Wirtschaft warnt vor Zinserhöhung
Der Wirtschafts-Dachverband economiesuisse sieht im Moment keinen Anlass für eine weitere Erhöhung der Zinsen durch die Nationalbank.
Die wirtschaftliche Erholung sei noch zu schwach und die Exporte litten unter dem tiefen Dollar.
Rudolf Walser, Chefökonom von economiesuisse, nannte an einer Pressekonferenz den tiefen Dollarkurs, verbunden mit der weltweiten Verlangsamung des Konjunkturaufschwungs, als Gründe gegen eine weitere Erhöhung des Zinszielbandes.
Die Schweizerische Nationalbank habe zudem den Zinssatz in diesem Jahr zweimal bereits erhöht. «Falls die Nationalbank ihre Zinsen am kommenden Donnerstag noch einmal erhöhen sollte, wäre dies ein falsches Signal. Die wirtschaftliche Erholung ist dazu zu schwach», so Walser.
«Dies gilt vor allem dann, falls sich die konjunktur- und preisdämpfende Dollarschwäche weiterhin stärker auf den Franken als auf den Euro auswirken sollte.»
Dollar auf Tauchkurs
Der schwache Dollar verteuert die Schweizer Produkte im Ausland und untergräbt damit die Exporte, welche einen Hauptpfeiler der Schweizer Wirtschaft darstellen.
In den vergangenen Monaten ist der Dollarkurs tief unter die 1,30 Franken-Marke gefallen, bis auf ein historisches Tief von 1,11 Franken.
Generell bezeichnet economiesuisse das Jahr 2004 als «relativ gutes Jahr» für die Schweizer Wirtschaft. «Das Realwachstum liegt bei 1,8%. Und die durchschnittliche Jahresteuerung bleibt mit voraussichtlich 0,9% relativ tief. Gleichzeitig waren die monetären Rahmenbedingungen insgesamt günstig», hält der Wirtschaftsdachverband fest.
Intakte Wettbewerbsfähigkeit
Nachdem die Konjunktur mit viel Schwung in das Jahr 2004 gestartet sei, habe sie sich im Herbst etwas abgeschwächt, führte Chefökonom Rudolf Walser aus. «In den ersten 10 Monaten haben sich die Auslandumsätze der Exportbranchen deutlich verbessert, einzelne Branchen haben sogar Spitzenergebnisse erzielt.»
Dieses Resultat sei umso erfreulicher, als der Absatz auch geographisch breit abgestützt war. Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft dürfe als gut bezeichnet werden.
«Auch der Dienstleistungssektor hat sich insgesamt positiv entwickelt. Der Tourismus hat seine dreijährige Baisse überwunden. Die Banken und Versicherungen erzielten im ersten Halbjahr gute bis sehr gute Resultate, das zweite Halbjahr hat sich etwas weniger gut entwickelt», so economiesuisse.
2005: Wachstum zwischen 1,4 und 1,8%
Der private Konsum, als wichtigste Nachfragekomponente des Wirtschaftsverlaufs, habe sich im ersten Semester 2004 gut gehalten. Seit dem Herbst deuteten aber die Detailhandelsumsätze und das Konsumklima auf eine Verflachung hin.
Für das kommende Jahr geht der Wirtschaftsdachverband davon aus, dass sich der breit abgestützte weltweite Aufschwung fortsetzen wird, allerdings leicht abgeschwächt.
Auch die schweizerische Exportwirtschaft werde davon profitieren, schreibt economiesuisse und prognostiziert ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,4 und 1,8%.
Sanierung der öffentlichen Finanzen prioritär
Im Gespräch mit swissinfo sagte der Vorsitzende der economiesuisse-Geschäftsleitung, Rudolf Ramsauer, die wirtschaftlichen Perspektiven hingen auch von den politischen Rahmenbedingungen ab.
Er bezeichnete dabei die Sanierung der öffentlichen Finanzen als oberste Priorität. Aber auch die Zinspolitik der Nationalbank, die Unternehmens-Besteuerung und die Hochschulreform bezeichnete Ramsauer als wichtig.
Zusätzlich seien die Liberalisierung des Strommarktes und die Bilateralen II mit der EU wichtige Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.
«Ich denke, dass die politischen und wirtschaftlichen Probleme im Land über lange Jahre entstanden sind. Darum werden wir sie auch nicht innerhalb von einem oder zwei Jahren lösen können», gibt Ramsauer zu bedenken.
swissinfo
Mehr als 40% der Schweizer Exporte werden in US-Dollars bezahlt. Damit ist der Dollar nach dem Euro die zweitwichtigste Export-Währung für die Schweiz.
Der Wert des Dollars in Franken ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich gesunken.
Ökonomen gehen nicht von einer Erholung des Dollars in den kommenden Monaten aus.
economiesuisse bezeichnet eine weitere Zinserhöhung der Nationalbank als «falsches Signal». Die Erholung sei zuwenig solide.
Die Nationalbank entscheidet am Donnerstag, 16. Dezember über eine Zinserhöhung.
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