Anklage gegen zwei ZFS-Mitarbeiter in New York
Zwei Mitarbeiter von Zurich Financial Services haben sich im Rahmen umfangreicher Untersuchung wegen betrügerischer Praktiken in den USA schuldig bekannt.
Der Versicherungskonzern bestätigte die Anklagen im Wettbewerbsrecht gegen seine Mitarbeiter in den USA.
Die Zurich Financial Services Group (ZFS) wurde von der Börsenaufsicht SEC und der New Yorker Staatsanwaltschaft formell aufgefordert, Informationen über so genannte nicht-traditionelle Produkte zu liefern.
Diese Aufforderung läuft «Subpoena», das heisst unter Strafandrohung.
Bereits vor einer Woche hatte ZFS verschiedene Mitarbeiter in den USA auf Grund einer internen Untersuchung suspendiert, wegen der Art und Weise, wie sie mit Versicherungs-Policen umgingen.
Aktienerwartungen
«Schlussendlich wird der Effekt auf den ZFS-Aktienkurs beschränkt bleiben», schätzt René Locher von Kepler Equities, Zürich, gegenüber swissinfo.
«Denn es geht nicht nur um die ZFS als Einzelunternehmen, sondern um die gesamte Versicherungs-Branche.» Analysten beurteilen vor allem die «Subpoena» als kritisch.
ZFS-Konzernchef James J. Schiro versicherte am Mittwoch, die Zürich werde mit den US-Behörden weiterhin kooperieren.
Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag abend bekannt gegeben, dass zwei Mitarbeiter der US-Tochter der Zürich ein Schuldbekenntnis abgelegt hätten.
Absprachen
Die beiden inzwischen frei gestellten Senior Underwriters der Zurich North America Insurance, John Keenan und Edward Coughlin, gaben zu, Versicherungsofferten auf Anweisung eines Brokers beim weltgrössten Versicherungs-Maklers Marsh & McLennan zurechtgebogen zu haben.
Das Zurechtbiegen erfolgte auf eine Art und Weise, dass ein im Voraus festgelegter Gewinner den Zuschlag erhielt, wie der Sprecher von Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer in Albany bekannt gab. Unabhängig vom Umstand, ob dies auch für den Kunden die beste Offerte war.
Gegen aussen wurde ein Wettbewerb vorgetäuscht, der de facto gar nicht stattfand.
Verletzung des Wettbewerbsrechts
Wegen der damit erfolgten Verletzung des Wettbewerbsrechts müssen die beiden früheren Zürich-Mitarbeiter mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr und einer Busse von 1’000 Dollar rechnen.
Der Anwalt eines der beiden Underwriter sagte, er glaube nicht, dass sein Klient ein Verbrechen begangen habe. Er sei vielmehr in Praktiken verwickelt worden, deren Illegalität er sich nicht bewusst gewesen sei.
«Die Spielregeln haben geändert; Marsh & McLennan hat die Regeln geändert», sagte der Anwalt zur Verteidigung.
Seit der Klage der Staatsanwaltschaft gegen Marsh & McLennan vom vergangenen 14. Oktober haben damit fünf Personen ein Schuldbekenntnis abgelegt.
Verdacht auf fingierte Versicherungs-Offerten
Das Ziel der Staatsanwaltschaft sei es, die ganze Tragweite der Missbräuche in der Versicherungsindustrie und der Folgen für die Konsumenten aufzudecken, die Schuldigen zu bestrafen und Gegenmassnahmen einzuführen, sagte Spitzer-Sprecher Darren Dopp.
Beim Verfahren gegen Marsh & McLennan geht es um den Verdacht, dass das Brokerhaus fingierte Versicherungs-Offerten präsentierte und Schmiergelder von den Versicherungen kassierte.
Der Zürich-Konzern bestätigte die Schuldeingeständnisse seiner beiden früheren Mitarbeiter. Sie seien in der Einheit Excess Casualty im Specialities Business der US-Tochter tätig gewesen.
Die relativ kleine Abteilung ist auf Zusatzdeckungen im Haftpflichtgeschäft spezialisiert.
Konzernchef Schiro bekräftigte, dass die Zürich keine unlauteren Geschäftspraktiken toleriere und durchgreifen werde.
swissinfo und Agenturen
Verschiedene Manager der Branche sind entlassen worden, seit Staatsanwalt Eliot Spitzer die mutmasslichen Interessenkonflikte im US-Versicherungssektor unter die Lupe nahm.
Die Untersuchungen konzentrierten sich vorerst auf den Marktleader, der Versicherungs-Makler Marsh & McLennan.
Die Strafandrohung an ZFS kommt gleichzeitig mit der Meldung eines 35%-Zuwachses des Reingewinns im 3. Quartal 2004.
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