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Dreierfusion Alcan, Algroup und Pechiney geplatzt

Die geplante Dreier-Fusion der Aluminiumkonzerne Alcan, Algroup und Pechiney ist gescheitert. Die Verhandlungen mit Pechiney seien abgebrochen worden. Die Schweizer Algroup und die kanadische Alcan wollen aber zusammen bleiben.

Algroup und der kanadische Alu-Gigant Alcan fusionieren – aber ohne Pechiney. Die geplante Dreifachfusion ist geplatzt. Der Widerstand der EU-Kommission war zu gross. Das Scheitern wird mehrheitlich bedauert.

Nach der vor Jahresfrist gescheiterten Fusion mit dem deutschen Mischkonzern Viag erhalten die zweiten Fusionspläne des Schweizer Traditionskonzerns Algroup erneut einen Dämpfer: Alcan verhandelt nicht mehr mit dem französischen Aluminiumkonzern Pechiney. Die Dreifachfusion zur A.P.A., von der sich die Konzernspitzen und Aktionäre so viel erhofft hatten, kommt nicht zustande.

Alcan und Pechiney konnten sich nicht mit den EU-Kartellbehörden über eine Lösung im Aluminiumblechbereich einigen. Die Kommission befürchtete ernsthafte Wettbewerbsprobleme und verlangte Verkäufe von Unternehmensteilen.

Dies aber hätte den neuen Giganten im Bereich der Walzprodukte einschneidend beeinträchtigt, argumentierten Alcan, Pechiney und Algroup in einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag (13.04.). Die Dreifachfusion sei an der Weigerung von Alcan gescheitert, seine 50- Prozent-Beteiligung am deutschen Walzwerk Norf aufzugeben, erklärte Pechiney-Chef Jean-Pierre Rodier in Paris.

Aus A.P.A. wird A.A.

Nach dem Ausscheiden von Pechiney verhandeln die noch verbliebenen Parteien Algroup und Alcan über eine Fusion. Aus diesem Zusammenschluss würde immerhin noch ein Unternehmen mit einem Umsatz von 12,4 Mrd. Dollar entstehen, gegenüber 21 Mrd. Dollar zu dritt.

Auch ohne Pechiney wäre das Duo Algroup-Alcan der zweitgrösste Alu-Konzern; hinter Branchenführer Alcoa mit 16,4 Mrd. Dollar Umsatz. Alcoa wiederum will den US-Produzenten Reynolds Metals übernehmen.

Algroup-Chef Sergio Marchionne bedauerte am Donnerstag das Scheitern der Dreierfusion. Sie wäre die «kraftvollste Lösung» gewesen, sagte er an einer Telefonmedienkonferenz. Die Fusion mit Alcan würde Synergien von rund 150 Mio. Dollar bringen, sagte Marchionne. Das wäre noch etwa ein Viertel der Synergien, die sich aus der Dreifachfusion ergeben hätten.

Stellung der Walliser Werke gestärkt

Vor allem im Verpackungsbereich habe man grosse Synergien mit Pechiney gesehen. Die Walliser Werke würden durch das Ausscheiden von Pechiney gestärkt, sagte Marchionne. Denn hier wäre es zu Überlappungen gekommen.

Aber auch vom Zusammengehen mit Alcan erhofft sich Marchionne Vorteile. Insbesondere kann der Konzern die Stellung global verbessern.

Die EU-Kommission hatte diesem Zusammenschluss bereits Mitte März grünes Licht gegeben. Jetzt fehlt noch die Zustimmung der US-Behörden. Marchionne erwartet hier ein OK auf Ende April oder Anfang Mai. Aber auch die Aktionäre haben zu entscheiden. Denn die Fusion ist nur gültig, wenn 67 Prozent der Algroup-Aktien angedient werden. Analysten rechnen damit, dass diese Mindestquote zustande kommt.

Zurückhaltung im Lager der Aktionäre

Bei den Aktionären aber macht sich Zurückhaltung bemerkbar. Martin Ebners BZ-Gruppe – mit 27,5 Prozent mit Abstand grösster Algroup-Aktionär – will sich die Sache gut überlegen. Man bedaure das Scheitern und werde die Situation neu überdenken müssen, sagte Kurt Schiltknecht, Ebners rechte Hand.

Im Hause BZ hat sich ohnehin eine etwas eigene Situation ergeben. Martin Ebner hat nämlich als Verwaltungsratspräsident der Algroup die Interessen des Konzern zu wahren – seine BZ-Gruppe dagegen jene der Aktionäre. Ebner selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

swissinfo und Agenturen

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