Tessiner Richter Verda provisorisch auf freiem Fuss
Der seit 4. August inhaftierte Richter Franco Verda ist am Donnerstag (24.08.) provisorisch auf freien Fuss gesetzt worden. Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici wird Anklage gegen ihn erheben.
Es bestehe keine Kollusionsgefahr mehr, begründete Giudici die provisorische Freilassung nach fast vier Wochen Untersuchungshaft am Donnerstag in einer Medienmitteilung. Verda verbrachte die Zeit in einer Sicherheitszelle des Stadtspitals Civico von Lugano.
Giudici verteidigte in seinem Communiqué seine restriktive Informationspolitik in der Affäre. Gleichzeitig hält er fest, dass er auf Grund der bisherigen Beweislage Verda wegen passiver Bestechung, Begünstigung und wiederholter Amtsgeheimnisverletzung anklagen wird.
Giudici hatte Richter Verda in den letzten Wochen mehrmals einvernommen. Es kam auch zu einer Gegenüberstellung mit dem mutmasslichen Zigarettenschmuggler Gerardo Cuomo.
Ermittlungen gehen weiter
Die Beziehung zwischen Cuomo und Verda bildete den Ausgangspunkt für die Untersuchung. Verda soll Cuomo vorab über ein Urteil zu im Tessin beschlagnahmten Geldern des Schmuggelbosses Francesco Prudentino informiert haben. Ausserdem floss vermutlich über Verda Geld von Cuomo an Desirée Rinaldi.
Verdas Ehefrau Rinaldi, frühere Anwältin Cuomos in Lugano, war am vergangenen Freitagnachmittag nach elf Tagen Untersuchungshaft die provisorische Freiheit gewährt worden. Gegen sie wird wegen Geldwäscherei und Fälschung von Dokumenten ermittelt.
Auch nach den provisorischen Freilassungen von Verda und Rinaldi werden die Ermittlungen weitergeführt. Giudici präzisiert in seinem Communiqué, aus seinen Ermittlungen gehe hervor, dass es sich um ein Fehlverhalten eines einzelnen Magistraten handele. Das kantonale Strafjustizsystem sei als Ganzes aber «gesund» und voll funktionstüchtig.
Einsatz Verdas für Cuomo
Verdas Anwalt Mario Molo hat unterdessen ein medizinisches Gutachten zum Gesundheitszustand seines Mandanten verlangt. Damit soll abgeklärt werden, ob die schwere Krankheit Verdas sein Verhalten beeinflusste. Es geht um den Zeitraum, als Verda seine freundschaftlichen Kontakte zu Cuomo pflegte.
Wie ein erster Regierungsbericht diese Woche erstmals offiziell zeigte, hat sich Verda auch aktiv für Cuomo bei den Kantonsbehörden eingesetzt. Noch im Februar 1999 verwendete er sich zusammen mit Cuomos Anwalt Fulvio Pezzati beim Ausländeramt für den 53-jährigen Neapolitaner. Cuomo sei trotz Vorstrafen «in Ordnung», sagte Verda.
swissinfo und Agenturen
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