Fische in der Thur kommen bei der «Zürcherschwelle» besser voran
In der Thur an der Grenze zwischen den Kantonen Thurgau und Zürich können jetzt mehr Fischarten flussaufwärts schwimmen. Dies, weil ein künstliches Hindernis im Fluss verkleinert wurde. Für die Tiere ist es nun einfacher, ihre Laichplätze zu erreichen.
(Keystone-SDA) Künstliche Bauten in Flüssen können für Fische unüberwindbare Hindernisse darstellen. Für viele Tiere verhinderte etwa die sogenannte Zürcherschwelle in der Gemeinde Neunforn TG ein Weiterkommen flussaufwärts. Wegen einer senkrechten und 50 Zentimeter hohen, sogenannten Spundwand in der Thur erreichten Fische ihre Laichplätze nicht. Langfristig kann das zu einem Rückgang der Populationen führen, wie es in einer Mitteilung des Thurgauer Amts für Umwelt vom Freitag heisst.
Als Teil des Hochwasserschutz- und Revitalisierungskonzepts «Thur3» hatte der Kanton Thurgau die Zürcherschwelle bereits 2025 saniert und baulich angepasst. Im Frühling 2026 untersuchte das Amt für Umwelt, ob die Sanierung die erhoffte Wirkung erzielt, wie es weiter heisst. Die Bilanz ist positiv.
«Erfreulicherweise konnte nachgewiesen werden, dass neben Alet und Barbe auch schwimmschwächere Fischarten wie Schneider und Gründling den Aufstieg über die Schwelle meistern konnten», schreibt das Amt für Umwelt weiter. Als weitere Fischart, welcher der Aufstieg dank der Umbauten mittlerweile gelingt, wird der Strömer genannt.
Fische mit Sendern versehen
Diese «Erfolgskontrolle» führte das Amt für Umwelt gemäss Communiqué mittels eines sogenannten «RFID-PIT-Tagging» durch. Dabei wurden über 100 Fische aus sieben Arten mit kleinen Sendern (PIT-Tags) markiert. Die Fische wurden unterhalb der Zürcherschwelle ausgesetzt, um ihr Wanderverhalten zu analysieren. Eine RFID-Antenne oberhalb der Schwelle registrierte, welche Fische die Rampe erfolgreich passierten.
Die Zürcherschwelle ist eine von insgesamt 18 Schwellen in der Thur im Kanton Thurgau. «Mit der ersten Thurkorrektur um 1870 wurde die Thur begradigt und eingeengt», erklärte Oliver Bär, Projektleiter Thur im Thurgauer Amt für Umwelt, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Durch die Einengung habe sich der Fluss immer tiefer in die Sohle gegraben.
Um die Erosion der Flusssohle zu verringern, sind gemäss Bär ab den 1960er Jahren Spundwände respektive Schwellen in die Thur verbaut worden. Damals habe man nicht bedacht, dass die Bauten Hindernisse für Fische sein können.
Während der Sanierung der Zürcherschwelle wurde die Spundwand gemäss Oliver Bär lokal abgesenkt, ist jetzt also an gewissen Stellen weniger als 50 Zentimeter hoch. Damit und dank weiterer Hilfsmitteln wie Steinen schaffen es die Fische darüber. «Es ist vergleichbar mit einer Treppe, die mit einem Lift rollstuhlgängig gemacht wurde», so Bär. Die Sanierung habe rund 150’000 Franken gekostet.
Investitionen von rund 360 Millionen Franken
Langfristig soll ein grosser Teil der 18 Schwellen saniert beziehungsweise so umgebaut werden, dass auch schwimmschwache Fische sie passieren können. Eine bereits vorliegende Untersuchung zeigte gemäss Bär, dass nur wenige Schwellen keinen Umbau benötigen.
Dass Flüsse für Fische gut passierbar sein müssen, ist in der Schweiz gesetzlich verankert. Gemäss des Bundesgesetzes über die Fischerei muss die freie Fischwanderung in Schweizer Gewässern sichergestellt werden. Dies gilt besonders für schwimmschwache Arten wie Jungfische oder kleine Cypriniden, also karpfenartige Fische, die gemäss dem Thurgauer Amt für Umwelt für die Stabilität des Ökosystems entscheidend sind.
Mit «Thur3» will der Kanton Thurgau in den nächsten 30 Jahren den Hochwasserschutz und die Revitalisierung im Thurtal vorantreiben. Investiert werden rund 360 Millionen Franken.