem Sportler zuliebe», sagt Dubosson.

Anschliessend werden die Reagenzgläser mit den Urinproben versiegelt und zur Untersuchung ins Labor gebracht.

Lieber Urin statt Blut

«Wir suchen nach steroiden Anabolika und Stimulanzien, welche die Leistungsfähigkeit der Athleten künstlich steigern», erklärt Martial Saugy, Direktor des Lausanner Dopinglabors.

«Im Urin können wir mögliche unerlaubte Substanzen nachweisen.» Beim Urin handle es sich um eine biologische Flüssigkeit, die – anders als etwa Blut – ohne grosse juristischen Hürden «entnommen» werden dürfe, sagt Saugy weiter.

«Wir können die Test-Resultate innert 48 Stunden dem internationalen Skiverband FIS und Swiss Olympic zur Verfügung stellen.»

Gegenexpertise möglich

«Fällt ein Test positiv aus, dann sind die Regeln der FIS sehr strikt», sagt Sarah Lewis, die Generalsekretärin der FIS.

Bevor man das positive Resultat, das eine zweijährige Sperre nach sich zieht, dem entsprechenden Landesverband des Athleten bekannt gebe, könne der Betroffene eine Gegenanalyse verlangen, erklärt Lewis.

Als letzte Instanz bleibt dann dem Athleten oder der Athletin noch das Internationale Sportgericht in Lausanne.

Gute Zusammenarbeit

Auch wenn in einzelnen Ländern die Dopingkontrollen noch mangelhaft sind, so werden sie doch auf dem internationlen Parkett immer wirksamer.

Besonders bezahlt machen sich die gemeinsamen Anstrengungen, die Dopingkontrollen zu vereinheitlichen und zentral durchzuführen. Dabei arbeiten das Internationale Olympische Komitee und die Antidoping Weltagentur AMA eng zusammen.

«Seit zwei Jahren werden Dopingkontrollen im Skirennsport durchgeführt», sagt der Dopingexperte Mathias Kamber. Man habe vor allem auf die schweren Dopingfälle während der Tour de France 1998 reagiert.

swissinfo, Mathias Froidevaux, St.Moritz
(Übertragung aus dem Französischen: Urs Maurer)

Kontrolliert werden die ersten vier eines Rennens und zwei willkürlich ausgewählte Aktive.
Von der Ziellinie bis zur Urinabgabe sind die Athleten ständig unter Kontrolle.
Bei der Doping-Kontrolle müssen 75 Milliliter Urin abgegeben werden.
Das Resultat ist binnen 48 Stunden ermittelt.

Die Dopingkontrolle in St. Moritz wurde an Swiss Olympic delegiert.
Die Urinproben werden sofort nach der Abgabe ins Labor nach Lausanne geschickt.
Die Resultate der Dopingkontrolle erhalten Swiss Olympic und die FIS.
Bei einem positiven Resultat erfolgt eine zweite Analyse (B-Test)
Ein gedopter Athlet wird für zwei Jahre gesperrt.
Es bestehen Rekursmöglichkeiten.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft