Swisscom: Ein Übernahme-Kandidat?
Der ehemalige Monopolist Swisscom muss sich im Markt behaupten. Geniesst allerdings immer noch Privilegien und ist im internationalen Vergleich ein kleiner aber potenter Mitspieler.
Mercer, einer der führenden und weltweit tätigen Beraterfirmen mit Sitz in New York, hat für die Swisscom ein «Management Summary» verfasst. Darin kommt Mercer zum Schluss, dass es «hinsichtlich Wettbwerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit» für Swisscom aber auch für die Aktionäre am besten wäre, wenn die Mehrheitsbeteiligung des Bundes – wie Mercer es formuliert «zum frühest möglichen Zeitpunkt aufgegeben würde.
Gibt der Bund die Mehrheit auf, dann – so Mercer – wäre die Swisscom rein theoretisch eine Übernahmekandidatin. Der Marktwert sei im internationalen Wettbewerb gering.
Eine Übernahme der gesamten Swisscon wäre theoretisch für ein grösseres Unternehmen kein Problem. Der Kundenstamm der grössten europäischen Konkurrenten ist mindestens drei- bis viermal grösser (Vodafone 44 Mio./New Orange 24 Mio./Deutsche Telekom 24 Mio./Swisscom Mobile/debitel-Gruppe 7,3 Mio.)
UMTS bis Ende Jahr
Aus heutiger Sicht war es kein Nachteil, dass die vier Schweizer UMTS-Lizenzen zum Minimalpreis von je 50 Mio. Franken vergeben wurden, da sich im Dezember 2000 nur noch vier Bieter bewarben.
Anfänglich sprach das Bundesamt für Kommunikation von 8 Mrd. Franken Einnahmen. Die Swisscom hat für die UMTS-Lizenz also 50 Mio. Franken bezahlt. Das belastet die Rechnung nicht, denn immer noch ist umstritten, ob sich die neue Technologie auch durchsetzten wird.
Erste UMTS-Verbindungen wurden Mitte 2001 aufgebaut. Das sei problemlos verlaufen, sagte damals die Swisscom. Die Firma ist zuversichtlich, bis Ende des Jahres die vorgeschriebene Abdeckung von 20 Prozent zu erfüllen.
UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ist der neue Standard für die mobile Kommunikation. Es unterscheidet sich vor allem durch eine höhere Bandbreite von der heutigen Technologie. Damit werden zusätzliche Anwendungen möglich: bewegte Bilder und Music-on Demand, Internet-Andwendungen und m-Commerce-Dienste.
Ob UMTS allerdings ein Erfolg wird, ist weiterhin fraglich. Der Konzernchef des Martkleaders «Mobilzone» im Handyverkauf in der Schweiz, Ruedi Bär in der Berner Zeitung vom 26. März: «Die Kunden sind an UMTS überhaupt nicht interessiert.»
Die letzte Meile
In einem Artikel unter dem Titel «Drohender Tod der Telekom-Liberalisierung» schreibt die Neue Zürcher Zeitung (23.03.), dass es müssig sei über letztinstanzliche Entscheide des Bundesgerichtes zu lamentieren. Aber dieses habe das «Unbundling» der letzten Meile – der Festnetzanschluss gehört als Monopol der Swisscom – mit seinem Richterspruch verhindert.
Auch die Politik (der zuständige Bundesrat Moritz Leuenberger) kümmere sich kaum um die Materie. «Es erstaunt daher nicht, dass die alternativen Anbieter von Telekommunikationsleistungen frustriert sind und das Gefühl haben, ihre Rolle als Konkurrenten der Swisscom sei bisher zwar geschätzt worden, in Zukunft aber nicht mehr erwünscht.
Urs Maurer
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