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Bouw neuer Airline-Boss

swissinfo.ch

Der 60-jährige Pieter Bouw, langjähriger Chef der holländischen KLM, soll Verwaltungsrats-Präsident der neuen Schweizer Fluggesellschaft werden. Moritz Suter scheidet aus.

Bouw war von 1967 bis 1997 bei der KLM tätig, ab 1991 als Präsident und Geschäftsleiter (CEO). Vorgeschlagen als neuen Airline-Chef hat ihn der Steuerungs-Ausschuss nach Absprache mit den wichtigsten Investoren, wie das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) am Mittwochabend mitteilte.

Bouw verfüge über eine ausgewiesene, umfassende Erfahrung im Lang- und Kurzstreckenfluggeschäft, im internationalen Frachtgeschäft und in der Führung eines Hubs. Er ergänze damit die ebenfalls neu zusammengesetzte Geschäftsleitung in idealer Weise.

Als weitere Mitglieder werden folgende Personen vorgeschlagen: Der 47-jährige Jacques Aigrin, Konzernchef der Swiss Re Financial Services, der 66-jährige Philip H. Geier, langjähriger Konzernchef der Interpublic Group of Companies, der 41-jährige Andre Kudelski, Verwaltungsratspräsident der Kudelski Group, sowie der 41-jährige Urs Rohner, Konzernchef von ProSieben Sat.1. Als Vertreter des Bundes soll der 53-jährige Peter Siegenthaler, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, im Verwaltungsrat Einsitz nehmen.

Vom bisherigen Crossair-Verwaltungsrat soll einzig Claudio Generali im neuen Verwaltungsrat Einsitz nehmen. Der Bundesrat begrüsste laut EFD die Nominationen und erachtet die Zusage des langjährigen KLM-Chefs Bouw als ermutigendes Zeichen für den erfolgreichen Start der neuen Gesellschaft.

Gleichzeitig dankt der Bundesrat dem Crossair-Gründer Moritz Suter für desse koperative Zusammenarbeit beim Aufbau der neuen Gesellschaft, wie das EFD weiter schreibt.

Christian Frauenfelder, Mediensprecher von Aeropers, ist in einer ersten Reaktion gegenüber swissinfo «erfreut, dass ein neutraler Verwaltungsrat zu Stande kam». Der Mann aus dem Airline-Business gebe «zu gewissen Hoffnungen Anlass». Frauenfelder setzt nun darauf, dass die «visionären Personen» das Projekt 26/26 vorantreiben werden.

Milliarden-Kredit bereinigt

Gleichzeitig hat die Regierung am Mittwoch die Botschaft über Verpflichtungs- und Zahlungskredite für die «Neue Crossair» verabschiedet. Damit steuert der Bund über 2 Mrd. Franken an das «Redimensionierungskonzept der nationalen Zivilluftfahrt» bei.

Bereits anfangs Oktober hatte der Bundesrat mit 450 Mio. den reduzierten Oktober-Flugplan der Swissair finanziert. Die zusätzlichen 1,6 Mrd. teilen sich auf in eine Aktienzeichnung von 600 Mio. als Beteiligung an der Kapitalausstattung der neuen Gesellschaft und ein Darlehen von 1 Mrd. Franken zur Finanzierung des reduzierten Flugbetriebs der Swissair im Winterflugplan 2001/2002.

Beträchtliche Risiken – Chancen intakt

Der Bundesrat bezeichnet in seiner Botschaft an das Parlament die Aussichten des neuen Unternehmens trotz beträchtlicher Risiken als durchaus intakt. Die Kostenstruktur der Gesellschaft werde im internationalen Vergleich sehr vorteilhaft sein. Die ehrgeizigen Reduktionsziele bei den Personalkosten und Flugzeug-Leasingraten seien realistisch.

Auch werde die Aktionärsstruktur nicht mehr so zersplittert sein wie bei der SAirGroup, bei der Ende September 2001 etwa 60’000 Aktieninhaber das Aktionariat bildeten. Die weniger zahlreichen und als Einzelne finanziell stärker engagierten Aktionäre werden laut Einschätzung des Bundesrats ihre Kontrollfunktion stärker ausüben.

Deutsche Bank: «High risk investment»

Zur Beurteilung des Businessplans der Crossair hat der Bund die Deutsche Bank als Finanzberaterin beigezogen. Diese erachtet zusammenfassend die finanzielle Beteiligung an der neuen Crossair als «high risk investment» – als mit grossem Risiko verbundene Investition.

Zu vernachlässigen sei das Risiko eines Durchgriffsrechts der Swissair-Gläubiger auf die Crossair. Auch sei die Beschlagnahmung von Swissair- und Crossair-Flugzeugen im Ausland völkerrechtlich grundsätzlich unzulässig, schreibt der Bundesrat. Gerichtsurteile gegen die Swissair seien aber nicht ganz auszuschliessen, so insbesondere in Belgien und Frankreich.

Bund als Koordinator

Der Bund wird in der Übergangsphase die Rolle eines Koordinators übernehmen und weiter der Task Force vorstehen. So lange er einen bedeutenden Anteil am Kapital der neuen Gesellschaft hält, wird er im Verwaltungsrat vertreten sein. Längerfristig will sich der Bund aber von seiner Beteiligung trennen und nur regulierend eingreifen.

Weiter glaubt der Bundesrat, dass die Task Force Swissair Personal und die Mittel des Arbeitslosenversicherungs-Gesetzes ausreichen, um die betroffenen Arbeitnehmer zu unterstützen. Es könne nicht Aufgabe des Bundes sein, finanzielle Leistungen zum Vollzug des Sozialplans zu erbringen.

Gemäss Finanzhaushaltgesetz müssen die von der Finanzdelegation bewilligten Kredite dem Parlament zur nachträglichen Genehmigung unterbreitet werden. Die eidgenössischen Räte treten am 16. und 17. November in Bern zur ausserordentlichen Swissair-Session zusammen.

swissinfo und Agenturen

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