Schweizerischer Aussenhandel: Nach schwachem Start auf Steigflug
Der schweizerische Aussenhandel hat 1999 nach einem schwachen Start zu einem Höhenflug angesetzt. Die Chemie (Bild) stieg zur grössten Exportbranche auf. Starke Zunahmen wurden vor allem in den USA erzielt, bescheidenere in den EU-Raum.
Der schweizerische Aussenhandel hat 1999 nach einem schwachen ersten Semster zu einem Höhenflug angesetzt. Die Chemie (Bild: Kapselkontrolle in einem Pharmakonzern) stieg zur grössten Exportbranche auf, wie das EFD am Dienstag (01.02.) mitteilte. Erfolgreich war die Exportindustrie vor allem in den USA; bescheiden nahmen die Verkäufe in den EU-Raum zu.
Der Aussenhandel verzeichnete 1999 ähnliche Zuwachsraten wie im Vorjahr, dennoch verlief die Entwicklung innerhalb des Jahres verschieden, wie das Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) schrieb. Im Dezember hatten die Einfuhren nominal um 19,1 Prozent, real um 17,6 Prozent zugenommen. Bei den Ausfuhren lag die Zunahme bei 15,4 respektive 12,6 Prozent.
Die Einfuhren erhöhten sich aufs Jahr bezogen real um 8,2 Prozent auf 113,416 Milliarden Franken, die Ausfuhren um 3,4 Prozent auf 114,446 Milliarden Franken. Der Saldo in der Handelsbilanz war bereits zum siebten Mal in Folge positiv; allerdings verringerte sich der Überschuss innert eines Jahres um mehr als die Hälfte auf 1,03 Milliarden Franken.
Nach einem ein- und ausfuhrseitig eher schwachen ersten Semester setzten laut EFD insbsondere die Ausfuhren zu einem eigentlichen Höhenflug an. Ungewöhnlich hohe Wachstumsraten von real 17,6 beziehungsweise 12,6 Prozent bei den Einfuhren und Ausfuhren wurden gemäss EFD im Dezember registriert, dies bei einem Arbeitstag mehr als im Dezember 1998.
In beiden Richtungen wuchs der Handel mit Konsum- und Investitionsgütern ausgeprägter als jener mit Halbfabrikaten und Zwischenprodukten. Bei den Ausfuhren zeigten sich die Märkte in den USA, Südostasien und Zentraleuropa dynamisch, verhaltener entwickelte sich der EU-Markt. Die Preise der Importgüter waren im Berichtsjahr rückläufig, jene der Exportgüter stiegen leicht. Entsprechend verbesserten sich die Terms of Trade.
Dienstleistungssektor mit den höchsten Investitionen
Importseitig stiegen die Bezüge von Investitionsgütern am stärksten, vor allem im Dienstleistungsbereich. So wurden für 1,2 Milliarden Franken mehr Linienflugzeuge eingeführt als 1998, dazu kamen mehr Datenverarbeitungsanlagen, Übermittlungsanlagen sowie Spital- und Praxiseinrichtungen. Die Steigerung des Konsums geht auf Arzneiwaren und Personenwagen zurück. Energieträger wurden nominal mehr, realwegen erheblicher Preissteigerungen aber weniger gekauft.
Chemie überholte Maschinen und Elektrotechnik
Die Exportindustrie stagnierte nach dem negativen Schlussquartal 1998 auch im ersten Halbjahr 1999. Erst ab August setzte dann das Wachstum ein. Bezogen auf die nominale Entwicklung lag die Sparte Präzionsinstrumente an der Spitze, gefolgt von der Chemischen Industrie. Diese stieg laut EFD mit Ausfuhren im Wert von 33,4 Milliarden Franken oder real 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr zur grössten Exportbranche auf.
Minus 24,7 Prozent bei der Schuhindustrie
Die Maschinen- und Elektronikindustrie exportierte für 32,6 Milliarden oder real um 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Exporte von Büromaschinen, Generatoren und Elektromotoren sowie Kraftmaschinen nahmen deutlich zu, aber jene von Textilmaschinen sowie elektrischen und elektronischen Artikeln waren rückläufig. Mit minus 24,7 Prozent musste die Schuhindustrie den grössten Einbruch hinnehmen. Die Textilindustrie verlor 2,9 Prozent auf die Vorjahresexporte, die Bekleidungsindustrie 0,8 Prozent und die Sparte Bijouterie und Juwelierwaren 1,4 Prozent.
Grösste Exportsteigerung nach USA
Geografisch betrachtet, war die Exportwirtschaft in den USA mit einer Verkaufssteigerung von 17,5 Prozent in Südostasien und Zentraleuropa besonders erfolgreich. Die Exporte in die EU nahmen nur unterdurchschnittlich zu, laut BFS wegen der schleppenden Konjunktur in Westeuropa. In den beiden wichtigsten Abnehmerstaaten Deutschland und Frankreich betrug die Zunahme 3,7 beziehungsweise 3,2 Prozent. Deutlich mehr wurde nach Polen, Ungarn und China geliefert, einen Einbruch verzeichnet der Export nach Russland.
SRI und Agenturen
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