Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer
Eine komplexe Unternehmensstruktur und für das US-Finanzministerum eine russische Firma: Die Solway AG aus Zug wirft Fragen auf. Auch für die Schweiz, denn die Unternehmensstruktur zeigt, wo es wohl einen blinden Fleck in der Durchsetzung der Russland-Sanktionen gibt.
Herzliche Grüsse aus Bern
Für die USA ist der Fall klar: Wegen Langzeit-Bestechung in Guatemala stehen zwei Mitarbeitende und zwei Tochterfirmen der Solway unter Sanktionen.
Für das US-Finanzministerium ist die in Zug ansässige Solway ein «russisches Unternehmen, das seit 2011 guatemaltekische Minen ausbeutet».
Meine Kollegin Jessica Davis Plüss hat sich auf Spurensuche gemacht, was an diesen Vorwürfen dran ist. Sie konnte in Zug Verwaltungsrat Denis Gerasev, ehemaliger Russe mit israelischem Pass, befragen.
Die abschliessende Klärung bleibt noch offen.
Sie hätten die geschäftlichen Beziehungen zu Russland nach Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine gekappt, versichert Gerasev im Gespräch mit SWI swissinfo.ch.
Mein persönlicher Eindruck: Wer sich so lange um den Status einerBlackbox bemühte, muss sich nicht wundern, wenn jetzt Behörden und Medien Licht ins Dunkel bringen wollen.
- Wenn Russland-Nähe auch in der Schweiz zu Problemen führt – die Recherche von SWI swissinfo.ch.
- Russland-Sanktionen: Hoher Druck auf die Schweiz – SWI-Bericht von Mai 2022.
- Für Putins Oligarchen ist die Schweiz ein kleines ParadiesExterner Link – Bericht in der Finanz und Wirtschaft von Mai 2022.
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Die Luft für diskrete Handelsfirmen wie die oben erwähnte Solway AG könnte in der Schweiz dünner werden. Der Grund: die internationalen Sanktionen gegen Russland.
Es ist auffällig: Die Schweiz scheint gerade für Unternehmen, die den internationalen Rohstoffhandel prägen, ein Paradies zu sein.
Neben tiefen Steuern, politischer Stabilität und Rechtssicherheit gibt es eine weitere wichtige Erklärung dafür: Die Transparenzregeln in der Schweiz kommen dieser verschwiegenen Branche sehr entgegen.
Doch jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Dies wegen der internationalen Sanktionen gegen Russland, russische Oligarchen, russische Unternehmen und Firmen, die mit Russland Handel betreiben.
Eine der Hauptschwierigkeiten: Die Ermittlung der «wirtschaftlich Berechtigten» von Firmen, also der Inhaber:innen. Hier hinkt die Schweiz den Ländern der EU hinterher. Spitzenbeamt:innen aus Bern geben das unumwunden zu.
Ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft könnte helfen, den Gap zu schliessen: Was die Jagd nach Oligarchengeldern betrifft, ist auch Liechtenstein der Schweiz voraus.
- Ein blinder Fleck bei der Durchsetzung der Russland-Sanktionen – Beitrag der SWI-Kolleg:innen Jessica Davis Plüss, Kai Reusser, Helen James.
- Schon 200 Millionen Franken eingefroren: Was Liechtenstein bei der Suche nach Oligarchen-Geldern besser machtExterner Link – Bericht im Blick (Paywall).
- Sanktionen gegen Russland: Eine innige FreundschaftExterner Link – Beitrag der Wochenzeitung (WOZ) vom Juni 2022.
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Bleiben wir noch beim Thema Dunkelkammer: Der Schweizer Bundesanwalt fordert die Kronzeugenregelung im Kampf gegen die Mafia in der Schweiz.
Mildere Strafen für Angeklagte, die vor Gericht «singen»: In Italien ist die Kronzeugenregelung eine der wirksamsten Waffen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.
Wir hätten die Wahl, «in Schönheit sterben und nichts zu tun. Oder Konzessionen machen, die das Rechtsempfinden tangieren,» sagte Bundesanwalt Stefan Blättler zu den Tamedia-Zeitungen.
Das Parlament hatte 2017 eine solche Regelung abgelehnt. «Jetzt sind wir im 2023. Ich habe vorgeschlagen, dass wir dies thematisieren. Es ist kein Allheilmittel, aber es hilft«, so Blättler.
- «Kronzeugen würden uns helfen bei der Bekämpfung der Mafia»Externer Link – das Interview mit Blättler im Tagesanzeiger (Paywall).
- Die Schweiz als Wohlfühloase der Mafia – SWI swissinfo.ch-Bericht von Madeleine Rossi von 2020.
- An der Bar: Carla Del PonteExterner Link – die ehemalige Bundesanwältin im Talkformat des Republik Magazins.
Zum Schluss stelle ich Ihnen noch eine Schweizer Fussballmannschaft auf ganz besonderer Mission vor.
Nein, es ist die mit viel Vorschusslorbeeren an die U21-EM gereiste Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, die gestern im Startspiel gegen Norwegen fast gestrauchelt wäre.
Vermutlich haben Sie – wie ich auch – noch nie vom FC Zuwebe gehört. Doch die Fussballer aus dem Kanton Zug sind eine Art Schweizer Nationalmannschaft, die an den Special Olympic World Games teilnimmt. Dies ist der weltweit wichtigste Sportanlass für Menschen mit Beeinträchtigung, der aktuell in Berlin stattfindet.
Spieler und Betreuer wollen nicht nur im Kampf um die Medaillen mitreden. Die Delegation versteht sich auch als Botschafter für mehr Inklusion in Sport und Alltag, wie Spieler Chris Etter sagte. Mitspieler Jonas Stalder ergänzt: «Mein grösster Traum ist es, dass Ausgrenzung und Diskriminierung aufhören.»
Der Name des Teams stammt übrigens von einer Stiftung, die in Zug Angebote für Menschen mit Behinderungen bietet. Ihre Tätigkeit umfasst die Bereiche Ausbildung, Beschäftigung, Wohnen und Sport.
Hopp inklusive Schwiz! Ich drücke dem FC Zuwebe in Berlin den Daumen!
- Der FC Zuwebe geht an die Special Olympics World GamesExterner Link – Bericht im Blick (der Beitrag wurde von einem japanischen Autohersteller gesponsert).
- «Die World Summer Games sind für mich das Grösste»Externer Link – Interview mit Spieler Chris Etter vom FC Zuwebe in den Zuger Nachrichten vom April 2023.
- PluSportExterner Link – Fachstelle für den Behindertensport in der Schweiz.
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