Positive Signale für flugnahe Betriebe
Die Verhandlungen über Rettungspläne für die flugnahen Swissair-Betriebe laufen auf Hochtouren. Offenbar zeichnen sich Lösungen ab. Die Crossair schliesst ein zweites "Grounding" aus.
Die vom Bund eingesetzte Task-Force, die mit einem Ultimatum massiv Druck auf Kantone und Banken ausgeübt hatte, zeigte sich am Mittwoch erstmals zuversichtlich. Task-Force-Chef Peter Siegenthaler habe dem Bundesrat die Situation «leicht optimistisch» geschildert, erklärte Bundesrats-Sprecher Achille Casavona.
Im Moment würden nach Angaben Siegenthalers mehr Probleme gelöst als neue auftauchen. «Lösungen zeichnen sich ab», bestätigte am Abend Dieter Leutwyler vom Eidgenössischen Finanzdepartement, verzichtete aber auf genauere Angaben. Allerdings seien noch weitere Anstrengungen der Hauptbeteiligten notwendig.
Gespräche laufen auf Hochtouren
Auch der Kanton Zürich zeigte sich zuversichtlich. Für die verschiedenen Firmen würden individuelle Lösungen gesucht, sagte Andreas Hugi, persönlicher Mitarbeiter des Zürcher Regierungsrates Ruedi Jeker, am Mittwoch. Die Gespräche liefen weiter auf Hochtouren.
Das Abfertigungs-Unternehmen Swissport steht gemäss früheren Angaben Siegenthalers kurz vor dem Verkauf an die britische Investment-Gesellschaft Candover.
Auch Atraxis vor dem Verkauf
Auch für das Informatik-Unternehmen Atraxis und die Wartungsfirma SR Technics, die in den nächsten Wochen dringend eine Liquiditäts-Spritze von 150 Mio. Franken benötigen, gab es positive Signale.
Für Atraxis stehe ein Verkauf sogar kurz bevor, teilte die Crossair mit. Für SR Technics sei längerfristig ebenfalls mit einem Verkauf zu rechnen.
Bei der Atraxis-Kaufinteressentin Lufthansa hiess es am Donnerstag, sie wolle die Gespräche nächste Woche abschliessen. «Wir hoffen, dass wir die Diskussionen nächste Woche beenden können», sagte ein Sprecher der Lufthansa.
Die Gespräche über einen Kauf der IT-Tochter waren schon am 12. Juli aufgenommen worden. Nach den Anschlägen am 11. September in den USA hätten sich die Verhandlungs-Grundlagen dann geändert, so der Sprecher. Über den möglichen Kaufpreis wollte er keine Angaben machen.
Nach Angaben von Crossair-Sprecher Manfred Winkler dürften die Liquiditäts-Probleme der Firmen demnächst behoben werden. Dass die Flugzeuge wegen der Probleme der Infrastruktur-Firmen ein zweites Mal am Boden bleiben, schloss der Crossair-Sprecher aus.
Vischer: Ball liegt bei den Banken
Es gebe Chancen zur Rettung der flugnahen Firmen, erklärte auch Daniel Vischer, Präsident der Gewerkschaft VPOD Luftverkehr. Die vom Kanton Zürich versprochene Bürgschaft für den Flughafen und dessen Infrastruktur sei ein positives Signal. Der Ball liege nun bei den Banken.
Die Grossbanken UBS und Credit Suisse Group haben ihre Kooperations-Bereitschaft signalisiert. Allerdings verlangen sie Sicherheiten für weitere Auszahlungen aus dem versprochenen 250-Mio.-Kredit.
Auch ZKB könnte Hand bieten
Falls der Zürcher Flughafen Unique Firmen oder Firmenteile übernimmt, dürfte auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Hand bieten, sagte ZKB-Sprecher Urs Ackermann. Von Unique war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. Es werde verhandelt, sagte eine Sprecherin.
Werden für die flugnahen Betriebe tatsächlich Lösungen gefunden, kann die Swissair für den vorläufigen Weiterbetrieb des Langstrecken-Netzes rasch mit Bundesgeldern rechnen. Der Darlehensvertrag von einer Milliarde ist nach Angaben Casanovas unterzeichnet. Es sehe so aus, als könne eine erste Tranche von 50 Mio. Franken demnächst gesprochen werden.
swissinfo und Agenturen
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