WEF 2002 in New York
Das Weltwirtschaftsforum WEF wird nächstes Jahr zum ersten Mal in seiner 32-jährigen Geschichte nicht in Davos sondern in New York stattfinden. 2003 soll das WEF aber wieder in Davos sein.
Die Verschiebung nach New York wurde vom WEF in Genf bestätigt. In einer entsprechenden Mitteilung an die Gemeinde Davos heisst es, die Entscheidung, das WEF von Davos für ein Jahr nach New York zu verlegen, sei am Montag am Treffen im Bundeshaus in Bern unter der Leitung von Bundesrat Pascal Couchepin getroffen worden. Die WEF-Verantwortlichen sind aber nach eigenen Angaben dabei, sich Davos als Veranstaltungsort für das Weltwirtschaftsforum ab 2003 wieder zu sichern.
In Manhattan
Die «New York Times» berichtet am Dienstag in ihrer Online- Ausgabe, das nächste WEF werde von 31. Januar bis 5. Februar 2002 im Luxushotel «Waldorf-Astoria» im New Yorker Stadtteil Manhattan durchgeführt. Die Organisatoren möchten damit auch die Solidarität mit der von den Anschlägen auf das World Trade Center erschütterten Stadt demonstrieren.
Am Mittwoch werde Schwab in diesem Hotel mit New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani und Gouverneur George Pataki eine Medienkonferenz abhalten. Auch andere Hotels haben laut dem Bericht angeboten, Gäste aufzunehmen oder Veranstaltungsräume zu reservieren.
Später in Kanada?
Offenbar wird aber auch eine längerfristige Verlegung des Forums sondiert. So wurde der kanadische Skiort Whistler Mountain angefragt, wie eine Mitarbeiterin des Touristen-Informationszentrums sagte. Ein Ortswechsel wäre jedoch frühestens in drei oder vier Jahren ein Thema, sagte sie.
Vertreter von Bund, Kanton Graubünden und Landschaft Davos sowie der Stiftung Weltwirtschaftsforum hatten sich am Montag über den Standort des WEF 2002 und der folgenden Jahre geeinigt. Die Resultate der Aussprache sollen aber erst am Mittwoch offiziell kommuniziert werden. Bundesrat Pascal Couchepin hatte nach dem Treffen gesagt, man habe eine «ausgezeichnete Lösung» gefunden.
Sicherheitskosten von 10 Millionen
Hintergrund für die Verlegung des WEF sind Sicherheits-Bedenken nach den Terroranschlägen. Globalisierungs-Gegner drohen überdies mit schweren Demonstrationen. Die Sicherheitskosten für ein nächstes WEF in Davos werden auf 10 Mio. Franken geschätzt. Noch 1998, beim letzten WEF ohne Demonstrationen, betrugen die Sicherheitsausgaben 270’500 Franken.
Zudem fehlt noch die Zusage Zürichs, wiederum Stadtpolizisten zur Verstärkung der Sicherheitskräfte nach Davos zu schicken.
WEF-Präsident Schwab hatte am Freitag in einem Interview mit der «Davoser Zeitung» erklärt, er wolle den Weltwirtschaftsgipfel 2002 unbedingt durchführen. Die Vorbereitungen für das nächste WEF liefen denn auch auf Hochtouren. 1’000 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben gemäss Schwab ihre Teilnahme zugesagt.
Regierungsparteien bedauern
Die Bundesrats-Parteien bedauern fast unisono, dass das Weltwirtschaftsforum WEF 2002 nicht in Davos, sondern in New York stattfindet. Nur die SP gewinnt der Sitzverlegung Positives ab und wertet sie als «Zeichen der Solidarität und Betroffenheit». Die Reaktionen lauten von «falsches Zeichen gesetzt» bis man habe «klein beigegeben».
Auch in New York dagegen
Die Schweizer Globalisierungs-Gegner wollen den Widerstand gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) auch in New York fortsetzen. Bei Vertretern der Antiglobalisierungs-Bewegung sei er auf eine hohe Bereitschaft zur Teilnahme an Protestaktionen gestossen, sagte der Sprecher der Libertären Koordination, Giovanni A. Schumacher.
Bei den Anti-WEF-Demonstrationen in New York rechnet Schumacher mit einer ähnlich hohen Zahl von Schweizer Globalisierungs-Gegnern wie beim WTO-Gipfel in Genua, als 1’000 Demonstranten aus der Schweiz vor Ort gewesen seien.
Dank den verbilligten Swissair-Tickets koste eine Reise nach New York heute nur noch 490 Franken. «Diese Möglichkeit wollen wir nutzen», sagte Schumacher in Bern.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch