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Showdown um den Sulzer-Konzern

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Im Übernahmekampf um den Sulzer-Konzern kommt es am Donnerstag (17.04.) zum Showdown zwischen René Braginskys InCentive und dem Sulzer-Verwaltungsrat. Die Aktionäre entscheiden, wer im krisengeschüttelten Unternehmen künftig das Sagen hat.

Wichtigstes Traktandum der Generalversammlung vom Donnerstag ist- neben der Verselbständigung der Medizinaltochter Medica – die Wahl des Verwaltungsrates (VR). InCentive will das gesamte Sulzer-Gremium absetzen und eine eigene Mannschaft unter VR-Präsident Eberhard von Koerber an die Konzernspitze setzen.

Der Plan ist keineswegs chancenlos. Es ist damit zu rechnen, dass etliche Aktionäre nach dem jahrelangen Zickzack-Kurs und der schwachen Rendite des Unternehmens das Vertrauen in die Sulzer-Leute verloren haben.

Stellt sich umgekehrt eine Mehrheit der Aktionäre hinter das Sulzer-Gespann unter VR-Präsident Leonardo Vannotti, so dürfte der Übernahmeversuch von InCentive gescheitert sein.

Höhe Hürde

Schwierigste Hürde für InCentive ist die von ihr beantragte Abschaffung der Stimmrechts-Beschränkung von 5 Prozent. Zu deren Aufhebung benötigt sie eine Zweidrittelmehrheit.

An einem Nein müsste die Übernahme aber nicht scheitern. «Zentral ist die Mehrheit im Verwaltungsrat», erklärte InCentive-Sprecher Thomas Wyler. Die Stimmrechtsfrage könne später wieder aufs Tapet gebracht werden.

Umgekehrt darf InCentive ihre Offerte tatsächlich abblasen, falls eine ihrer Bedingungen abgelehnt wird oder falls sie bis zum 22. Mai nicht mindestens 67 Prozent der Aktien erwirbt.

Übernahme ohne zu bezahlen

Genau vor diesem Szenario warnte Sulzer eindringlich: Sollte InCentive den Verwaltungsrat kontrollieren, könnte sie das Übernahmeangebot scheitern lassen und käme gratis an die Schalthebel des Konzerns.

Die beiden Parteien blieben sich nichts schuldig. InCentive habe ausser finanziellen Eigeninteressen nichts vorzuweisen, kritisierte Sulzer-Präsident Vannotti. Der angebotene Preis spiegle in keiner Weise den Wert des Industrieunternehmens.

Umgekehrt warf Braginsky dem Sulzer-Management jahrelange Erfolglosigkeit vor. Mit einer Übernahme wolle er retten, was noch zu retten sei.

Gewerkschaften unterstützen Sulzer

Unterstützung erhält Sulzer von der Gewerkschaft SMUV. Diese warnte am Dienstag (17.04.) vor einer Demontage des Konzerns und appellierte an Pensionskassen und institutionelle Anleger, ihre Aktien nicht an InCentive zu verkaufen. Vor einer Woche hatten die Arbeitnehmer-Organisationen bereits Kampfmassnahmen in Aussicht gestellt.

An der Börse verloren die Sulzer-Aktien bis um 16.30 Uhr um 1,16 Prozent auf 1’025 Franken weiter an Wert. Die Medica-Papiere büssten um 1,49 Prozent auf 330 Franken ein. Damit fielen die Kurse gegenüber Branginskys Offerte weiter zurück. Branchenkenner werten die zunehmende Differenz als Indiz, dass der Markt nicht an eine erfolgreiche Übernahme glaubt. Analysten sprechen von einem offenen Rennen.

swissinfo und Agenturen

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