Mangelndes Vertrauen
Die Unsicherheit an den Finanzmärkten dauert an. Auch die Schweizer Börse hat eine rabenschwarze Woche hinter sich.
Der Marktindex SPI verlor 6,2%, der Blue-Chips-Index SMI sogar 7,0%. Vor allem Versicherungs-Titel wurden arg gebeutelt. Zurich und die Rentenanstalt verloren je rund 20%. Am Freitag ging es wieder leicht aufwärts.
Bei Jahrestief
Nach der Erholung in der Vorwoche erlitt die Schweizer Börse erneut einen Schwindsuchtsanfall. Am Donnerstag hatten die beiden Hauptindizes SPI und SPI am Jahrestief vom 26. Juni gekratzt.
Die Zürich-Aktien verloren 22,5%, die Rentenanstalt 19,2%. Und die Credit Suisse Group (CSG), zu der die Winterthur gehört, stürzte 15,6% ab. Der Rückversicherer Swiss Re verlor 11,3%.
Auch defensive Schwergewichte wie Nestlé (minus 4,6%) oder Novartis (minus 6,2%) blieben von der Baisse nicht verschont. Die UBS gab 6,5% ab.
Leichte Erholung
Am Freitag setzte eine leichte Erholung ein. Der SMI legte im Vergleich zum Vorabend 1,2% zu und schloss bei 5604,7 Punkten. Der breitere SPI legte 1,1% zu und schloss bei 3911,01 Punkten. Der New Market verlor hingegen bei einem Schluss-Stand von 366,15 Punkten 0,74%.
Die Versicherungstitel schlossen unterschiedlich. Die am Vortag um fast 19% getauchten Namenaktien der Zürich legten um 2,0% zu; in einer Mitteilung hatte die Zürich ihre Solvenz bekräftigt. Auch die Swiss Re und die CSG verbesserten sich um je 1,4%. Die Rentenanstalt verlor dagegen erneut 0,8%. Die zuvor von den grössten Turbulenzen verschonte Bâloise büsste 1,7% ein.
Schlechte Stimmung
Die Erholung wurde von Marktbeobachtern vor allem auf technische Gründe, aber auch auf positive Vorgaben in den USA zurückgeführt. Die Stimmung an den Märkten sei aber wegen der unsicheren Aussichten weiterhin schlecht.
Der durch die Bilanzskandale ausgelöste Vertrauensschwund laste noch immer bleischwer auf den Kursen, sagte der Analyst der Zürcher Kantonalbank, Claude Zehnder, in der Mittags-Tagesschau von Fernsehen DRS.
Der umstrittene Mindest-Zinssatz
Zudem gebe die geplante Senkung der Mindest-Verzinsung in der beruflichen Vorsorge immer noch zu reden. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s beliess das Finanzkraft-Rating der Rentenanstalt am Freitag bei A, doch mit negativem Ausblick.
Analysten von Pictet gehen davon aus, dass die Senkung des Mindest-Zinssatzes von 4 auf 3% für die Rentenanstalt, aber auch für die anderen grossen Lebensversicherer kurzfristig eine Erleichterung bringen wird.
Im Zusammenhang mit Mutmassungen über eine allfällige Unter-Kapitalisierung rechnet Pictet damit, dass bei der Rentenanstalt und in geringerem Ausmass auch bei der Zurich und bei Winterthur Massnahmen wie Dividendenkürzungen möglich sein könnten.
Offensive der Versicherer
Nach den Kursstürzen vom «Schwarzen Donnerstag» suchten die grossen Schweizer Versicherungen am Freitag nach Erklärungen und gingen in die Offensive. Die Zurich betonte ihre Solvenz. Der Aktienanteil sei seit Ende 2001 verringert worden.
Zudem hätten die Einbussen am Kapitalmarkt teilweise durch die Aufwertung der festverzinslichen Anlagen aufgefangen werden können. Auch der schwache Dollar wirke sich positiv aus.
Auch der weltweit zweitgrösste Rückversicherer, Swiss Re, räumte Verluste auf den Kapitalanlagen ein. Diese würden auf die Erfolgsrechnung des ersten Halbjahres 2002 drücken, sagte Swiss Re. Andere netto realisierten Gewinne aus Aktien und Obligationen würden dies aber teilweise wieder kompensieren. Laut Finanzchef John Fitzpatrick wurde der Aktienanteil bei Swiss Re bereits letztes Jahr deutlich reduziert.
Der Lebensversicherer Rentenanstalt/Swiss Life sieht sich laut Konzernchef Roland Chlapowski derzeit zwar ausreichend mit Kapital ausgestattet. Er prüfe aber weiterhin Möglichkeiten zur Eigenmittelstärkung, sagte Chlapowski gegenüber Reuters. Am 18. September solle darüber informiert werden.
swissinfo und Agenturen
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