Geld gesucht für eine neue Crossair
Im Schweizer Luftverkehrs-Debakel steht die Woche der Entscheidungen an. Bis zu 4 Mia. Franken (4'000 Millionen Franken) müssen in den kommenden Tagen bereitgestellt werden, wenn die Schweiz weiterhin eine nationale Airline und einen Hub in Zürich-Kloten will. Dies ist das Fazit eines weiteren Krisengipfels vom Sonntag in Bern.
Der Leiter der Task Force des Bundes und Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Peter Siegenthaler, gab im Bundeshaus bekannt, dass die Grundsatzfrage über die Zukunft des Schweizer Luftverkehrs bis Ende der neuen Woche beantwortet werden müsse.
Zusammen mit Crossair-Chef Andre Dosé war er sich einig, dass es um ein Modell mit der Übernahme von je 26 Lang- und Kurzstreckenflügen der Swissair geht, und dass die Frage nur mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Siegenthaler sagte zudem, dass es ohne zusätzliche staatliche Finanz-Hilfe nicht gehe.
Diskutiert wurden drei Varianten. Doch liess man in Bern keinen Zweifel offen, dass man der Meinung ist, einene Hub Zürich-Kloten könne nur mit der Variante 26/26 aufrechterhalten werden.
Variante 26/26
Die Crossair soll zur interkontinentalen Airline ausgebaut werden. Die Crossair-Flotte soll von bisher 82 Flugzeugen um 26 Langstrecken- und 26 Kurzstrecken-Flugzeuge der Swissair erweitert werden. Diese Variante wird von der Crossair und von der Task Force des Bundes offen favorisiert.
In der Variante A käme es zu einem Abbau von 14 Prozent aller Arbeitsplätze oder 9’400 Stellen, wovon 4’100 die Schweiz und 5’300 das Ausland beträfen. Die Kosten für den Personalabbau würden sich in diesem Fall auf weltweit 650 (Schweiz: 390) Mio. Franken belaufen.
Peter Siegenthaler sagte, ohne ein zusätzliches Engagement der öffentlichen Hand könne das Modell nicht realisiert werden.
Variante 15/26
Szenario B sieht die Übernahme von 15 Langstrecken- und 26 Mittelstrecken-Fleugzeugen der Swissair vor. Der Kapitalbedarf wird mit 1,6 Mrd. Franken veranschlagt. Es müssten 21 Prozent aller Stellen abgebaut werden (6’800 in der Schweiz/7’700 im Ausland). Die Kosten dafür beliefen sich auf 1,25 (Schweiz 620) Mrd. Franken.
Variante 0/0
In der Variante C schliesslich würde keine einzige Swissair- Maschine von der neuen Fluggesellschaft übernommen. Sie würde zum Abbau von 40 Prozent aller Stellen (14’500 in der Schweiz und 12’500 im Ausland) führen.
Die Kosten für diesen Personalabbau werden mit 2,7 (1’300) Mrd. Franken veranschlagt. Beim Szenario C wäre eine Weiterführung des Hub Zürich unrealistisch. In diesem Fall würde auch der Betrieb des EuroAirports Basel-Mulhouse-Freiburg und des Flughafens Genf- Cointrin beeinträchtigt.
Crossair als Basis
Crossair behielte in allen drei Szenarien jeweils ihre 82 Flugzeuge. Beim Aufbau der neuen Fluggesellschaft sei festgestellt worden, dass dies nur auf Basis der Crossair möglich sei, hiess es weiter. Crossair-Chef André Dosé hielt fest, dass für ihn die Variante A das erfolgversprechendste Szenario sei. Der Bundesrat wird sich spätestens am kommenden Mittwoch mit der Lage befassen.
Gewerkschaften für Variante 26/26
Die Gewerkschaften der Swissair Group sprechen sich klar für die Übernahme von 26 Langstrecken- und 26 Mittelstrecken- Flugzeugen der Swissair durch die Crossair aus. Jede andere Lösung gefährde die Hub-Funktion des Flughafens Zürich und käme einem wirtschaftlichen und sozialen Flächenbrand gleich, sagte Daniel Vischer, Präsident des VPOD Luftverkehr.
Wenn das Projekt Phoenix Erfolg haben solle, müsse der Bundesrat bis nächsten Mittwoch ein klares Signal aussenden, dass er mit mindestens einer Milliarde Franken die neue Airline unterstützen werde. Nur wenn der Bundesrat dieses Signal gebe, seien Banken und andere private Investoren bereit, den hohen Kapitalbedarf für den Plan Phoenix mitzutragen. Der Faktor Zeit spiele dabei eine entscheidende Rolle.
Ähnlich beurteilt Markus Jöhl, Präsident der Vereinigung des Cockpitpersonals der Swissair (Aeropers), die Lage. Mit der Variante 26/26 könne eine maximale Zahl von Arbeitsplätzen erhalten bleiben.
Liquiditätsengpässe bei flugnahen Unternehmen
Der Flugbetrieb der Swissair ist bis zum 28. Oktober, dem Beginn des Winterflugplanes und der geplanten Übernahme von Swissair-Flugzeugen durch die Crossair, gesichert. Dagegen gibt es Liquiditätsengpässe bei den flugnahen Unternehmen. Die Engpässe könnten jedoch mit den verbleibenden Mitteln aus dem Aktienkauf der Banken überbrückt werden, teilt die Task Force «Luftbrücke» am Sonntag weiter mit. Die Freigabe des Überbrückungs- Kredites der Banken im Umfang von 250 Mio. Franken sei daher dringlich.
swissinfo und Agenturen
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