Arbeitskonflikt im Baugewerbe beigelegt
Im Lohnkonflikt des schweizerischen Bauhauptgewerbes wird es nicht zu einem offenen Schlagabtausch kommen. Die Spitzen der Baumeister und der Gewerkschaften haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, wie am Donnerstag (16.03) bekannt wurde.
Im Lohnkonflikt des schweizerischen Bauhauptgewerbes wird es nicht zu einem offenen Schlagabtausch kommen. Die Spitzen der Baumeister und der Gewerkschaften haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, wie am Donnerstag (16.03.) bekannt wurde. Der Arbeitsfrieden in der Branche bedarf allerdings noch der Zustimmung durch die Basis der Sozialpartner.
Kompromiss dank Vermittlung des Seco
Der Kompromiss ist das Resultat der Vermittlung durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) unter der Leitung des Direktors für Arbeit, Jean-Luc Nordmann. Der erzielte Kompromiss sieht eine generelle Lohnerhöhung von 100 Franken monatlich ab dem 1. Juli 2000 vor. Die ersten sechs Monate des Jahres sollen durch eine Pauschalzahlung abgegolten werden.
Im Gegenzug sagen die Gewerkschaften ja zu einer flexibleren Ausgestaltung der Gleitstundenregelung, wenn besondere betriebliche oder regionale Verhältnisse dies erfordern. Den betroffenen Arbeitnehmern steht dabei jedoch ein Mitspracherecht zu.
LMV wieder in Kraft
Der Landesmantelvertrag (LMV) für das Bauhauptgewerbe, der von den Gewerkschaften per Ende März gekündigt worden ist, wird wieder in Kraft gesetzt und gilt bis zum 31. März 2001. Ferner erklären sich die Gewerkschaften bereit, künftig auch über einen flexiblen Teil der Lohnerhöhung zu verhandeln.
Beide Seiten haben sich zudem verpflichtet, ab diesem Sommer Verhandlungen über die Löhne von 2001 zu führen. Dabei soll die volle Teuerung ausgeglichen und über eine Realllohnerhöhung mit einem individuellen, leistungsbezogenen Anteil verhandelt werden. Spätestens im Sommer 2001 soll dann über ein neues Vertragswerk diskutiert werden.
Trotzreaktion und Gegenmassnahme
Im vergangenen Dezember war ein mühsam gefunderer Kompromiss am Widerstand der Delegierten des Baumeisterverbandes gescheitert. Eine Mehrheit meist kleinerer Bauunternehmer wollte die Lohnerhöhung von 100 auf 80 Franken drücken. Als Reaktion darauf kündigten die Gewerkschaften den LMV auf Ende März und drohten mit gross angelegten Streikaktionen.
Um den Arbeitsfrieden in einer der wichtigsten Branchen der schweizerischen Wirtschaft (über 4’000 Unternehmen mit knapp unter 100’000 Arbeitsnehmern) zu erhalten und Verzögerungen auf wichtigen Grossbaustellen wie NEAT oder Expo.02 zu vermeiden, hatte das seco im Auftrag von Wirtschaftsminister Pascal Couchepin seine Vermittler-Dienste angeboten.
Sowohl die Gewerkschaften als auch der Schweizerische Baumeisterverband gaben sich am Donnerstag zuversichtlich, dass das Vermittlungsergebnis von der Basis abgesegnet wird.
swissinfo und Agenturen
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