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Swissair kürzt Löhne des Flugpersonals massiv

Das Swissair Kabinenpersonal muss eine Lohnkürzung von fast 10 Prozent hinnehmen. Keystone Archive

Die Saläre der Piloten werden um 25% und die Löhne der Flight Attendants um 9,4% reduziert. Die Gewerkschaften akzeptieren dies "zähneknirschend".

Der Bund habe konkrete Bedingungen gestellt für seine Milliardenspritze, mit der er zwei Drittel der Swissair am Leben erhalte, bis diese Ende März 2002 in die Crossair integriert würden, erklärte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel. Dabei habe er von der Swissair Einsparungen verlangt.

Diese Sparmassnahmen beträfen auch den Personalbereich. Die Lohnanpassungen seien unter der Aufsicht des Bundes und des provisorischen Sachwalters beschlossen worden, hielt Donzel fest.

In den vergangenen Tagen seien die Verhandlungen mit den Gewerkschaften geführt worden. Das Personal sei zwischen Donnerstag (Piloten) und Freitag (Kabinenpersonal) über die Massnahmen informiert worden.

Mehr als 3300 Personen betroffen

Bei den Piloten trifft die Massnahme auf Vollzeit-Basis rund 830 Stellen, sagte Donzel. Bei den Flight Attendants seien 2500 Stellen betroffen. Diese Belegschaft brauche es, um das Modell 26/26 soweit aufrecht zu erhalten, damit die Crossair später die 26 Kurz- und die 26 Langstreckenflugzeuge übernehmen könne.

Bei den Lohnkürzungen gelte einzig für junge Piloten mit Ausbildungsschulden eine Ausnahme. Ihnen würden die Löhne nur um 15% reduziert.

Weitere Massnahmen möglich

Falls die Swissair nicht, wie vom Bund verlangt, bis zum Ende des Winterflugplanes Einnahmen für 750 Mio. Franken erreiche, müssten weitere Massnahmen zu Kostensenkung ergriffen werden, sagte Donzel. Am vergangenen Dienstag hatte sich die Swissair noch zuversichtlich gezeigt, diese Summe zu erreichen.

Die Swissair überprüfe laufend ihre finanzielle Situation. Auch weitere Lohnanpassungen seien nicht auszuschliessen, räumte Donzel ein. Allerdings hätten die Verantwortlichen eine absolute Grenze festgesetzt. Für Piloten sollen die Löhne keinesfalls um mehr als 35% und für Flight Attendants keinesfalls um mehr als 10% gekürzt werden, sagte Donzel.

Die Swissair-Angestellten werden möglicherweise später für die Lohnkürzungen entschädigt, sagte Donzel weiter. Sie könnten die Differenzen zu den in den Gesamtarbeitsverträgen zugesicherten Salären aus der Konkursmasse zurückverlangen.

«Zähneknirschendes Eingeständnis»

Die Gewerkschaften des Kabinenpersonals (Kapers) und des Cockpits (Aeropers) hätten die Massnahmen bereits vor der Übereinkunft vom 22.Oktober zur Finanzierung der neuen Crossair durch Bund, Kantone und Privatwirtschaft akzeptiert, sagte Donzel.

Die Gewerkschaften hätten die Lohnkürzungen allerdings nur «zähneknirschend» hingenommen, hielt Silvia Schorta von der Aeropers-Medienstelle am Freitag fest. Der Bund habe die Massnahmen verlangt, sagte sie. «Die Piloten wollen, dass die Swissair fliegt und dass das Modell 26/26 reelle Chancen hat», betonte sie. Deshalb hätten sie sich letztlich einverstanden erklärt.

Piloten wollen Suter

Am Freitag ging der Streit um den künftigen Verwaltungsrat der «Neuen Crossair» weiter. Der noch amtierende Verwaltungsrat hat nicht vor, die vom Steuerungsausschuss unter Rainer E. Gut vorgeschlagenen neuen Mitglieder den Aktionären weiterzuempfehlen.

Auch der Verband des Crossair-Cockpitpersonals (CCP) kritisierte die praktisch vollständige Ersetzung des Verwaltungsrats der Crossair. Damit werde Know-how zerstört, welches die neue Crossair dringend benötige. Bei der Nichtnomination des bisherigen Crossair- Präsidenten Moritz Suter liege der Verdacht nahe, dass persönliche Differenzen eine Rolle gepielt hätten.

swissinfo und Agenturen

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