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Schwerverkehr sucht Wege- der Bund auch

Ausweich-Routen wie diese über den Simplon leiden unter den Lastwagen. Keystone

Nach dem Gotthard-Unfall belastet der Schwerverkehr stark die Ausweichrouten. Der Bund sucht zusammen mit der EU Lösungen.

Der Schwerverkehr über den Simplon hat sich verdreifacht: Bereits am Donnerstag zählte die Kantonspolizei Wallis 620 statt der sonst üblichen 200 Lastwagen. Am Grossen St. Bernhard drohten Überlastungen an den Grenzübergängen auf beiden Seiten der Grenze, meldete die Polizei. Auch die Transit-Achse über den San Bernardino wurde am Freitag vom Schwerverkehr stark belastet.

Aggressive Chauffeure

Wie Pierino Zanin, Sprecher der Bündner Kantonspolizei, sagte, kam es am Freitag zu keinerlei Zwischenfällen. Auffallend sei aber eine Häufung von Anrufen von Personenwagen-Lenkern, die sich über eine aggressive Fahrweise vieler Lastwagen-Chauffeure beklagten.

SBB verladen soviel sie können

Die SBB setzten zahlreiche zusätzliche Verladezüge für Last- und Personenwagen ein, um den Transitverkehr
von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.

Im Drei-Schicht-Betrieb sanieren die SBB derzeit die vier Kilometer lange Strecke im Gotthard-Bahntunnel, die gegenwärtig nur einspurig befahrbar ist. Bis in zehn Tagen soll der Gotthard-Bahntunnel wieder auf voller Länge beidspurig offen sein.

Regierung will Teilsperrung…

Der Gotthard als wichtige europäische Nord-Süd-Verbindung wird voraussichtlich während mehrerer Monate geschlossen bleiben.

Wegen der angespannten Verkehrslage will der Bundesrat mit der EU Gespräche aufnehmen über eine Teilsperrung der Schweiz für den Schwerverkehr. Dies erklärte der Vizedirektor des Bundesamts für Strassen (ASTRA), Michel Egger, in einem Interview der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Freitag.

Mit Nachdruck sprach sich der Bundesexperte ferner gegen den Einbau einer Sprinkleranlage im Gotthardtunnel aus: Eine solche Anlage würde mehr schaden als nützen. Denn Löschwasser, das sich mit brennendem Treibstoff oder Öl mische, fördere den Flächenbrand und verschärfe die Explosionsgefahr.

… aber nur im Notfall

Weniger dramatisch ist die Gross-Verkehrslage für Max Friedli, den Direktor des Bundesamts für Verkehr: Eine Teilsperrung der Schweiz für den Schwerverkehr komme erst als letzte Massnahme in Frage, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Stattdessen rief Friedli den europäischen Transit-Schwerverkehr auf, die Schweiz weiträumig zu umfahren oder die Verlade-Angebote zu nutzen.

Friedli erinnerte auch daran, dass Österreich bereits Mehrverkehr auf der Brennerachse befürchte. Statt den Schwerverkehr umzulenken, wäre es deshalb besser, wenn die EU-Staaten möglichst rasch die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene in Angriff nähmen.

Im gleichen Sinne äusserte sich am Freitag auch der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin.

Gefährliche Güter weiter auf die Strasse

Der deutsche Verkehrsminister Kurt Bodewig sprach sich unterdessen gegen Transportverbote für gefährliche Güter in Tunnels aus. Dies würde die Nutzung sehr einschränken, sagte Bodewig am Freitag.

EU: Öffnung des 40-Tönner-Korridors gefordert

Die EU-Kommissarin Loyola de Palacio rief die Schweiz zu grosszügigerer Handhabung der 40-Tönner-Quoten auf. Alle Beteiligten müssten zur Lösung des derzeitigen Verkehrsproblems beitragen.

Der Brand im Gotthardtunnel bewirke grosse Probleme für das europäische Transportsystem, erklärte die Verkehrskommissarin der Europäischen Union (EU) am Freitag. Da nach dem Mont-Blanc-Tunnel nun eine zweite wichtige Alpen-Passage gesperrt sei, seien auch kurzfristige Massnahmen nötig.

Die Kommissarin betonte aber gleichzeitig, vor allem müssten die derzeitigen Eisenbahn-Kapazitäten in den Alpen von den Camionneuren voll genutzt werden. Mit den österreichischen Behörden werde eine Kapazitätserhöhung um 300 Camions täglich angestrebt. Gleiche Bemühungen sollten alle Staaten der EU sowie die Schweiz unternehmen.

Mont-Blanc ab Mitte Dezember offen

Der Montblanc-Tunnel soll am 15. Dezember wieder für Personenwagen geöffnet werden. Das haben der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot und sein italienischer Amtskollege Pietro Lunardi am Freitag in Paris vereinbart.

Wenige Wochen später sollen auch Lastwagen wieder in einer Richtung durch den Montblanc-Tunnel fahren. In die andere Richtung müssen die LKW den Fréjus-Tunnel benützen.

Die Brandkatastrophe im Gotthardtunnel hatte die Kontroverse um die Wieder-Eröffnung des Mont-Blanc-Tunnels neu angeheizt. Frankreichs Verkehrs-Minister Gayssot sagte, die Freigabe des Tunnels komme erst in Frage, wenn optimale Sicherheits-Massnahmen gewährleistet seien.

swissinfo und Agenturen

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