Schwerverkehr: Astra will mehr Kontrollen
Das Gotthard-Desaster zeigt Auswirkungen: Die Strassenverkehrs-Kontrollen sollen verstärkt auf Sicherheits-Aspekte ausgerichtet werden.
Das Bundesamt für Strassen (Astra) ersucht die Kantone, ihre Strassenverkehrs-Kontrollen neu zu organisieren und allenfalls zu verschärfen. Die Kantone sind für die Kontrollen zuständig, werden aber vom Bund finanziell unterstützt.
Bei den Kontrollen sollen nach Angaben von Astra-Sprecher Michael Gehrken in Zukunft weniger das Gewicht als vielmehr die Sicherheits-Aspekte geprüft werden. Dazu gehörten die Einhaltung der Ruhezeit-Regelung, der Fahrzeug-Zustand, eine vorhandene Winterausrüstung.
Lastwagen und Personenwagen ohne Winterausrüstung müssten – wenn diese erforderlich sei – von der Strasse genommen werden, sagte Gehrken. «Sonst kommt es am San Bernardino jeden Tag zu einem Verkehrskollaps. Das soll mit den Kontrollen verhindert werden.»
Ausbau der Infrastruktur
Die Kontrollen sind in den vergangenen Jahren bereits intensiviert worden und werden vom Bund weiter gefördert. Dieses Jahr erhalten die Kantone zur Verbesserung der Kontrollen zehn Millionen Franken aus der Schwerverkehrs-Abgabe, nächstes Jahr sogar 20 Millionen Franken.
Mittelfristig sind eigentliche Kontrollzentren entlang der Transitachsen geplant.
In der Praxis werde es zwar wohl kaum möglich sein, jeden Lastwagen zu kontrollieren, sagte Gehrken weiter. Aber die Kontroll-Intensität werde erhöht und jeder Lastwagen müsse damit rechnen, kontrolliert zu werden. Dies werde sicher eine abschreckende Wirkung haben.
Schweiz im Mittelfeld
Nach Ansicht der Internationalen Strassentransport-Union (IRU), die ihren Sitz in Genf hat, liegt die Schweiz in Sachen Kontrollen im mittleren Feld, gute Noten erhalten vor allem Deutschland und die skandinavischen Länder. «Die Schweiz kann nicht jeden Camion prüfen, aber ihre Kontrollen noch verbessern», erklärt IRU-Sprecher Guy Willis.
Und etwas hat sie in dem Bereich bereits getan, wie Süren Rasmussen, Chef der zuständigen technischen Abteilung bei der IRU, sagt. «Seit Anfang Jahr hat sich die Situation bereits klar verbessert. Die Kontrollen wurden intensiviert und wir hoffen, dass die Schweiz auf diesem Weg weiter macht.»
Der ominöse Chauffeur
Die Diskussion um Sicherheit und Kontrolle hat nach dem Brand im Gotthard-Strassentunnel erneut Auftrieb erhalten. Die genauen Umstände der Frontalkollision sind noch offen. Es wird aber davon ausgegangen, dass der Chauffeur, der wahrscheinlich für den Zusammenprall verantwortlich war, nicht über die notwendigen Papiere verfügte, um den Laster zu fahren.
In Belgien führten die Behörden beim Arbeitgeber des Chauffeurs, dem Transportunternehmen Gül Trans, und bei der Lastwagen-Vermieterin Super Liner Cargo Kontrollen durch. Zuvor war bekannt geworden, dass Gül Trans über keine Bewilligung für Strassentransporte verfügte und den Fahrer illegal beschäftigt hatte.
Keine Kontingentierung des Schwerverkehrs
Die Brandkatastrophe und ihre Folgen waren am Mittwoch auch im Bundesrat Thema gewesen. Bundespräsident Moritz Leuenberger erläuterte anschliessend mögliche Massnahmen gegen das Verkehrschaos auf den Ausweichrouten San Bernardino sowie Grosser St. Bernhard und Simplon.
Vorstellbar wäre eine Dosierung des Schwerverkehrs nach dem Muster des Mont-Blanc-Tunnels, wo zwischen den Lastwagen ein Mindestabstand von 150 Metern vorgeschrieben wird, sagte Leuenberger. Eine Kontingentierung komme aus rechtlichen und praktischen Gründen nicht in Frage.
swissinfo und Agenturen
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