Stabilität über alles
Liebe Leserin, lieber Leser
Nichts fürchten Unternehmen mehr als Instabilität und Unberechenbarkeit. In einem Land mit einer starken Exportindustrie und einem kleinen inländischen Markt wie der Schweiz gilt das erst recht.
Das wurde beispielsweise sichtbar rund um das amerikanische Zollregime: Gegenüber der Schweiz wurden zunächst 31% Zoll angekündigt, dann schnellten sie hoch auf 39%, sanken später auf 10% und sind zurzeit bei 12,5%. Ein ziemlicher Ritt. Und auch wenn die Zölle weh tun, herrscht in der Wirtschaft zumindest das Gefühl vor, dass man durch diese (vorübergehende) Stabilität nun endlich Planungssicherheit hat.
Es wird auch klar anhand des Krieges gegen den Iran. Immer wieder wird ein baldiger Friedensschluss beschworen, dann fliegen wieder Raketen. Für die Weltwirtschaft ist das problematisch, für Menschen in ärmeren Ländern verheerend.
Die Aufzählung könnte problemlos weitergeführt werden.
Dahinter steckt in erster Linie das wenig stabile Verhalten des US-Präsidenten, sowie der zunehmende Isolationismus des Landes – bei gleichzeitigen militärischen Interventionen. Die Rolle der USA auf dem internationalen Parkett wird immer unklarer.
Das Land ist noch immer ein Motor der Weltwirtschaft, und für Schweizer Unternehmen sind der grosse Binnenmarkt und die hohe Kaufkraft zentral, denn Schweizer Produkte sind eher hochpreisig. Auch wenn die Unternehmen neue Märkte erschliessen und die Schweiz mit anderen Staaten ein Abkommen nach dem anderen abschliesst: Die USA als Schlüsselmarkt werden nicht einfach verschwinden.
Was also tun? Exemplarisch steht dafür Victorinox, bekannt für seine Taschenmesser: Der Anteil der US-Exporte brach von 20% auf 13%. Wie andere Schweizer Firmen hat Victorinox mittlerweile Zollkosten zurückgefordert, nachdem von der Regierung Trump verhängte Zölle als verfassungswidrig eingestuft wurden.
Eine Auslagerung der Produktion in die USA (was ein Ziel der amerikanischen Zoll-Politik ist), schloss Victorinox jedoch aus – immerhin lebt die Firma vom Qualitätsversprechen «Swiss made». So kündigte das Unternehmen an, neue Märkte erschliessen zu wollen, namentlich in Asien und Lateinamerika.
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Giannis Mavris
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