Warnung vor «Gentech-Falle»
Nordamerikanische Bauern haben in Zürich über ihre schlechten Erfahrungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen informiert.
Im Juni entscheidet der Nationalrat (grosse Kammer) über die Gen-Lex, wobei es auch um ein Moratorium für den Anbau von Gentech-Pflanzen geht. Noch bis April läuft die Vernehmlassung zur Revision des Patentgesetzes.
Greenpeace und die Erklärung von Bern (EvB) laufen gegen die Revision Sturm. Die Schweiz dürfe ihr positives Image der Gentech-Freiheit nicht aus der Hand geben, sind die beiden Organisationen überzeugt. Dieser Image-Vorteil gehe verloren, werde die Gesetzgebung zugunsten der Agrochemie-Multis aufgeweicht.
Die Organisationen appellieren dafür, auf die Freisetzung von Gentech-Pflanzen und die Patentierung von Lebewesen zu verzichten. Und sie fordern Schweizer Politiker auf, die Erfahrung direkt Betroffener zu berücksichtigen.
Ernte von North Dakota verseucht
Nordamerikanische Farmer warnten am Freitag die Schweizer Bauern vor der «Gentech-Falle». Sie sprachen über ihre Erfahrungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die Gentech-freie Felder verseucht hätten.
Etwa im Fall des Farmer-Ehepaars Tom und Gail Wiley aus North Dakota (USA), das zwar keinen Bio-Hof betreibt, aber vor den Medien beteuerte, nie Gentech-Pflanzen angebaut zu haben. Dennoch war ihre Soja-Ernte des Jahres 2001 mit Gen-Soja von Monsanto durchsetzt, der gegen das Herbizid Roundup Ready resistent ist.
Wiley erläuterte, er sei gezwungen worden, seine Soja-Ernte in den USA zu verkaufen und habe deshalb rund 10’000 Dollar weniger eingenommen. Zudem gebe es keine Chancen, die Firmen, die die Gene patentiert hatten, zur Rechenschaft zu ziehen. Fast die gesamte Soja- und Rapsernte von North Dakota sei durch Gen-Pflanzen verseucht.
Auch der kanadische Bauer Percy Schmeiser bestreitet, jemals Gentech-Raps bei Monsanto gekauft und angepflanzt zu haben. Dennoch wurde solcher in seiner Ernte gefunden.
Ein Gericht hatte ihn im Mai 2001 wegen Patentverletzung verurteilt. Er sollte den gesamten Gewinn aus dieser Ernte von rund 20’000 Franken an den Biotech-Konzern zahlen. Schmeiser ging in Berufung.
Wie kam Samen dorthin?
Die Frage, wie die Roundup-Ready-Samen auf Schmeisers Felder gelangten, konnte niemand beantworten. Monsanto erklärte, es spiele keine Rolle, wie der Samen dorthin gekommen sei. Schmeiser geht von der Verseuchung durch Wind und Bienen aus.
Befürworter gentechnisch modifizierter Pflanzen betrachten den Einsatz solchen Saatguts als Lösung für Entwicklungsländer, weil er zu höheren Ernten führe. Zudem müssten die Bauern insgesamt weniger Pestizide und Fungizide einsetzen. Schmeiser wies diese Darstellung zurück und erklärte, Tests in Kanada hätten das Gegenteil bewiesen.
swissinfo und Agenturen
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