Zürich fliegt nach Norden
Der Fluglärm über dem grössten Flughafen der Schweiz, Zürich-Kloten, wird nicht gleichmässig verteilt.
Der Flughafen kehrt zum Ausgangspunkt zurück, fliegt Richtung Norden und verstimmt Deutschland.
«Es kann nicht gut gehen, wenn das Festhalten einer Ausnahme einseitig von demjenigen entschieden wird, der daran Interesse hat.» Das steht in einem Brief an den deutschen Verkehrsminister Manfred Stolpe. Absender: Der Baden-Württembergische Verkehrsminister Ulrich Müller.
Dabei hat Müller, beim Abfassen des Briefes, lediglich die Schweiz dahingehend kritisiert, dass sie am vergangenen Wochenende wegen schlechten Sicht-Verhältnissen wiederholt von den Ausnahme-Bedingungen im Luftverkehrs-Abkommen Schweiz-Deutschland Gebrauch gemacht hat.
Langfristige Nordausrichtung
Nun aber legt der Zürcher Volkswirtschafts-Direktor Ruedi Jeker noch einen Gang zu. Der sogenannte «Sachplan Infrastruktur» mit der Betriebsvariante BV2 gibt Jeker auf.
Er hätte mehr An- und Abflüge gegen oder von Süden gebracht. Die Stadt Zürich wäre vermehrt überflogen und der Fluglärm breiter verteilt worden. Eine Folge des Luftverkehr-Abkommens mit Deutschland.
Dieses Abkommen hätte die süddeutschen Gemeinden vom Lärm entlastet und weniger als 100’000 Anflüge pro Jahr unterhalb von 3000 Metern gebracht. Dazu ein Flugverbot an den Wochenenden und Feiertagen zwischen 20.00 und 09.00 Uhr.
UVEK enttäuscht
Diesen Verkehrsvertrag lehnt Zürich rundweg ab. Der Kanton und die Flughafenbetreiberin Unique riefen zur Opposition gegen den Staatsvertrag mit Deutschland auf und forderten Neuverhandlungen.
Im Schweizer Parlament lehnte bislang die grosse Kammer (Nationalrat) den Vertrag ab. Die Entscheidung der kleinen Kammer (Ständerat) steht noch aus.
Das Schweizer Verkehrsdepartement (UVEK) reagierte konsterniert auf die Kunde aus Zürich. Der Entscheid des Zürcher Regierungsrates biete keine stabile Grundlage für eine langfristige Planung, kritisierte das UVEK.
Zürich nehme in Kauf, dass es zu keiner gütlichen Einigung mit Deutschland komme und dass Deutschland einseitige Massnahmen ergreife.
Ablehnung und Zustimmung
Auch SP und Grüne des Kantons Zürich reagierten ablehnend und forderten weitere Beschränkungen des Luftverkehrs.
Die Freisinnige FDP, die Task Force Fluglärm und das Flughafen-Forum Süd dagegen zeigten sich erfreut über die Absicht der Zürcher Regierung.
In Süddeutschland hält man den Varianten-Entscheid von Flughafen Zürich und Zürcher Regierung für eine «ziemliche Provokation». Das schreibt das Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg an Verkehrsminister Stolpe.
Weniger Flüge
Der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Jeker begründete den umstrittenen Entscheid mit den heutigen 350’000 Flugbewegungen pro Jahr. Es mache keinen Sinn mehr, wie bisher, mit 420’000 Bewegungen zu rechnen. Der Flugbetrieb in Zürich sei rückläufig. Deshalb kehre man zum Ausgangspunkt, sprich zum alten Betriebssystem, zurück.
Komme noch dazu, sagte Jeker, dass die bislang verfolgte «Gieskannen-Politik», bei der alle gleichmässig viel Fluglärm übernehmen sollten, bei der Bevölkerung keinen Rückhalt gefunden habe.
Peter Staub vom Flughafen-Schutzverband: «Der Entscheid sei ein Kniefall des Zürcher Regierungsrates vor den finanzstarken Gemeinden der Goldküste. Die liegen südlich des Flughafens.
swissinfo und Agenturen
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