Luchsjäger werden nicht gejagt
Mindestens sechs Luchse sind im Berner Oberland seit Anfang 2000 illegal getötet worden - die Untersuchungen der Justiz blieben bisher erfolglos. Wegen "schlampiger" Ermittlungen hat "Pro Natura" nun Aufsichts-Beschwerde gegen die Untersuchungs-Behörden eingereicht. Die hat nun reagiert.
Die Berner Untersuchungs-Richterin Christine Schenk will bis Ende August über die Verfahren zu den illegalen Luchstötungen informieren. «Vorher laufen weitere Befragungen», sagte Schenk am Dienstag (26.06.) zur Aufsichtsbeschwerde von «Pro Natura».
Aufgrund der vorliegenen Fakten kommt Pro Natura nämlich zum Schluss, dass die meisten meisten Fälle «am Versanden» sind. Zeugen seien nicht befragt, verschiedene Spuren nicht weiterverfolgt worden, heisst es in der Beschwerde gegen das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland.
Es gebe Befragungen
Die «säumigen» Behörden seien «anzuhalten, ihren Amtspflichten innert nützlicher Frist nachzukommen».
Es seien zu sämtlichen Fällen Befragungen durchgeführt worden oder würden noch durchgeführt, sagte Schenk. Inhaltlich wollte Schenk zu den Vorwürfen von Pro Natura wegen der laufenden Verfahren keine Stellung nehmen.
Pro Naura führt unter anderem der Fall der Luchsin «Raja» an, deren Halsband in Lauenen (BE) im September 2000 im Kofferraum eines Einheimischen gefunden wurde. Die Männer, die das Halsband nach eigenen Angaben «gefunden» hatten, hätten den Behörden bisher nicht einmal den Fundort des Halsbandes zeigen müssen.
In einem anderen Fall hatten laut Pro Natura im Herbst 2000 in einem Restaurant in Wimmis (BE) zwei Jäger Fotos getöteter Luchse herumgezeigt, ohne von den Untersuchungs-behörden befragt worden zu sein.
«Willen zur Aufklärung fehlt»
«Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass es bei den Behörden am Willen zur Aufklärung fehlt», begründete Urs Tester, Abteilungsleiter Naturschutz von Pro Natura, das Vorgehen – dies, obwohl es sich beim Luchs um eine geschützte Tierart handle, deren vorsätzliche Tötung mit Gefängnis oder mit Busse bestraft werde.
Im Kanton Bern wurden seit Anfang 2000 mindestens sechs Luchse illegal getötet. Der jüngste Fall datiert von Mitte März 2001, als in Meiringen ein mit Schrotkugeln durchsetzter Kadaver eines Jungluchses gefunden wurde.
Beim Untersuchungsrichteramt Berner Oberland war auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch