Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Wasser in verschiedenen Formen – oder der Mangel davon – steht im Mittelpunkt des heutigen Briefings.
Nestlé lagert sein Wassergeschäft aus, Viehzüchter:innen haben weiterhin mit den Folgen des trockenen Sommers zu kämpfen und Weinberge in der ganzen Schweiz wurden von Hagelkörnern in der Grösse von Aprikosen heimgesucht. Zudem gibt es eine Warnung für alle, die diesen Sommer einen Ausflug in die Berge planen.
Sonnige Grüsse aus Bern
Im Verfahren gegen den ehemaligen Aargauer Grossrat gibt es neue Vorwürfe. Eine dritte Frau hat sich gemeldet: Auch die Ex-Frau des Mannes soll über viele Jahre hinweg unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und gefilmt worden sein – ein Fall, der Vergleiche mit dem Fall Gisèle Pelicot in Frankreich aufkommen lässt.
Wie Sie diese Woche in unserem Briefing lesen konnten, wurde ein ehemaliger SVP-Politiker angeklagt, seine Partnerin und deren Tochter sexuell missbraucht zu haben, das Mädchen seit ihrem 14. Lebensjahr. Mutter und Tochter sagten am Montag vor Gericht aus, wobei die Tochter angab, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass sie wiederholt unter Drogen gesetzt worden war. Später erklärte sie gegenüber dem Tages-Anzeiger: «Ich erfahre erst jetzt, dass ich mehrmals hätte sterben können.»
Nun deuten neue Gerichtsunterlagen, die SRF vorliegen, darauf hin, dass auch die ehemalige Ehefrau des Mannes ein Opfer war. In der Anklageschrift wird ihm vorgeworfen, sie mit K.-o.-Tropfen betäubt zu haben, bevor er sie zwischen 2008 und 2021 mehr als 140 Mal missbrauchte. Ausserdem soll er wiederholt grosse Mengen an Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten online bestellt haben, angeblich aus Kambodscha.
Die Ermittler:innen beschlagnahmten Hunderte von Stunden Videomaterial, das angeblich die Übergriffe zeigt. Die neuen Vorwürfe haben zusätzliche Aufmerksamkeit erregt, da der ehemalige Politiker im August 2023 einen Antrag unterstützt hatte, der härtere Strafen für Pädophile forderte. Wie der Tages-Anzeiger berichtete, kritisierte er den Kanton Aargau dafür, dass dieser Beschäftigungsverbote für verurteilte Pädophile nicht konsequent durchsetze.
Der 57-Jährige befindet sich seit 2023 in Untersuchungshaft und muss sich unter anderem wegen mehrfachen versuchten Mordes, mehrfacher qualifizierter Vergewaltigung, mehrfacher qualifizierter sexueller Nötigung, Schändung sowie mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern verantworten.
Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Angeklagte bestreitet die meisten Anklagepunkte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Nestlé hat die Ausgliederung seines Mineralwassergeschäfts in ein neues Joint Venture im Wert von 4,56 Milliarden Franken mit der US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Platinum Equity bekanntgegeben. Beide Partner werden jeweils 50% der Anteile an dem neuen Unternehmen halten.
Das Unternehmen mit dem Namen Peranel wird mehr als 30 Marken umfassen, darunter Sanpellegrino, Perrier und Henniez. Nestlé ist seit Langem bestrebt, sein Engagement im Wassergeschäft zu reduzieren, da das Wachstum hinter den Erwartungen zurückblieb und regulatorische Herausforderungen bestehen. In Frankreich hat das Unternehmen eingeräumt, mit verbotenen Methoden Mineralwasser aufbereitet zu haben, und zahlte 2 Millionen Euro, um ein Strafverfahren zu vermeiden.
Peranel wird seinen Sitz in Paris haben und von der CEO von Nestlé Waters, Muriel Lienau, geleitet werden. Die Ausgliederung des Wassergeschäfts werde es Nestlé ermöglichen, «Kapital für zukünftige Investitionen freizusetzen und sich wieder auf wachstumsstärkere Kategorien zu konzentrieren«, schrieb die Fachzeitschrift Food Navigator.
Die Anleger:innen reagierten bislang jedoch zurückhaltend. Die Nestlé-Aktie schloss den Tag am unteren Ende des Swiss Market Index, nachdem sie einen Grossteil der Gewinne der vergangenen Woche wieder abgegeben hatte. Während Analyst:innen die Kostendisziplin des Unternehmens und den Teilverkauf des Wassergeschäfts begrüssten, gab es laut Blue News nur wenige positive Überraschungen.
Die Schweizer Landwirtschaft kommt diesen Sommer einfach nicht zur Ruhe. Nachdem eine wochenlange Dürre die Landwirt:innen dazu gezwungen hatte, Vieh früher zu schlachten, haben nun heftige Stürme Weinberge und Felder im ganzen Land heimgesucht.
In Graubünden, Zürich und im Tessin beschädigten laut dem Blick Hagelkörner, von denen einige so gross wie Aprikosen waren, Weinberge. Es traf auch solche, die durch spezielle Netze geschützt waren. Einige Winzer:innen berichteten, dass bis zur Hälfte der diesjährigen Ernte zerstört worden sei.
Auch Viehzüchter:innen haben Schwierigkeiten, ihr Vieh zu verkaufen. Die Tiere kommen aufgrund der Dürre untergewichtig auf den Markt, was Käufer:innen zögern lässt. Infolgedessen schicken immer mehr Landwirt:innen ihr Vieh früher als geplant zum Schlachter. Laut Proviande wurden letzte Woche 1353 Rinder mehr geschlachtet als in der gleichen Woche des Vorjahres. Im vergangenen Monat wurden mehr als 31’000 Rinder geschlachtet – rund 3500 mehr als im regenreicheren Sommer 2025, berichtet Watson.
Laut SVP-Nationalrat und Bergbauern Ernst Wandfluh verkaufen viele Landwirt:innen ihr Vieh, weil sie einen Preisverfall befürchten. Das daraus resultierende Überangebot drückt die Preise noch weiter nach unten und führt zu einem Kreislauf von Panikverkäufen. Die Landwirte fordern nun vom Bund, die Zölle auf importiertes Heu auszusetzen.
Weder für die Viehzüchter noch für die Winzer gibt es Anzeichen für eine schnelle Entlastung. Die Niederschlagsmuster in der Schweiz verändern sich. Anstelle von langanhaltenden Regenperioden treten zunehmend kurze, aber immer heftigere Regengüsse auf.
«Es regnet nicht unbedingt häufiger, aber wenn es regnet, dann oft sehr intensiv innerhalb kurzer Zeit. Dazwischen gibt es längere Trockenphasen«, erklärte Meteorologe Peter Wick gegenüber 20 Minuten. Federviti, der Winzerverband des Kantons Tessin, warnt davor, dass beschädigte Reben nun anfälliger für Krankheiten und Schädlinge sind.
Die sich verändernden Niederschlagsmuster prägen die Berglandschaft der Schweiz neu. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) warnt Wanderer und Berggängerinnen: Einige Routen sind deutlich gefährlicher geworden.
Viele Auslandschweizer:innen kehren im Sommer in ihre Heimat zurück, um einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen des Landes nachzugehen: Wanderungen durch die Alpen, bei denen sie die spektakuläre Landschaft geniessen können.
Während das trockene Wetter für Wanderbegeisterte wie ein Segen erscheinen mag, schafft es neue Gefahren auf den normalerweise gut unterhaltenen Bergwegen der Schweiz.
Severin Karrer, Leiter der Bergsportausbildung beim SAC, erklärt, dass die warmen Temperaturen die schützende Schneedecke auf vielen Gletschern zum Schmelzen gebracht haben. Dadurch steigt das Risiko für einen Sturz in eine Gletscherspalte. Das freigelegte Gletschereis ist zudem weitaus rutschiger. Zudem legt der schwindende Schnee instabilere Felswände frei, was die Gefahr von Steinschlag erhöht.
Karrer warnt, dass sich selbst erfahrene Alpinist:innen nicht auf ihre bisherigen Kenntnisse bekannter Routen verlassen sollten, da sich die Bedingungen in diesem Sommer dramatisch verändert haben.
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