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Big Pharma: Der Motor der Schweizer Wirtschaft steht unter Druck

Zwei Bürotürme an einem Fluss
Die beiden Roche-Türme, 2021 in Basel mit einer Drohne fotografiert. Die Pharmariesen Roche und Novartis gehören zu den weltweit führenden Unternehmen der Branche. Keystone / Gaetan Bally

Die Pharmaindustrie ist ein wichtiger Motor für Wachstum und Beschäftigung in der Schweiz. Doch der Druck aus den USA und das Erstarken neuer Akteure könnten ihre internationale Stellung infrage stellen. Einige Zahlen und Grafiken, um die Bedeutung dieses für die Schweiz so typischen Sektors zu veranschaulichen.

1. Eine Branche, die in der Schweiz mehr als 50’000 Personen beschäftigt

2. Eine der grössten Beitragenden zum nationalen Wachstum

3. Ein Innovationsmotor in der Schweiz

4. Exporte im Wert von 100 Milliarden Franken

5. Roche und Novartis, zwei globale Giganten mit Sitz in der Schweiz

6. Die Schweizer Pharmabranche gehört zu den wettbewerbsfähigsten, doch der Wettbewerb verschärft sich

7. Die USA bleiben die unbestrittene Führungsmacht, China auf dem Vormarsch

1. Eine Branche, die in der Schweiz mehr als 50’000 Personen beschäftigt

2023 waren gemäss dem Bundesamt für StatistikExterner Link (BFS) in der Schweiz rund 350 Unternehmen in der pharmazeutischen Industrie tätig.

Die grosse Mehrheit von ihnen ist international aktiv. Dazu zählen weltweit bedeutende Pharmaunternehmen unter Schweizer Kontrolle wie Novartis, Roche oder Sandoz. Aber auch die Schweizer Niederlassungen ausländischer Konkurrenten wie Pfizer, Takeda oder Astra-Zeneca sind darunter.

Die grossen Konzerne sind jedoch in der Minderheit: Rund sechs von zehn Pharmaunternehmen sind Kleinstunternehmen (KMU) mit weniger als zehn Mitarbeitenden.

Die Zahl der Beschäftigten im Pharmasektor ist seit dem Aufschwung Mitte der 1990er-Jahre um mehr als 30’000 Personen gestiegen. Heute arbeiten mehr als 56’000 Personen in der Pharmabranche, hauptsächlich bei grossen multinationalen Unternehmen.

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Diese Arbeitskräfte sind hochqualifiziert: 67% der im Sektor tätigen Personen verfügen über einen Hochschulabschluss, während der schweizerische Durchschnitt bei 45% liegt.

Die Branche beschäftigt ausserdem indirekt rund 250’000 Personen, wie eine Studie des Instituts BAK EconomicsExterner Link schätzt. Die Studie wurde von Interpharma, dem Dachverband der Branche, in Auftrag gegeben und 2024 veröffentlicht.

2. Eine der grössten Beitragenden zum nationalen Wachstum

Nach 25 Jahren kontinuierlichen Wachstums ist die Wertschöpfung der Pharmaindustrie in den Jahren 2022 und 2023 (die letzten verfügbaren Daten) leicht zurückgegangen.

Sie trug dennoch 6% zur nationalen Wertschöpfung bei. Damit ist sie der viertgrösste Wirtschaftssektor der Schweiz nach dem Grosshandel, der Immobilienbranche und der öffentlichen Verwaltung.

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Unter Einbezug der auf 30 Milliarden Franken geschätzten indirekten WertschöpfungExterner Link kommt BAK Economics zu dem Ergebnis, dass die gesamte Wertschöpfungskette der Pharmaindustrie fast jeden zehnten Franken im Land generiert. So profitieren beispielsweise der Maschinenbau oder die Baubranche direkt von den Investitionen der Pharmaindustrie.

3. Ein Innovationsmotor in der Schweiz

Laut Zahlen des BFS aus dem Jahr 2025Externer Link ist die Pharmaindustrie die Branche, die im Land am meisten in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert: rund 5,5 Milliarden Franken im Jahr 2023, was fast einem Drittel der rund 18 Milliarden Franken entspricht, die der Privatsektor in jenem Jahr ausgegeben hat.

Prozentual gesehen ist die Schweiz das OECD-Land, in dem Pharmaunternehmen am meisten in F&E investieren. Der Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt bei 8%.

4. Exporte im Wert von 100 Milliarden Franken

Pharmazeutische Produkte, besonders das Segment der Seren und Impfstoffe, sind nach Gold die am zweithäufigsten exportierte Warenkategorie der Schweiz.

Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von mehr als 100 Milliarden Franken ins Ausland verkauft, was rund 22% des gesamten Exportwerts entspricht.

Mit pharmazeutischen Produkten erzielt die Schweiz ihre grössten Handelsüberschüsse: rund 35 Milliarden Franken im vergangenen Jahr.

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Im Jahr 2024 war die Schweiz wie in den Vorjahren die zweitgrösste Exporteurin von Pharmaprodukten weltweit, nach Deutschland und vor den USA.

5. Roche und Novartis, zwei globale Giganten mit Sitz in der Schweiz

Die Schweizer Pharmaindustrie ist nicht nur für die Volkswirtschaft des Landes von erheblicher Bedeutung, sondern auch auf globaler Ebene ein Schwergewicht der Branche. Diese Stellung verdankt sie zu einem grossen Teil den beiden in Basel ansässigen Unternehmen Roche und Novartis.

Der Umsatz der beiden Pharmakonzerne ist in den letzten Jahren gestiegen – von rund 49 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf rund 57 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Damit rangieren sie in der Topliste der Fachwebsite Drug Discovery & DevelopmentExterner Link unter den Top 10.

In diesem Ranking haben Roche und Novartis in den letzten Jahren jedoch an Positionen verloren. Im Jahr 2020 belegten die Schweizer Giganten noch den zweiten beziehungsweise dritten Platz.

Zwischen 2024 und 2025 verloren sie jeweils einen Rang. Dieser Rückgang ist jedoch nicht auf schwächere Leistungen ihrerseits zurückzuführen, sondern auf den ausserordentlichen Aufstieg von Eli Lilly. Der amerikanische Hersteller mehrerer Anti-Adipositas-«Blockbuster» kletterte binnen eines Jahres vom 9. auf den 1. Platz, wobei sein Umsatz von 45 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 65 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 stieg.

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Laut dem Jahresbericht von Citeline zur pharmazeutischen F&EExterner Link sind Roche und Novartis auch Innovationsvorreiter. Zwischen 2025 und 2026 stieg Roche vom zweiten auf den ersten Platz im Ranking. Novartis verlor zwei Plätze – überholt von Astra-Zeneca und Sanofi –, ist aber weiterhin einer der globalen Marktführer.

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Sechs Schweizer Medikamente (vier von Novartis und zwei von Roche) gehören zu den 50 umsatzstärksten des Jahres 2025, Novartis ist der Hersteller mit den zweitmeisten Wirkstoffen in diesen Top 50, gleichauf mit Pfizer.

Die Schweizer Medikamente mit den höchsten Verkaufszahlen (8,4 Milliarden US-Dollar bzw. 7,8 Milliarden US-Dollar) sind Ocrevus von Roche (Neurologie/Immunologie) und das Medikament Entresto von Novartis zur Behandlung von Herz- und Gefässerkrankungen.

Sie liegen jedoch weit hinter dem Umsatzrekord des Krebsmedikaments Keytruda von Merck. Im Jahr 2025 lagen dessen Verkäufe bei rund 32 Milliarden US-Dollar.

Dieses Medikamentenranking zeigt die rasante Entwicklung der Pharmabranche und die Revolution, welche die GLP-1-Rezeptoragonisten darstellen, die zur Behandlung von Diabetes und zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.

Wie bereits 2024 erzielten Ozempic und das verwandte Produkt Wegovy von Novo Nordisk sowie Mounjaro von Eli Lilly auch 2025 einige der besten Ergebnisse. Zepbound von Eli Lilly verzeichnete 2025 das stärkste Wachstum, obwohl es 2024 noch nicht einmal im Ranking vertreten war.

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Der Druck von US-Präsident Donald Trump, die Produktion ins eigene Land zu verlagern, zwingt die beiden Schweizer Giganten ausserdem, ihre US-Strategie zu überdenken, was für die Schweizer Pharmaindustrie zur Hypothek werden könnte.

Novartis und Roche planen Investitionen in Milliardenhöhe, um ihre Produktion in Übersee auszubauen. Einige Fachleute befürchten, dass eine solche strategische Neuausrichtung zu einem Rückgang von Arbeitsplätzen, Umsatz und Innovationskraft in der Schweiz führen könnte, namentlich in der Region Basel.

6. Die Schweizer Pharmabranche gehört zu den wettbewerbsfähigsten, doch der Wettbewerb verschärft sich

Die Schweiz platziert sich jedes Jahr unter den Top drei des Global Industry Competitiveness IndexExterner Link (GICI), der von BAK Economics berechnet wird und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der chemisch-pharmazeutischen Industrie misst. Im Ranking 2025 belegt sie den 3. Platz, hinter den USA (1.) und Irland (2.).

Der Bericht stellt fest, dass die Eidgenossenschaft in allen vier berücksichtigten Dimensionen («Performance», «Marktstellung und operative Leistungsfähigkeit», «Innovation und technologische Führerschaft» sowie «Standortqualität») sehr gute Ergebnisse erzielt und keine wesentlichen Schwächen aufweist.

Die Studie kommt auch zum Schluss, dass die Schweizer Pharmaindustrie über die beste Standortqualität weltweit sowie ein sehr hohes Produktivitätsniveau und ein solides Wachstum verfügt.

Was sich verschlechtert hat, ist ihre relative Position, besonders im Bereich Innovation. Andere Länder haben in diesem Bereich stark aufgeholt, etwa Dänemark – das gleichauf auf Platz 3 rangiert –, die Niederlande oder das Vereinigte Königreich.

7. Die USA bleiben die unbestrittene Führungsmacht, China auf dem Vormarsch

Die USA sind und bleiben der wettbewerbsfähigste Pharmastandort der Welt –besonders dank ihrer starken Marktstellung und ihrer sehr hohen Innovationskraft.

Das Land dominiert nach wie vor die globale pharmazeutische F&E und beherbergt laut Citeline mehr als 40% der Unternehmenszentralen von Firmen, die neue Medikamente entwickeln. Sein Einfluss hat sich jedoch in den letzten Jahren verringert.

Was hat sich verändert? Die rasante Entwicklung der pharmazeutischen F&E in China, das inzwischen die Nummer zwei ist. Fast 20% aller innovativen Unternehmen in diesem Bereich sind inzwischen dort ansässig, gegenüber 5% im Jahr 2017.

Infolgedessen ist der Anteil der europäischen Ländergruppe, zu der auch die Schweiz gehört, auf 7% im Jahr 2026 gesunken, gegenüber 13% noch vor einem Jahr.

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Dieselbe Tendenz zeigt sich, wenn man die Länder betrachtet, in denen Medikamente tatsächlich entwickelt werden. Nach diesem Kriterium liegen die USA mit mehr als 50% aller sich in der Entwicklung befindlichen Medikamenten auf ihrem Territorium ebenfalls an erster Stelle.

Dieser Anteil ist jedoch gesunken: Er lag 2021 noch bei 56%. Gleichzeitig ist der Anteil der in China in der Entwicklung befindlichen Medikamente von 18% im Jahr 2021 auf mehr als 30% im Jahr 2026 gestiegen. Im Vergleich dazu werden etwas weniger als 7% der Medikamente in der Schweiz entwickelt – ein Anteil, der von Jahr zu Jahr stabil bleibt.

Die grossen Märkte USA und China verfolgen «sehr offensive Strategien, um Forschung, Produktion und Investitionen anzuziehen», analysierte Annette Luther, Präsidentin von Scienceindustries, dem nationalen Verband der chemischen und pharmazeutischen Industrien, in einem Interview vom Januar 2026Externer Link.

Angesichts anderer Nationen, die sehr schnell auf den globalen Wandel reagieren, scheint die Schweiz «weniger wettbewerbsorientiert» zu sein, meinte die Expertin. Ihrer Ansicht nach sind die Schweizer Grundlagen zwar solide, doch werde ein neuer strategischer Impuls nötig sein, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhalten.

Editiert von Virginie Mangin, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub

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