Mehr Nutzer, mehr Geld, mehr Wirkung: Die Auslandschweizer-Organisation sucht Lösungen
An den "SwissCommunity Days" in Brunnen diskutierten die Delegierten des Auslandschweizerrats (ASR) über unterschiedliche Vorstellungen zur Umsetzung der Organisationsziele. Während einige konkrete Kennzahlen forderten, entschied sich die Geschäftsleitung, auf die Weiterentwicklung ihrer Plattform «SwissCommunity» und die Mittelbeschaffung zu fokussieren.
In der Aula der Primarschule Brunnen im Kanton Schwyz versammelten sich rund fünfzig Delegierte des Auslandschweizer-Rats (ASR). Sie waren aus der ganzen Welt angereist, um am folgenden Tag an der Sommersitzung des Rats teilzunehmen.
Zum Auftakt gab am Donnerstag es zwei Workshops. Die Themen wurden aus den Zielen der laufenden Legislaturperiode ausgewählt: die Erhöhung der Nutzendenzahlen auf der Plattform «SwissCommunity»Externer Link der Auslandschweizer-Organisation (ASO) sowie eine Strategie für ein gezieltes Fundraising.
Kaum hatte ASO-Direktor Daniel Hunziker seine Einführung beendet, kam Protest aus den Reihen der Delegierten auf. Anstatt über die geplanten Themen zu diskutieren, äusserten mehrere Delegierte den Wunsch, konkrete Meilensteine für jedes Legislaturziel festzulegen. Diese Ziele waren an der ASR-Sitzung im März 2026 beschlossen worden.
«Wir müssen zuerst die Ziele für die gesamte Legislaturperiode festlegen, bevor wir ins Detail gehen», erklärte Ruth Perracini-Liechti, ASR-Delegierte für Costa Rica. Sie erhielt rasch Unterstützung von Daniel Heusser, Delegierter für China: «Die Ziele wurden dem Sekretariat im März übermittelt. Fünf Monate später sind wir der Meinung, dass sie hätten bearbeitet werden müssen.»
ASO-Geschäftsführer Hunziker hingegen hält es für unrealistisch, für jedes Legislaturziel sogenannte «KPIs» (Key Performance Indicators, auf Deutsch: Leistungskennzahlen) zu definieren. Denn: «Diese werden sich auf die Arbeit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirken. Wir verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, um sie zu erreichen. Letztendlich wird das alles nur zu Frustration bei allen Beteiligten führen», gab er zu bedenken.
Aus diesem Grund sagt er, er ziehe es vor, sich auf eine Arbeit zu konzentrieren, die Früchte tragen wird: «Wenn wir die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf unserer Plattform steigern, verfügen wir über eine echte personelle und finanzielle Ressourcenquelle.»
Nach diesen Vorwürfen verliessen sechs Delegierte den Saal, um an einem anderen Workshop zu den Finanzen der ASO teilzunehmen.
Mehr
Der Newsletter für alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Viele Registrierte, wenige Nutzer:innen
17’000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer tummeln sich auf der SwissCommunity-PlattformExterner Link – das klingt nach viel. Doch aktiv genutzt wird sie bisher kaum. Im Workshop «Stärkung der Plattform» wurde deshalb diskutiert, wie sie neu belebt und für die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer attraktiver gemacht werden kann.
Dabei kamen grundsätzliche Fragen auf: Wofür ist die Plattform eigentlich da? Wer soll sie nutzen? Und welchen Mehrwert bietet sie gegenüber anderen Kanälen? Selbst unter den Delegierten sind längst nicht alle aktiv, wie einige Auslandschweizerräte bei der Präsentation der Workshopergebnisse einräumen mussten.
«Wenn ihr nicht auf der Plattform seid, wie sollen wir dann andere erreichen?», fragte auch der Direktor der Auslandschweizer-Organisation, Daniel Hunziker, in die Runde.
Diskutiert wurden verschiedene Ideen – von attraktiveren Inhalten und einer stärkeren Präsenz der SwissCommunity Days bis hin zum Einsatz von Influencern. Auch technische Probleme mit der App wurden angesprochen. Dass es überhaupt eine App gibt, war dabei nicht allen Workshopteilnehmenden bekannt.
Klar ist: Die Stärkung der Plattform ist eine direkte Massnahme, um ein – wenn auch schwer messbares – Legislaturziel zu erreichen: die Sichtbarkeit und das Image der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu stärken. Dafür braucht es jedoch zuerst eine klare Idee davon, was die Plattform leisten soll und wen sie erreichen will.
Fundraising: Wie lässt sich das Netzwerk nutzen?
Der Eigenfinanzierungsgrad der ASO liegt derzeit bei rund 15 Prozent. Im Workshop «fokussiertes Fundraising» wurde deshalb diskutiert, wie zusätzliche Einnahmen generiert werden können. «Die Subventionen können jederzeit kleiner werden», gab Hunziker zu bedenken. Gleichzeitig verfüge die ASO über etwas Wertvolles: ein weltweites Netzwerk, das stärker genutzt werden müsse.
Die Ideen waren vielfältig: Sponsoring und Inserate, Charity- und Netzwerkveranstaltungen, Crowdfunding oder Kooperationen mit Unternehmen und internationalen Firmen. Auch ungewöhnlichere Ansätze wie eine eigene Briefmarke, ein Song oder Kaffeerahmdeckel der Auslandschweizer-Organisation wurden genannt.
Diskutiert wurde zudem, ob es neben den bisherigen Bundesmitteln weitere öffentliche Finanzierungstöpfe gibt – etwa im Kulturbereich. Auch die Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank an Bund und Kantone wurden thematisiert. «Warum sollte die Fünfte Schweiz bei der Ausschüttung der Nationalbank nicht ebenfalls berücksichtigt werden? Schliesslich kann man uns auch als Kanton ansehen», fragte Inlandmitglied und Präsident der Stiftung Auslandschweizerplatz, Alex Hauenstein, mit einem Augenzwinkern.
Bei allen Ideen stellte sich jedoch dieselbe Frage: Was kann die ASO potenziellen Geldgebern bieten? «Es muss ein Wert da sein, um Geld zu fordern», lautete eine der Erkenntnisse. Fundraising brauche deshalb nicht nur neue Ideen, sondern auch klare Angebote und Anreize für mögliche Sponsoren.
Mehr
Editiert von Samuel Jaberg.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch