Schweizer Grossbanken droht erneut Sammelklage
Der gefürchtete US-Anwalt Ed Fagan will im Namen südafrikanischer Apartheid-Opfer eine Entschädigungs-Klage gegen UBS und Credit Suisse einreichen.
Fagans Schweizer Partner Norbert Gschwend bestätigte einen entsprechenden Bericht der Sonntagszeitung. Gemäss Zeitungsbericht will Fagan die Klage gegen die beiden Schweizer Grossbanken am Montag bei einem Gericht in Manhattan einreichen.
Er fordere von UBS und CS mindestens 80 Mrd. Franken, weil sie das Apartheid-Regime unterstützt hätten. Mit einer umstrittenen Umschuldungs-Aktion hätten sie das Regime zwischen 1985 und 1993 an der Macht gehalten; dies trotz internationaler Sanktionen.
Zahl der klagenden Opfer könnte steigen
Ausserdem haben die beiden Finanz-Institute, laut einer früheren Aussage Fagans, «wissentlich Firmen finanziert, die Sklaven beschäftigt, gefoltert und hingerichtet haben».
Auf dem Zürcher Paradeplatz will der gefürchtete und umstrittene Sammelkläger-Anwalt an einer Art Open Air-Veranstaltung die Klage öffentlich erörtern. Laut Gschwend, der Fagan als Direktor der Gloria International Multiconsulting in der Schweiz vertritt, haben sich in Südafrika bisher 80 Kläger gemeldet.
Mit der Einrichtung eines Call Centers wolle man weiteren Opfern die Möglichkeit bieten, sich an der Sammelklage zu beteiligen, so Gschwend.
Das ist erst der Anfang
Nach Angaben Gschwends sind die Schweizer Grossbanken nur die ersten, die im Namen der Apartheid-Opfer von Fagan belangt werden.
In einem zweiten Schritt will Fagan auch schweizerische und internationale Firmen zur Verantwortung ziehen, welche die südafrikanische Regierung mit Material-Lieferungen unterstützt haben.
Auch deutschen, britischen und französischen Banken, die während des rassistischen Regimes in Südafrika aktiv gewesen seien, würden Sammelklagen drohen.
Erfolgreich und umstritten
Der US-amerikanische Anwalt Fagan vertrat bereits die Holocaust-Opfer gegenüber den Schweizer Banken. Dabei wurde mit den Banken ein Vergleich von 1,25 Mrd. Dollar Entschädigungs-Geldern ausgehandelt.
Ausserdem mischte Ed Fagan erfolgreich bei den Klagen von ehemaligen Zwangsarbeitern mit, die während des Nationalsozialismus in deutschen Fabriken ausgebeutet worden waren.
Reaktionen der Wirtschaft und Banken
Gemäss dem Bericht in der Sonntagszeitung will der Schweizer Wirtschaftsdachverband gegenüber den Sammelklägern hart bleiben. Auch die angeschuldigten Grossbanken wiesen die Sammelklage zurück.
UBS und Credit Suisse erklärten in einer ersten Reaktion am Sonntag, sie hätten von einer Klage keine Kenntnis. Weiter wollte UBS-Sprecherin Vesna Carter keinen Kommentar abgeben.
Credit-Suisse-Sprecherin Claudia Kraaz bezeichnete es als «absurd», der CS Group Mitverantwortung für begangene Ungerechtigkeiten in Südafrika zuweisen zu wollen.
Die Bankengruppe habe sich bei ihrer Geschäftstätigkeit mit Südafrika «jederzeit an alle relevanten Vorschriften und an die Richtlinien der Schweizer Regierung gehalten».
Vieles liegt noch im Dunkeln
Trotz internationaler Sanktionen hat die Schweiz mit Südafrika während des Apartheids-Regimes nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf militärischer und politischer Ebene Beziehungen gepflegt. Vieles aus dieser Zeit ist noch nicht restlos aufgeklärt.
swissinfo und Agenturen
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