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Ernährungsinitiative: Nachhaltigere Landwirtschaft oder «veganes Diktat»?

Salat statt Kühe? Die Befürworter der Initiative, über die am 27. September abgestimmt wird, wollen die Produktion pflanzlicher Lebensmittel gegenüber der Fleischproduktion fördern.
Salat statt Kühe? Die Befürworter der Initiative, über die am 27. September abgestimmt wird, wollen die Produktion pflanzlicher Lebensmittel gegenüber der Fleischproduktion fördern. Keystone / Gaetan Bally

Die Umweltaktivistin Franziska Herren versucht es erneut mit einer Initiative, die den Bund dazu verpflichten soll, Produktion und den Konsum pflanzlicher Lebensmittel zu fördern. Die Gegner:innen wehren sich vehement gegen dieses Vorhaben, das sie als realitätsfern bezeichnen. Die Initiative kommt am 27. September an die Urne.

Was sieht die Initiative «Für eine sichere Ernährung» vor?

Die Initiative «Für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative)» wurde im August 2024 mit 112’736 gültigen Unterschriften eingereicht. Ihr Ziel ist es, den Selbstversorgungsgrad der Schweiz von 46% auf mindestens 70% zu erhöhen. Der Text fordert dazu eine Anpassung der Agrarpolitik, um die Produktion und den Konsum pflanzlicher statt tierischer Lebensmittel zu fördern.

Die Initiative zielt zudem darauf ab, die Grundwasserressourcen zu schonen und eine nachhaltige sowie klimafreundliche Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft zu fördern. Dies insbesondere durch Massnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt und der Bodenfruchtbarkeit sowie durch die Förderung von natürlichen und vermehrbaren Pflanzen und Saatgut. Alle diese Anforderungen müssen innerhalb von zehn Jahren erfüllt werden.

Wer steht hinter dieser Initiative?

Die Initiative geht auf die Umweltaktivistin Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und sechs weitere Personen zurück, darunter Daniel Hartmann, ehemaliger Leiter der Sektion Grundwasserschutz beim Bundesamt für Umwelt. Franziska Herren war bereits Initiatorin der Trinkwasserinitiative, die im Juni 2021 von mehr als 60% der Stimmberechtigten abgelehnt wurde. Diese Vorlage forderte die Streichung von Subventionen für landwirtschaftliche Betriebe, die Pestizide und Antibiotika prophylaktisch einsetzen.

Auf politischer Ebene rufen nur die Jungen Grünen dazu auf, für die Initiative zu stimmen. Pro Natura Schweiz ist die einzige führende Umweltorganisation, die sich bisher dafür ausgesprochen hat. Weitere kleinere Verbände zählen zu den offiziellen Unterstützer:innen dieses TextesExterner Link.

Franziska Herren bei der Einreichung ihrer zweiten Volksinitiative am 16. August 2024 in Bern.
Franziska Herren bei der Einreichung ihrer zweiten Volksinitiative am 16. August 2024 in Bern. Keystone / Alessandro Della Valle

Wer ist dagegen?

Die Regierung lehnt die Ernährungsinitiative ab. Sie hielt es nicht für notwendig, einen Gegenvorschlag auszuarbeiten, da sie der Ansicht ist, dass die Bundesverfassung bereits die Möglichkeit bietet, die Agrarpolitik in die richtige Richtung zu lenken. Auch im Parlament stiess die Initiative auf einhellige Ablehnung. Alle Parteien waren der Ansicht, der Text sei zu radikal und die vorgeschlagenen Mittel seien unzureichend.

Auch die Idee eines direkten Gegenentwurfs, der sich auf den Erhalt der Ökosysteme, der Biodiversität und der Wasserqualität beschränkte, scheiterte. Nur die Sozialdemokratische Partei, die Grünen und die Grünliberalen unterstützten einen solchen Gegenvorschlag. Auch die wichtigsten Wirtschafts- und Landwirtschaftsverbände lehnen die Initiative ab.

Welche Argumente bringen die Befürwortenden vor?

Derzeit kann die Schweiz mit einer Selbstversorgungsquote von 42% die Ernährungssicherheit ihrer Bevölkerung im Falle einer Unterbrechung der Lileferketten nicht gewährleisten. Nach Ansicht des Initiativkomitees ist das Land nicht vor Krisen gefeit, die die Versorgung aus dem Ausland gefährden, beispielsweise Kriege, Handelskonflikte oder extreme Wetterereignisse.

Fast 60% der landwirtschaftlichen Flächen werden für den Anbau von Tierfutter genutzt, und dies sei der Hauptgrund dafür, dass die Schweiz die Hälfte ihrer Lebensmittel importieren müsse, argumentieren die Befürworter:innen der Initiative. Würden auf diesen Flächen Lebensmittel angebaut, könnten zehnmal mehr Kalorien für die Schweizer Bevölkerung produziert werden.

Die Initianten kritisieren zudem die Tierhaltung, die ihrer Meinung nach für die Klimakrise sowie für die Überdüngung und Versauerung der Böden verantwortlich ist. Schliesslich sind sie der Ansicht, dass der Bund durch die Gewährleistung von ausreichend sauberem Trinkwasser die Voraussetzungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft schaffen und gleichzeitig die Gesundheit der Verbraucher:innen schützen würde. 

Und wie lauten die Argumente der Gegner:innen?

Die Selbstversorgungsquote von 70% bei Lebensmitteln ist das Hauptargument gegen die Initiative. Die Gegner halten diese Quote für unrealistisch und sind der Ansicht, dass sie nur erreicht werden könnte, wenn der Staat den Konsum von Fleisch und tierischen Lebensmitteln drastisch einschränken würde. Die Allianz gegen die ErnährungsinitiativeExterner Link, in der zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Gastronomie, Handel und Bergregionen zusammengeschlossen sind, wehrt sich gegen das, was sie als «veganes Diktat» bezeichnet.

3 Plakate und ein Mann davor
An einer Medienkonferenz des Komitees gegen die Ernährungsinitiative, am 18. Juni 2026, Bern. Keystone / Anthony Anex

Der derzeitige Anteil von 46% spiegele wider, was die Realität vor Ort und die topografischen Gegebenheiten des Landes zulassen, betonen sie. In vielen Regionen, in denen die Flächen zu steil sind, ist die Tierhaltung die einzige Möglichkeit, ein Grundstück zu bewirtschaften. Sie sind der Ansicht, dass diese Initiative die Bewirtschaftung von Berggebieten und Almen gefährden würde.

Im Parlament kritisierten zudem mehrere Abgeordnete eine Initiative, die «keinen Bezug zur Realität» habe. Die Landwirte würden erneut für alle Übel verantwortlich gemacht, obwohl sie bereits grosse Anstrengungen zugunsten der Nachhaltigkeit und der Artenvielfalt unternähmen, argumentierten mache von ihnen. Schliesslich ist das «Nein»-Komitee der Ansicht, dass diese Initiative die Preise für einheimische Lebensmittel in die Höhe treiben und den Einkaufstourismus im Ausland begünstigen würde.

Aus dem Archiv – unser Porträt der Umweltaktivistin Franziska Herren, die zwei Volksinitiativen ins Leben gerufen hat:

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Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Franziska Herren lancierte die Initiative «für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung». Ihr kleines Komitee überzeugte über 100’000 Stimmbürger.

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Editiert von Katy Romy. Übertragung aus dem Französischen: Giannis Mavris

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