Gericht genehmigt AOM/Air Liberté-Übernahme
Der frühere Air-France-Pilot Jean-Charles Corbet soll die bankrotte Fluglinie AOM/Air Liberté aus der Krise führen. Das Handelsgericht im Pariser Vorort Créteil hat am Freitag (27.07.) Projekt «Holco» gutgeheissen. Eine für Swissair kostspielige Liquidierung ist somit vorerst abgewendet.
Corbet habe die Unterstützung der kanadischen Bank CIBC,teilte das Gericht am Freitag (27.07.) in Paris mit. Im Zuge der Sanierung müssten massiv Arbeitsplätze abgebaut werden. Mehr als 1’800 der noch 4’560 AOM-Air Liberté-Stellen würden gestrichen.
Swissair kann sich damit von ihrer verlustreichen AOM-Air Liberté-Tochter trennen, an der sie 49,5% hielt. Das ausgewählte Sanierungsprojekt erfordert aber nochmals eine Finanzspritze der Schweizer Gruppe über rund 320 Mio. Franken. hiess es. Swissair stellte am Freitag entsprechende Mittel in Aussicht, wobei Gebühren für an die Franzosen geleaste Airbus-Flugzeuge vom Gericht berücksichtigt würden.
Swissair zufrieden
Die Swissair zeigte sich erfreut über die Entscheidung. «Gleichzeitig schliesst diese Lösung den geordneten Ausstieg der Swissair Group aus den Airline-Beteiligungen in Frankreich ab», heisst es in einer in Zürich veröffentlichten Stellungnahme. Die Swissair Group werde von jeglichen weiteren Verpflichtungen entbunden.
«Der Rückzug aus Frankreich zeigt, dass wir die Strategie des Ausstiegs aus verlustbringenden Airline-Beteiligungen und der Konzentration auf das Flugkerngeschäft von Swissair und Crossair zielstrebig voran treiben», erklärte Swissair-Chef Mario Corti.
Mit AOM-Air Liberté wollte Swissair in Frankreich dem Marktführer Air France Konkurrenz machen. Die Regionalflugzeug-Gesellschaft trug stattdessen im vergangenen Jahr mit einem Verlust 700 Mio. Franken zum Milliarden-Desaster der Schweizer Gruppe bei.
Diese drehte den Franzosen darauf hin den Geldhahn zu. AOM-Air Liberté ist auf Flüge innerhalb Frankreichs und in die französischen Übersee-Gebiete spezialisiert. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 7,5 Mio. Passagiere befördert.
Lohnkürzung vorgesehen
Die Sanierung der bankrotten Fluggesellschaft AOM/Air Liberté wird sich schwierig gestalten. Corbet kann dabei aber auf die Unterstützung der Gewerkschaften zählen.
Die Gewerkschaften unterzeichneten bereits ein Abkommen, das den sozialen Frieden während der Sanierungsphase und eine 10-prozentige Kürzung der Lohnsumme für Piloten, Mechaniker und Bordmechaniker vorsieht. Im Gegenzug sollen sie Aktien der neu organisierten Gesellschaft erhalten.
Für eine Übernahme der Gesellschaft hatten sich unter anderem auch die Fidei-Filiale des US-Konzerns Leucadia und AOM/Air Liberté-Konzernchef Marc Rochet interessiert. Gegen letzteres Angebot wehrten sich die Gewerkschaften vehement. Sie drohten sogar mit Streikaktionen, falls Rochet berücksichtigt werden sollte.
swissinfo und Agenturen
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