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Der Flugplatz Altenrhein SG feiert sein 100-jähriges Bestehen

Keystone-SDA

Der Flugplatz Altenrhein wird 100 Jahre alt und feiert den Geburtstag vom 28. bis 30. August mit Flugshows und Ausstellungen. In Altenrhein wurden Flugzeuge entwickelt, Rekorde aufgestellt - und grosse Hoffnungen begraben.

(Keystone-SDA) Den Anfang der Geschichte des Flughafens in Altenrhein markieren 11’000 Eisenbetonpfähle – zwischen sieben und zwölf Meter lang. Wie es in einer Medienmitteilung zu «100 Jahren Luftfahrtgeschichte in Altenrhein» heisst, wurden die ersten von ihnen am 18. März 1926 eingeschlagen. Das sei im dortigen sumpfigen Boden und mit den damaligen Möglichkeiten eine besondere Herausforderung gewesen. Trotzdem entstand eine 600 Meter lange Graspiste. Die ersten Linienflüge starteten 1927, und zwar nach Innsbruck, Basel und München.

Initiator Claude Honoré Dornier, ein in Kempten geborener deutsch-französischer Flugzeugkonstrukteur und gemäss Mitteilung «Vater des Flugplatzes», war laut Historischem Lexikon der Schweiz (HLS) ab 1910 in den Zeppelin-Werken in Friedrichshafen tätig. Das «Flugzeugbauverbot» für Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg zwang den erfolgreichen Ingenieur, mit seiner Konstruktion von Landflugzeugen und Flugbooten ins Ausland auszuweichen. So gründete er 1924 die Dornier-Werke Altenrhein AG.

Flug von DO-X erster Höhepunkt in Altenrhein

Fragt man Roland Müller, Präsident des Organisationskomitees «100 Jahre Flugplatz Altenrhein», waren die Entwicklung der DO-X 1926 und dessen «Rekordflug» mit 169 Personen an Bord 1929 erste Höhepunkte in der Flughafengeschichte. «Das war der erste Flug eines Grossraumflugzeugs und das in der Schweiz!», schreibt er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte laut HSL Claudio Caroni das Unternehmen und benannte es 1949 in Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA) um. Wie es in der Mitteilung zur Flugplatzgeschichte weiter heisst, wurde eine 1200 Meter lange und 30 Meter breite Hartbelagpiste errichtet. Hintergrund sei ein Auftrag des Bundes für die Entwicklung eines Schweizer Kampfflugzeugs gewesen, den Militärjet «P-16». Ein Projekt, das allerdings 1958 «mit dem Absturz des Prototyps in den Bodensee» endete.

Für Roland Müller markieren der Absturz und die Stornierung des Bundesauftrags zur Serienproduktion von 100 Flugzeugen ebenso Tiefpunkte in Altenrhein wie das Projekt des AS 32T. «Dieses hochmoderne Trainingsflugzeug mit Turbine wurde für die Luftwaffe entwickelt», so Müller. Doch 1981 sei bei der Beschaffung der zweiten Tranche F-5 Tiger nicht «wie versprochen» das Flugzeug aus Altenrhein bestellt worden, sondern der PC7 der Pilatus-Werke. Beides sei mit der Entlassung vieler hochqualifizierter Arbeiter verbunden gewesen.

Staatsvertrag mit Österreich bringt Stabilität

Mittlerweile entwickeln und produzieren die Flugzeugwerke in Altenrhein laut Müller keine eigenen Flugzeuge mehr. Auch würden aktuell keine Aufträge mehr für die Luftwaffe ausgeführt. Dafür hätte sich der Unterhalt von Business-Jets sehr gut entwickelt.

Wie sieht OK-Präsident Müller die Zukunft des Flugplatzes? Wird er auch in 20 Jahren noch bestehen? «Ja», schreibt er. «In der Schweiz werden keine neuen Flugplätze mehr gebaut, und der Flughafen Zürich ist schon jetzt an der Grenze seiner Kapazität.» Zudem gebe der Staatsvertrag – der seit 1992 die Nutzung des Flugplatzes zwischen der Schweiz und Österreich regelt – diesem die notwendige Stabilität und Sicherheit, auch wenn er gleichzeitig Einschränkungen mit sich bringe.

«Seit einem Jahrhundert ein besonderer Ort»

Um den Flugplatz Altenrhein kam es immer wieder einmal zu Kontroversen, etwa wegen Belastung der Umwelt oder Lärmemissionen. Auch im Vorfeld der Feierlichkeiten gab es zu reden: So fühlten sich etwa österreichische Gemeinden in unmittelbarer Nähe zum Flughafen übergangen und übten scharfe Kritik an der vorgesehenen Flugshow der Patrouille Suisse. Zuletzt kündigten die Grünen der Region Rorschach eine Mahnwache an, die laut einer Mitteilung vom Mittwoch zum Nachdenken anregen soll und sich gegen «die Verharmlosung der Klimafolgen des Flugverkehrs» richtet.

Im Vordergrund der Festivitäten am Wochenende sollen sowieso nicht Show und Spektakel stehen. Man lege vielmehr Wert darauf, die Geschichte des für die Bodensee-Region wichtigen Flugplatzes so authentisch wie möglich zu präsentieren, schreibt Roland Müller. «Wir möchten zeigen, weshalb Altenrhein seit einem Jahrhundert ein besonderer Ort in der Schweizer Luftfahrt ist. Wir gehen sozusagen der Seele des Ortes auf den Grund.»

Auf dem Programm stehen laut Webseite verschiedene Flugdarbietungen, der Start von Heissluftballons und Ausstellungen. Einer der letzten Auftritte der Patrouille Suisse am Samstagnachmittag dürfte dabei ein Programmhöhepunkt sein.

Der Flugplatz Altenrhein wird heute von der Airport Altenrhein AG betrieben, einer Tochtergesellschaft der People’s Holding AG. Die Fluglinie People’s verbindet Altenrhein mit Wien und bietet im Sommer zudem weitere Ferienziele an.

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