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Die erste "Kunstgrenze" der Welt

Der Maschendrahtzaun zwischen Kreuzlingen und Konstanz ist Geschichte.

(Keystone)

Der Grenzzaun zwischen dem deutschen Konstanz und dem schweizerischen Kreuzlingen wird auf 280 Metern durch 22 Tarot-Skulpturen ersetzt.

Die weltweit erste "Kunstgrenze", ein Werk des deutschen Künstlers Johannes Dörflinger, markiert aber nicht das Ende der Kontrollen: Eine Videokamera überwacht das Grenzgebiet.

Der Grenzzaun wird auf dem Gebiet "Klein Venedig" auf einer Länge von rund 280 Metern vom Seeufer aus landeinwärts abgebrochen. Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank und der Kreuzlinger Stadtammann Josef Bieri schnitten am Mittwochabend gemeinsam das erste Loch in den Maschendrahtzaun.

In den kommenden Tagen rücken die Bagger an und beseitigen den Grenzzaun vollständig. Von Oktober an sollen 22 acht Meter hohe Trumpfkarten des Tarot an dieser Stelle die Aussengrenze der EU zwischen den beiden Städten markieren.

Schon zuvor durchlässig

Der Grenzzaun direkt am Bodensee-Ufer war aber auch bisher schon recht durchlässig. Nur eine fest installierte Kamera hat ein Auge auf Spaziergänger und Radfahrer, die das tagsüber geöffnete kleine Tor direkt am Wasser ungehindert von einem Land ins andere durchqueren können.

Errichtet wurde die Grenzmarkierung an dieser Stelle erst 1973. Früher reichte der See nämlich weiter ins Landesinnere. Das Gelände wurde in den fünfziger und sechziger Jahren aufgeschüttet und diente als Mülldeponie.

Dunkle Geschichte

Der längste Teil des Zauns jedoch stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus. 1940 wurde er im besten Einvernehmen mit der Schweiz fertig gestellt.

Die Schweiz wollte so Übertritte von Flüchtlingen kontrollieren. Denn seit Kriegsausbruch 1939 hatten viele der verfolgten Juden den Weg über Konstanz in die sichere Schweiz genommen.

Die Deutschen ihrerseits legten Wert auf eine dichte Grenze, weil sie fürchteten, über die Schweiz könnten geheime Informationen nach Frankreich gelangen. Ausserdem sollte durch den Zaun die ungehinderte Einfuhr von verbotenen Schriften gestoppt werden.

Finanzierung über Stiftung

Die Idee, den Grenzzaun abzureissen, verfolgten Horst Frank und Josef Bieri seit zwei Jahren. Die deutschen und schweizerischen Zollbehörden haben dem Abbau schliesslich zugestimmt, allerdings unter der Bedingung, dass der Grenzverlauf sichtbar bleibt. So entstand die Idee der weltweit ersten "Kunstgrenze".

Die stilisierten Tarot-Figuren des deutschen Künstlers Johannes Dörflinger sind aus einer rötlich schimmernden Metall-Legierung. Damit die Grenze nicht unsichtbar wird, werden Schilder aufgestellt, und natürlich bleibt die Videoüberwachung.

Die Finanzierung der Kunstgrenze hat die Dörflinger Stiftung übernommen. Sie investiert rund 1 Mio. Franken in das Projekt. Die Kosten für die Aufstellung und den Unterhalt tragen die beiden Städte Konstanz und Kreuzlingen.

Kritiker bemängeln, die Tarot-Figuren hätten keinen Bezug zur Grenze, und es habe keine Ausschreibung stattgefunden. Die beiden Stadtparlamente haben dem Vorhaben jedoch mit grosser Mehrheit zugestimmt.

Andere befürchten, dass die Skulpturen Esoterik-Freunde anlocken. Doch der Künstler hat jegliche Verbindung zu Übersinnlichem von sich gewiesen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Im Juni 2005 hat das Schweizer Stimmvolk den Anschluss der Schweiz an den Schengen-Raum beschlossen.

Dieses Abkommen fördert den freien Personenverkehr und schafft die systematischen Kontrollen an den Grenzen ab.

Es wird bereits in 13 der 15 alten EU-Staaten sowie in Island und Norwegen angewendet (Irland und Grossbritannien nehmen nur in bestimmten Sektoren teil).

Deshalb wurden die Kontrollen an den Aussengrenzen des Schengen-Raums verschärft. Ausserdem verstärkt ein elektronisches Fahndungssystem (SIS) die Polizei-Kooperation.

In der Schweiz wird das Abkommen erst 2008 in Kraft gesetzt, wenn ein moderneres Fahndungssystem zur Verfügung steht.

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Kreuzlingen und Konstanz

Die beiden Städte Kreuzlingen (CH, Kanton Thurgau) und Konstanz (D) sind seit Jahrzehnten miteinander über die Grenze hinweg verbunden. Einige Beispiele:

Schweizer Abwässer fliessen in die deutsche Kanalisation.

Konstanzer Busse fahren durch Kreuzlingen.

Die Wasser- und Gasversorgung ist grenzüberschreitend.

Brennt es in Kreuzlingen, ist auch die Konstanzer Feuerwehr schnell zur Stelle.

Gegenwärtig planen beide Gemeinden über die Grenze hinweg ein gemeinsames Kongresszentrum mit Hotel.

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