Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Die Hitze hielt die Schweiz auch diese Woche im Griff – während ich dies schreibe, beträgt die gefühlte Temperatur in Bern 36°C. Im Briefing erkläre ich, welche sehr ernsten Folgen solche Temperaturen haben können.
Ich muss jedoch zugeben, dass die späten Abende zurzeit sehr angenehm sind. Tausende Menschen im ganzen Land waren am Mittwochabend anlässlich der Sonnenfinsternis in Feierstimmung.
«Die Sonnenfinsternis zog die Schweiz in ihren Bann», schrieb SRF News am Donnerstagmorgen, wenige Stunden nach der grössten Sonnenfinsternis in der Schweiz seit 1999.
Die Schweizer Medien hatten die Bevölkerung die ganze Woche auf das astronomische Ereignis eingestimmt und unter anderem darüber berichtet, wo und wie man das Spektakel beobachten kann. Schliesslich begann der Mond am Mittwoch um 19:23 Uhr, sich im Nordosten des Landes vor die Sonne zu schieben. Etwa eine Stunde später bedeckte der Mond, je nach Standort, zwischen 91% und 93% der Sonne.
«Beim Höhepunkt der Sonnenfinsternis brach an vielen Orten in der Schweiz Applaus aus», berichtete SRF. Das war sicherlich der Fall im Rosengarten in Bern, wo Tausende von Menschen – darunter meine Frau und ich – ein Glas erhoben und durch spezielle Sonnenfinsternisbrillen blickten. Am Dienstag hatten sich lange Warteschlangen vor Fachgeschäften gebildet.
Wer dachte, eine Sonnenfinsternis hätte keine konkreten Auswirkungen, lag falsch. «Die plötzliche Dunkelheit dürfte die Solarstromproduktion der Schweiz um 240 Megawatt reduzieren – das entspricht dem Stromverbrauch von 15’000 Elektrofahrzeugen», warnte Le Temps am Mittwochmorgen. «Obwohl der Effekt beträchtlich ist, ist er sowohl erwartet als auch vorübergehend.»
Haben Sie das Phänomen dieser Woche verpasst? Dann tragen Sie die nächste totale Sonnenfinsternis in der Schweiz am 3. September 2081 schon mal in Ihren Kalender ein.
Der Sommer 2026 hat bereits viele der im «Jahrhundertsommer» von 2003 aufgestellten Schweizer Temperaturrekorde gebrochen.
«Dieser Sommer geht wirklich in die Vollen», schrieb die Neue Zürcher Zeitung am Donnerstag, wobei ich vermute, dass die Leserschaft es vielleicht selbst bemerkt hat. «Seit Mai folgt in der Schweiz und Deutschland eine Hitzewelle auf die nächste. Reihenweise purzeln die Rekorde: 39,7 Grad in Basel ist der neue Rekord für die Alpennordseite in der Schweiz.»
Auch der Wassermangel erreiche historische Ausmasse, so die NZZ. «Viele Gemeinden rufen zum Wassersparen auf, und die Flusspegel fallen und fallen: Frachtschiffe auf dem Rhein erreichen Basel derzeit nur noch mit stark verringerter Ladung.»
SRF News fügte hinzu, dass der aktuelle Sommer in vielen Teilen des Landes bislang höhere Temperaturen, mehr Tage mit extremer Hitze und mehr Tropennächte verzeichnet hat als je zuvor.
Die Schweiz hat dennoch nicht einen Notstand ausgerufen. Die Lage könne derzeit mit den bestehenden Strukturen bewältigt werden, hielt der Bundesrat am Mittwoch fest.
Zu den weiteren Folgen der aussergewöhnlichen Hitze, über die diese Woche berichtet wurde, gehören das mögliche Verschwinden von Dutzenden kleiner Gletscher in diesem Jahr sowie eine Verschlechterung der Qualität des Alpkäses.
Viele Schweizerinnen und Schweizer scheinen von Hitzewellen, Dürren und verheerenden Waldbränden unbeeindruckt zu sein. Nur rund 20% der Erwachsenen geben an, dass die Klimakrise ihre Ausgaben und Investitionsentscheidungen massgeblich beeinflusst – ein Anteil, der in den letzten Jahren stetig gesunken ist.
Eine am Dienstag vom Online-Konsumentenportal Comparis veröffentlichte Studie ergab, dass 34% der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf oder bei Investitionsentscheidungen «überhaupt nicht» durch den Klimawandel beeinflusst werden, während 46% nur «leicht» beeinflusst werden. Lediglich 15% gaben an, das Thema sei ein «grosser Einflussfaktor» und 5% ein «sehr grosser Einflussfaktor».
«Viele Schweizerinnen und Schweizer sagen, sie seien bereit, auf Flugreisen oder Fleischkonsum zu verzichten, aber die Fakten erzählen eine andere Geschichte», sagte Michael Kuhn, Finanzexperte bei Comparis.
Er führt diesen Trend auf ein Zusammenspiel konkurrierender Sorgen wie steigende Krankenkassenprämien, höhere Mieten, Kriege und Inflation zurück. Hinzu komme eine Ermüdung nach jahrelangen Klimadebatten sowie ein wachsendes Gefühl der Ohnmacht.
Laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes ist der ehemalige Schweizer Tennisstar Roger Federer kein Milliardär mehr.
Der 45-Jährige sah sein Vermögen am Dienstag nach einem Kurseinbruch der Aktie des Schweizer Sportschuhherstellers On, an dem er schätzungsweise einen Anteil von drei Prozent hält, um rund 52 Millionen Dollar (42 Millionen Franken) auf 952 Millionen Dollar sinken.
Forbes hatte Federer 2025 erstmals als Milliardär eingestuft. Neben seinem Anteil an On tragen seine langjährigen Sponsoringverträge mit Marken wie Uniqlo, Rolex, Lindt und Mercedes-Benz zu seinem Vermögen bei. Ausserdem verdiente er mehr als 130 Millionen Dollar an Preisgeldern.
Das Nachrichtenportal Watson brachte mit einem Artikel die nationale Stimmung augenzwinkernd auf den Punkt. «Weil wir Mitleid mit der Familie Federer haben, und auch damit das Schweizer Selbstverständnis wieder heilen kann, haben wir 17 Vorschläge, die Roger National ratzfatz wieder zum Milliardär machen.» Dazu gehören die Lancierung einer eigenen Kryptowährung oder einer Crowdfunding-Kampagne, Stan Wawrinka um ein paar Franken anzupumpen und sich nach offenen Stellen bei der Fifa zu erkundigen…
Die kommende Woche
Werden die Schweizerinnen und Schweizer fitter oder eher weniger? Diese und weitere Fragen wird Sportminister Martin Pfister am Dienstag an einer Medienkonferenz zur Studie «Sport Schweiz 2026» beantworten. Die Studie zeigt Veränderungen in den Sport- und Bewegungsgewohnheiten der Schweizer Bevölkerung sowie Trends und Herausforderungen auf.
Am Donnerstag veröffentlicht das Bundesamt für Statistik Zahlen zur Bevölkerung und ihrer Entwicklung im Jahr 2025, am darauffolgenden Tag werden Statistiken zu Vornamen und Familiennamen in der Schweiz im Jahr 2025 publiziert.
Ebenfalls am Donnerstag wird auf dem Sihlfeld, dem grössten Friedhof Zürichs, das Queer-Mahnmal eingeweiht. Es ehrt jene, die infolge anti-queerer Diskriminierung, Gewalt oder sozialer Ausgrenzung ihr Leben verloren haben.
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