Vorsorge: Reserven schmelzen
Pensionskassen leiden unter der Börsenbaisse. Um Sanierungen werden einzelne Kassen nicht herumkommen.
«Pensionskassen verfügen in der Regel über Reserven für Börsen-Schwankungen», so Dominique Biedermann, Direktor der Stiftung Ethos. Die Stiftung verwaltet mit dem Ziel einer langfristigen Anlage die Vermögen für rund 50 Pensionskassen.
Die Pensionskasse des Kantons Wallis, die grösste Kasse der Romandie mit einem verwalteten Vermögen von rund 10 Mrd. Franken, davon ein Viertel in Aktien, sieht die Lage ähnlich. «Die Reserven sind sehr wichtig. Wenn es nicht zu einem Umschwung an den Börsen kommt, müssen wir dieses Jahr von den Reserven zehren», führt Vermögensverwalter Damien Bianchin aus.
Schwieriges Jahr 2001
«Das Jahr 2001 ist viel schwieriger als erwartet», räumt Bianchin ein. Der Absturz von Titeln wie ABB (-70% seit Jahresbeginn), Zurich Financial Services (-60%) oder Roche (-25%) bereite ihm Sorgen wegen ihrer starken Gewichtung im Portfolio der Kassen. Insgesamt sind an den wichtigen Börsenplätzen die Kurse um 30% eingebrochen. Hinzu kommt das Swissair-Debakel.
Die Einbussen der Papiere seien denn auch viel besorgnis-erregender als der Swissair-Bankrott. «Die Swissair machte nicht mehr als 1,5 Prozent im Swiss Market Index (SMI) aus und war bei uns zudem untergewichtet», so Bianchin.
Alternative Anlagen
Auch für Christine Tournier, Generalsekretärin des ‚Copré‘, einer Pensionskasse für 200 kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) der Region Genf mit einem Vermögen von rund 100 Mio. Franken, ist 2001 klar «ein schlechtes Jahr».
«Erstmals seit unserer Gründung 1974 können wir den Versicherten nur den vorgeschriebenen Minimalbetrag von 4% auszahlen. Bis jetzt konnten wir immer mehr überweisen», führt sie aus. Wegen der anhaltenden Börsenflaute wird ‚Copré‘ zudem künftig vermehrt in Immobilien und Alternativ-Anlagen mit geringem Risiko investieren.
Mangelnder Deckungsgrad
«Manche private Vorsorgekassen riskieren unter den Deckungsgrad von 100% zu fallen», sagt Biedermann. Diese für private Kassen gesetzlich vorgeschriebene Limite (für öffentliche Kassen garantiert der Bund die Differenz) verlangt, dass die Vermögen mindestens so gross wie die Investitionen sind.
Wird die Schwelle unterschritten, verlangt das Bundesamt für Sozialversicherung, dass der Zustand innert zwei bis drei Jahren wieder hergestellt wird.
Sanieren kann sich eine Kasse, indem sie zum Beispiel Immobilien verkauft oder die Beiträge der Versicherten erhöht.
Auffangnetz für Versicherte
Probleme treten bei einem zu tiefen Deckungsgrad dann auf, wenn die Muttergesellschaft der Pensionskasse, zum Beispiel der Arbeitgeber der Versicherten, Konkurs macht. Die Versicherten haben jedoch auch in diesem Fall kaum etwas zu fürchten.
«Geht die Pensionskasse in Konkurs, tritt der Garantiefonds des Gesetzes über die berufliche Vorsorge in Aktion», so Beat Christen, Jurist beim Garantiefonds. Die Versicherten erhalten also ihren Anteil auch im Fall einer Zahlungsunfähigkeit ihrer Vorsorgeeinrichtung.
swissinfo und Philippe Gumy (sda)
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