Rentenanstalt schliesst Finanzportal
Die Rentenanstalt sieht rot und schliesst ihr Internet-Finanzportal redsafe.com. 55 Stellen werden abgebaut, 75 Mio. Fr. Entwicklungskosten gehen verloren.
Noch vor wenigen Wochen hat die Rentenanstalt einen Pressebericht, wonach ihr Finanzportal redsafe.com eingestellt werden soll, dementiert. Damals stellte der Lebensversicherer klar, man suche Partner. Jetzt wird es dennoch eingestellt – auf Ende Jahr.
redsafe.com, die Internet-Plattform für Finanzdienstleistungen wie Bankgeschäfte, Versicherungen, Aktien- und Fondshandel sowie Finanzinfos funktioniert erst seit sieben Monaten.
redsafe.com ist ein Kind aus der Spätzeit des Internet-Booms. Im Herbst 2000 waren die Pläne konkret geworden, im bereits schwierigen Jahr 2001 wurde es aufgebaut.
Schlechtes Umfeld
«Die Marktlage war im zweiten Halbjahr 2001 sehr schlecht. Wir haben uns seit Beginn dieses Jahres nach Partnern für redsafe umgesehen, haben aber keinen gefunden», sagt Pressesprecherin Simone Zindel gegenüber swissinfo.
Eine geordnete Abwicklung der Geschäftsbeziehungen und die Einstellung des Betriebes seien sichergestellt. Auch die Sicherheit der Kundengelder sei jederzeit gewährleistet.
Keine Überraschung
Die Schliessung kommt nicht überraschend. Schon seit einiger Zeit ist für Börsianer klar, dass im Internet-Trading nicht mehr viel Geld zu verdienen ist.
«In den letzten Jahren herrschte ein echter Börsen-Hype, weil massive Gewinne herausschauten», sagt René Locher, Versicherungsexperte der Bank Sarasin gegenüber swissinfo. «Heute aber, in einer Zeit, wo die Leute viel Geld verloren haben, macht es absolut keinen Sinn mehr, ein solches Geschäft zu betreiben.»
3200 Konto-Kunden
Das Portal, das Anfang Jahr den Betrieb aufgenommen hatte, wird zurzeit von 3200 Kunden genutzt. Noch immer kann auf dem Portal ein Konto eröffnet werden.
Die Börse hat am Dienstag Vormittag dankbar auf diesen Entscheid reagiert: Der Preis der Rentenanstalt-Aktie stieg stark. Denn 55 Stellen werden damit abgebaut. Für die Betroffenen werde nach Lösungen gesucht, hiess es. Ein Sozialplan sei vorhanden.
Reines E-Finance-Projekt
redsafe.com war im Unterschied zu den Portalen etablierter Banken ein reines E-Finance-Projekt. Die Credit Suisse zum Beispiel bietet mit ihrem Angebot Direct Net «kein losgelöstes Angebot, sondern einen weiteren Vertriebskanal», wie Pressesprecher Matthias Friedli gegenüber swissinfo erklärt.
Die CS ist überzeugt, dass ihr kombinierter Weg der Richtige ist. Zurzeit benutzen laut Friedli 357’500 Kunden das etablierte Online-Angebot, welches schon seit 1997 auf dem Netz ist. Die Zuwachsrate sei weiterhin gut.
Finanzportal-Fiaskos
Andere bestehende Finanzportale waren bereits letztes Jahr in Schwierigkeiten geraten. So legte die Bank Julius Bär letztes Jahr ihr 40-Millionen-Projekt Stellax still und heimlich auf Eis.
Wesentlich mehr verlor die Bank Vontobel. Mit ihrem Projekt y-o-u setzte sie 250 Mio. Fr. in den Sand. Diese Internet-Bank wurde schon im Februar 2001 eingestellt. «Das Thema Internet ist heute nicht mehr aktuell», sagt Lisa Meyerhans vom Vontobel-Pressedienst gegenüber swissinfo.
Noch mehr kostete die Zurich Financial Services ihr Ausflug in die digitale Welt. Ganze 451 Mio. Fr. waren verloren, als sie im letzten März die Notbremse zog.
Fünf verbleiben
Im E-Finance-Sektor sind damit in der Schweiz nur noch fünf Internet-Banken oder -Broker tätig. Die Consors (Schweiz) AG, die Direkt Anlage Bank (Schweiz) AG, die Global Direct Dealing AG, die Swissnetbank und die Swissquote Bank.
Mit Ausnahme der Global Direct Dealing AG, die nur als Effektenhändlerin lizenziert ist, haben alle Institute eine Bewilligung für das Bank- und das Effektenhandels-Geschäft, wie eine Zusammenstellung der Eidgenössischen Bankenkommission zeigt.
Christian Raaflaub und Agenturen
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