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Waschbären-Problem: Kann man die Ausbreitung noch stoppen?

WASCHBAER
Waschbären dringend in Gärten und Häuser ein, fressen Teiche leer und zerlegen alles, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Keystone / Georgios Kefalas

Waschbären breiten sich in der Schweiz aus. Das Tier gilt als gebietsfremd und schädlich. Unterwegs mit Waschbär-Jägern.

An diesem Morgen ist der Aargauer Jäger Sandro Zürcher früh unterwegs zu einem Waschbären, der in der Falle sitzt. Das Tier tappte im Dachstock eines alten Hauses in die Kastenfalle und löste damit eine Nachricht auf Zürchers Handy aus. Es ist bereits der siebte Waschbär innerhalb von zwei Jahren im kleinen aargauischen Dorf Wil.

Sandro Zürcher arbeitet im Auftrag der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau. Er bringt die Falle ins Freie und erlegt den Waschbär mit seinem Gewehr. «Es sind niedliche Tiere, aber sie können schlimme Schäden anrichten», sagt er.

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Thomas Amsler von der Sektion Jagd und Fischerei im Kanton Aargau ist Aufseher des Vogelschutzreservats des Klingnauer Stausees. Laut Amsler ist der Waschbär ein sehr geschickter Jäger – nicht nur am Boden, auch auf Bäumen.

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Waschbären würden heimische Arten gefährden. Das sei einer der Gründe, weshalb sich die Behörden in der Schweiz gegen eine Plage wie in Deutschland frühzeitig wappnen. Waschbären würden auch Schäden an Häusern anrichten, oft im Dachstock. Und sie würden Krankheiten übertragen wie den gefährlichen Spulwurm, einen Parasiten, der die menschliche Leber und Lunge angreift.

Marshmallows als Köder

Am Rande des Vogelschutzgebietes am Klingnauer Stausee hat sich ein Hausbesitzer bei Thomas Amsler gemeldet. Ein Waschbär streife nachts im Garten herum. Der Hausbesitzer macht sich Sorgen, dass der Waschbär schon bald im Dachstock wüten und teure Schäden bei der Isolierung verursachen könnte.

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Reservatsaufseher Amsler stellt zwischen Gartenhaus und Teich eine Kastenfalle auf. Als Köder dienen Marshmallows und Rosinen. Der Waschbär wird sich in diesem Fall aber nicht mehr zeigen. Waschbären zu fangen, sei aufwendig und schwierig.

Rasche Ausbreitung im Aargau und der Region Basel

Verglichen mit Deutschland, mit geschätzt zwei Millionen Waschbären, gibt es in der Schweiz noch wenige. Doch laut Experten gilt als sicher, dass sie sich nicht mehr vertreiben lassen und sich weiter ausbreiten. Wie viele Waschbären es in der Schweiz gibt, ist nicht bekannt. Im Kanton Aargau haben sich die Abschusszahlen innerhalb eines Jahres von 27 auf 54 Waschbären verdoppelt.

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Als sogenannter Neozoon gefährdet das aus Nordamerika eingeschleppte Tier heimische Arten von Amphibien und Vögeln. Sarah Hummel, Biologin der Schweizer Informationsstelle info fauna, sieht vor allem Arten gefährdet, die in der Schweiz ohnehin schon stark unter Druck sind. «Zum Beispiel der Kiebitz. Das ist ein typischer Bodenbrüter.»

Die Schweiz liege im Moment am südlichsten Verbreitungsrand der Population, sagt Hummel. «In zwei, drei Jahrzehnten können Waschbären in der Schweiz eine Dichte erreichen wie heute im Norden von Deutschland.» Vertreiben lassen sich Waschbären nicht, sagt sie. Aber ausbremsen.

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