Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Heute beginnt die Gruppenphase der Fussball-Weltmeisterschaft. Als Halb-Schweizerin und Halb-Argentinierin habe ich das Glück, dass meine Loyalität gegenüber beiden Ländern bislang noch nicht auf die Probe gestellt wurde.
Für eine Auslandschweizer Familie in Kalifornien wird das Schweizer Spiel gegen Katar am Samstag ein ganz besonderes Erlebnis sein, denn sie wird es live im Stadion verfolgen.
Doch zunächst geht es ums Geld. Der bevorstehende G7-Gipfel wird die Schweiz viel kosten, derweil debattieren Kantone über Mindestlöhne, und Tausende von Sekundarschulabgängerinnen und -abgängern hoffen darauf, mit einer Lehrstelle ihren ersten Lohn zu verdienen.
Sonnige Grüsse aus Bern!
«Rund 250 Einsätze pro Tag»: Damit rechnen die Schweizer Polizei, Kantonsbehörden und das Militär für den bevorstehenden G7-Gipfel. Da mehrere Staats- und Regierungsspitzen erwartet werden, treffen die Behörden umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Darüber informierten sie heute an einer Medienkonferenz am Flughafen Genf.
Zu den erwarteten Staatschefs gehören US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, dessen Teilnahme gestern bestätigt wurde.
Obwohl Frankreich Gastgeber des Gipfels ist, findet dieser im französischen Évian-les-Bains unmittelbar an der Schweizer Grenze statt und ist für internationale Anreisen stark auf den Flughafen Genf angewiesen. Die Schweiz wird daher eine Schlüsselrolle bei der Sicherheit der Delegationen spielen.
«Die gesamte Genfer Polizei wird Tag und Nacht im Einsatz sein. Aber das wird nicht ausreichen», sagte die Genfer Polizeikommandantin Monica Bonfanti vor den Medien. Zusätzliche Polizist:innen aus anderen Kantonen und Angehörige der Schweizer Armee werden ebenfalls eingesetzt. Die Sicherheitsmassnahmen reichen vom Schutz sensibler Standorte über die Luftraumsicherheit bis zur Cybersicherheit.
An der Pressekonferenz räumte Alain Gaschen, Schweizer Botschafter und Delegierter des Bundesrates für den G7-Gipfel, Meinungsverschiedenheiten mit Frankreich über die Verteilung der Sicherheits- und Finanzverantwortung ein. «Zu dieser Frage konnte bisher keine Einigung erzielt werden», sagte er.
Obwohl die Schweiz nicht Teil der G7 ist, wird Bundespräsident Guy Parmelin die Delegationen am Flughafen Genf begrüssen und voraussichtlich am Gala-Dinner in Évian teilnehmen, wo er US-Präsident Trump treffen soll, berichtet der Tages-Anzeiger.
Das Bild der Schweiz als Land mit hohen Löhnen und einem komfortablen Lebensstandard hält sich hartnäckig. Für Tausende von Arbeitnehmenden entspricht dies jedoch nicht der Realität – besonders Frauen.
Im Kanton Waadt gelten rund 10% der Arbeitnehmenden als Niedriglohnempfänger. Die sogenannten Working Poor sind überwiegend Frauen, arbeiten häufig Teilzeit in kleinen Unternehmen und verfügen über keine formalen Qualifikationen, berichtet 24 Heures. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund, darunter Personen mit Kurzaufenthaltsbewilligungen und Grenzgänger:innen. Sie werden direkt von der kantonalen Abstimmung am Sonntag über die Einführung eines kantonalen Mindestlohns betroffen sein.
Die Debatte geht über die Waadt hinaus. Das Schweizer Bundesgericht hat kürzlich entschieden, dass Städte eigene Mindestlöhne einführen dürfen. Damit können Zürich und Winterthur ihre Pläne weiterverfolgen, Arbeitgeber zu verpflichten, mindestens 23.90 Franken beziehungsweise 23 Franken pro Stunde zu zahlen.
Gewerkschaften und linke Parteien begrüssen den Entscheid und argumentieren, dass von den Stimmberechtigten genehmigte Mindestlöhne respektiert werden sollen. Wirtschaftsverbände kritisieren das Urteil und warnen, dass es Gesamtarbeitsverträge untergraben und einen Flickenteppich von Lohnvorschriften schaffen könnte. «Warum sollten wir weiterhin Gesamtarbeitsverträge aushandeln?», fragt Gastrosuisse-Direktorin Kareen Vaisbrot.
Die Debatte ist nicht vorbei. Das Parlament wird am 19. Juni über ein Gesetz abstimmen, das es bestimmten nationalen Gesamtarbeitsverträgen ermöglichen würde, Vorrang vor kantonalen und kommunalen Mindestlöhnen zu haben. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hat bereits angekündigt, das Referendum zu ergreifen.
Berufslehren bleiben der bevorzugte Weg für junge Menschen in der Schweiz nach der obligatorischen Schulzeit, wie heute vom Bund veröffentlichte Zahlen zeigen.
Rund 63% der Jugendlichen können sich eine Lehre vorstellen, und von den rund 74’000 verfügbaren Lehrstellen sind bereits mehr als zwei Drittel besetzt. Insgesamt haben 57% der Jugendlichen bereits eine Anschlusslösung für die Zeit nach den Sommerferien gefunden, wie die neueste Ausgabe des Übergangsbarometers zeigt.
Die Zahl der Lehrstellen bleibt stabil. Die meisten Ausbildungsbetriebe (72%) bieten gleich viele Plätze wie im Vorjahr an, 10% haben die Anzahl der verfügbaren Plätze erhöht und weitere 10% haben sie reduziert. Besonders gefragt sind Lehrstellen im Gesundheits- und Sozialbereich, in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Informations- und Kommunikationstechnologie.
Die Berufsbildung geniesst bei Jugendlichen weiterhin ein gutes Image. Von den Befragten sind 69% überzeugt, dass Lernende besonders gut darin sind, praktische Probleme zu lösen, und 68% sehen Lehrstellen als eine zukunftsorientierte Bildungsform, die schulisches Lernen mit praktischer Erfahrung verbindet.
Es war eine regnerische Woche in der Schweiz. Glücklicherweise soll rechtzeitig zum ersten Schweizer Spiel an der Männerfussball-WM gegen Katar am Samstag wärmeres Sommerwetter zurückkehren.
Meine Kollegin Melanie Eichenberger sprach mit einer Schweizer Familie, die in Kalifornien lebt. Für die Familie Basler braucht es keine Grossleinwand. Sie wird das Spiel live von den Tribünen aus verfolgen: Tim (17), Leon (14) und Theo (12) Basler werden mit ihrer Mutter Nicole im Stadion dabei sein.
Die Familie lebt seit über 20 Jahren in Kalifornien, wo die drei Brüder geboren wurden. Doch die Schweiz bleibt ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie kehren jeden Sommer zurück, um Familie zu besuchen und ihre Verbindung zum Land aufrechtzuerhalten, auch wenn die Reise in diesem Jahr wegen der Weltmeisterschaft verschoben wird.
Zuhause spricht die Familie Schweizerdeutsch, ein paar Amerikanismen haben sich dennoch eingeschlichen. Alle drei Jungen spielen in «Soccer»-Teams, während ihre Mutter sich selbst als «vollblütige Soccer Mom» beschreibt.
Die Baslers haben das Glück, das Turnier praktisch vor der Haustür zu haben. Für den Bundesrat scheint die Reise hingegen nicht auf dem Programm zu stehen. Laut 20 Minuten wird voraussichtlich kein:e Bundesrät:in die kommenden Spiele der Nati in den USA besuchen.
Für die Familie Basler könnte das Endergebnis letztlich zweitrangig sein. Egal, wie weit die Schweiz im Turnier kommt: Diese Weltmeisterschaft dürfte ein Leben lang in Erinnerung bleiben.
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