Neues Konzept für die Lagerung radioaktiver Abfälle vorgestellt
Die radioaktiven Abfälle sollen rückholbar endgelagert werden. Eine Expertengruppe hat ein Konzept ausgearbeitet, das den Forderungen nach Langzeitsicherung und Handlungsfreiheit künftiger Generationen entgegenkommt.
Die radioaktiven Abfälle sollen rückholbar endgelagert werden. Eine Expertengruppe hat ein Konzept ausgearbeitet, das den Forderungen nach Langzeitsicherung und Handlungsfreiheit künftiger Generationen entgegenkommt.
Bei der Entsorgung von Atommüll wurde bisher weltweit das Konzept der Endlagerung bevorzugt. Dem steht heute die gesellschaftliche Forderung nach Überwachung, Kontrolle und Rückholbarkeit gegenüber, die so genannte Reversibilität.
Im Auftrag von Bundesrat Moritz Leuenberger hat deshalb eine Expertengruppe die verschiedenen Entsorgungskonzepte verglichen und ein eigenes Konzept der kontrollierten geologischen Langzeitlagerung erarbeitet. Der Wellenberg in Nidwalden und der Zürcher Opalinuston wäre nach ihrer Meinung dafür geeignet.
Überwachung vom Pilotlager her
Das am Montag (07.02.) in Bern vorgestellte Konzept verbindet die Endlagerung mit der Möglichkeit der Reversibilität. Nach dem Bau eines Testlagers wird ein wartungsfreies Hauptlager eingerichtet, das nach wenigen Jahrzehnten gefüllt und verschlossen wird.
Neben dem Hauptlager soll – und das ist das Novum – im gleichen Wirtsgestein ein Pilotlager gebaut werden, in dem ein kleiner, aber repräsentativer Teil der Abfälle unter gleichen Bedingungen wie im Hauptlager eingelagert wird. Dieses soll in Form eines Felslabors über Jahrhunderte betrieben werden können.
Im Pilotlager wird das Verhalten des Atommülls und des Wirtsgesteins überwacht. Sollten Sicherheitsmängel auftreten oder sollten neue Technologien neue Entsorgungskonzepte ermöglichen, könnten künftige Generationen im Hauptlager eingreifen und wenn nötig, den Atommüll wieder herausholen.
Oberstes Ziel eines jeden Entsorgungskonzeptes muss nach Meinung der Experten die Sicherheit von Mensch und Umwelt sein. Die kommenden Generationen sollten die Möglichkeit haben zu entscheiden, ob das Lager verschlossen wird oder offen bleiben soll, sagte der Genfer Ethik-Professor François Dermange. Sowohl das Projekt Wellenberg als Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle sowie die Untersuchung der Sedimentgesteine im nördlichen Kanton Zürich für hochaktive Abfälle seien viel versprechend, sagte der Leiter der Expertenkommission, der Genfer Geologe Walter Wildi.
Sondierstollen am Wellenberg
Deshalb sollte jetzt der Bau eines Sondierstollens am Wellenberg in die Wege geleitet werden. Nur so könne ermittelt werden, ob das vorgesehene Wirtsgestein eine Kalksteinscholle oder eine tektonische Störung enthalte. In diesem Falle müsste das Projekt Wellenberg abgebrochen werden, sagte Wildi.
Kosten von 6 bis 7 Milliarden
Demnächst werde Leuenberger dem Bundesrat Antrag stellen, welches Entsorgungskonzept weiter verfolgt werden soll, sagte der Generalsekretär des Departementes für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) Hans Werder: die Endlagerung, die kontrollierte geologische Langzeitlagerung oder das Konzept der Umweltorganisationen (Langzeitlager).
Anschliessend wird das ausgewählte Konzept in die Vernehmlassung gegeben. Die Kosten des Baus der beiden Lager wird auf 6 Milliarden Franken geschätzt – die bisherigen Arbeiten am Wellenberg und in Benken ZH eingeschlossen. Für die Überwachung nach neuem Konzept kämen für 100 Jahre eine halbe bis eine ganze Milliarde dazu.
SRI und Agenturen
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