Gotthard: Sonntagsruhe – Zahl der Opfer unverändert
Die Arbeiten zur Absicherung der Unfallstelle im Gotthard-Tunnel sind beendet. Am Sonntag ruhen die Arbeiten. Vermutlich gibt es keine weiteren Opfer mehr. Der Schwerverkehr sucht sich neue Wege.
Nach der Brandkatastrophe im Gotthardtunnel sind die Sicherungsarbeiten am Samstagabend abgeschlossen worden. Nächste Woche können somit Spezialisten ihre Arbeit aufnehmen. Die ganze Nacht auf Samstag wurde, nach Angaben der Einsatzkräfte, die Deckenkonstruktion stabilisiert.
Beim Unfall im 16,3 km langen Tunnel waren 13 Lastwagen, 4 Lieferwagen und 6 Autos verwickelt. Bisher wurden 11 Tote gezählt, 10 konnten geborgen werden. Die Zahl der Vermissten sank im Verlauf des Tages auf 65. Die Behörden gehen aber nach wie vor davon aus, dass die Opferzahl nicht stark nach oben korrigiert werden muss.
In der sogenannten «Zona rossa», dort, wo die Tunneldecke auf rund 50 Metern eingebrochen war, befinden sich noch 12 Fahrzeuge. Laut Piazzini ist es vermutlich sämtlichen Fahrern gelungen, das Auto und den brennenden Tunnel rechtzeitig zu verlassen.
Am Sonntag finden keine Bergungsarbeiten statt. Man wolle den total erschöpften Hilfskräften eine Erholungspause einräumen. Der Bischof von Lugano liest in Airolo eine Messe zum Gedenken an die Opfer. Die Bergungs- und Aufräum-Arbeiten werden am Montag wieder aufgenommen.
Lastwagen nicht wegschleppen
Noch sind keine Autos aus dem Tunnel geschleppt worden. Zuerst muss sichergestellt werden, dass den Einsatzkräften keine Gefahr durch herabstürzende Betonteile droht.
Marco Guscio, Chef der Tessiner Verkehrspolizei, vermutet, dass die beiden Unfall-LKWs zunächst nicht aus dem Tunnel geschafft werden. «Die Lastwagen sind formlose, ausgebrannte Wracks. Aus ermittlungs-technischen Gründen wollen wir sie noch nicht aus dem Tunnel schleppen», sagte Guscio.
In der Zwischenzeit sind auch Untersuchungs-Spezialisten auf dem Plan: Zürcher Experten sollen die Situation im Tunnel mit Spezialkameras dokumentieren. Ein Lausanner Team hat den Auftrag, die Dynamik des Unfalls und des Brandes zu analysieren. Für Montag wird ein Team von 10 Spezialisten zur Opfer-Identifikation erwartet.
Am Sonntag liest der Bischof der Diözese Lugano in der Pfarrkirche von Airolo eine Gedenkmesse für die Opfer der Brandkatastrophe.
Stau am Brenner
Am Samstag verlief der Schwerverkehr auf den zwei Achsen im Wallis flüssig. Sowohl beim Simplon wie auch beim Grossen St. Bernhard nahm die Zahl der Laster im Vergleich zum Donnerstag und Freitag ab. Auf den Montag erwartet das Wallis jedoch ein erhöhtes Schwerverkehrs-Aufkommen.
Die Schliessung des Gotthardtunnels hat Auswirkungen auf den Verkehr in den Nachbarländern. Am Samstag morgen bildete sich am österreichisch-italienischen Grenzübergang am Brenner ein zehn Kilometer langer Lastwagenstau.
EU: Öffnung des 40-Tönner-Korridors gefordert
Derweil rief die EU-Kommissarin Loyola de Palacio die Schweiz zu grosszügigerer Handhabung der 40-Tönner-Quoten auf. Alle Beteiligten müssten zur Lösung des derzeitigen alpenquerenden Verkehrsproblems beitragen.
Der Brand im Gotthardtunnel bewirke grosse Probleme für das europäische Transportsystem, erklärte die Verkehrskommissarin der Europäischen Union (EU) am Freitag. Da nach dem Mont-Blanc-Tunnel nun eine zweite wichtige Alpen-Passage gesperrt sei, seien auch kurzfristige Massnahmen nötig.
Die Kommissarin betonte aber gleichzeitig, vor allem müssten die derzeitigen Eisenbahn-Kapazitäten in den Alpen von den Camionneuren voll genutzt werden. Mit den österreichischen Behörden werde eine Kapazitätserhöhung um 300 Camions täglich angestrebt. Gleiche Bemühungen sollten alle Staaten der EU sowie die Schweiz unternehmen.
Mont-Blanc ab Mitte Dezember offen
Der Montblanc-Tunnel soll am 15. Dezember wieder für Personenwagen geöffnet werden. Das haben der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot und sein italienischer Amtskollege Pietro Lunardi am Freitag in Paris vereinbart.
Wenige Wochen später sollen auch Lastwagen wieder in einer Richtung durch den Montblanc-Tunnel fahren. In die andere Richtung müssen die LKW den Fréjus-Tunnel benützen.
Die Brandkatastrophe im Gotthardtunnel hatte die Kontroverse um die Wieder-Eröffnung des Mont-Blanc-Tunnels neu angeheizt. Frankreichs Verkehrs-Minister Gayssot sagte, die Freigabe des Tunnels komme erst in Frage, wenn optimale Sicherheits-Massnahmen gewährleistet seien.
swissinfo und Agenturen
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