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Extremismusvorwürfe empören Schweizer Juden

SIG-Präsident Alfred Donath verlangt eine weitere Korrektur des Extremismusberichtes. Keystone

Die Schweizer Juden sind überzeugt, dass in der Schweiz kein gewaltbereiter jüdischer Extremismus existiert.

Sie kritisieren den überarbeiteten Extremismusbericht und verlangen von Bundesrat Blocher eine erneute Korrektur.

Es gebe keinen jüdischen Extremismus in der Schweiz, sagt Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Schweizer Juden seien über entsprechende Aussagen im überarbeiteten Extremismusbericht empört.

In der von Donath kritisierten Passage des Berichtes heisst es, antisemitische Aktionen könnten in der Schweiz zu Selbstjustiz und zur Entstehung eines gewaltbereiten jüdischen Extremismus führen.

Treffen mit Blocher

Zum Selbstschutz seien da und dort bewaffnete Sicherheitsleute vor jüdischen Institutionen postiert, sagt Donath. Dies sei aber legal und geschehe dort, wo der Staat nicht in der Lage sei, für Sicherheit zu sorgen. Diese Leute seien keine militanten Juden.

Eine Delegation der Schweizer Juden werde sich deshalb am 18. Januar mit Justizminister Christoph Blocher treffen, um Klarheit zu schaffen, sagte Donath. Der SIG verlange, dass die ganze Passage über jüdischen Extremismus aus dem Bericht gestrichen werde.

Donath kann sich nicht erklären, weshalb sich der Extremismus-Vorwurf im Bericht so hartnäckig hält. Er fragt sich: «Ist es Dilettantismus, ist es böser Wille?»

Bereits im Oktober vergangenen Jahres musste sich Jürg Bühler, Vizedirektor des Inlandnachrichtendienstes DAP, bei der jüdischen Gemeinde entschuldigen. In der ersten Fassung des Extremismusberichts war eine jüdische Studentenorganisation aus Genf zum «jüdischen politischen Extremismus» gerechnet worden.

Zusammenarbeit mit Moslems

Auch eine Radikalisierung der Schweizer Moslems hält Donath für unwahrscheinlich. Die Zusammensetzung der muslimischen Bevölkerung in der Schweiz sei viel heterogener als etwa in Frankreich, wo Moslems aus dem Maghreb dominierten. Dies ergebe eine andere Ausgangssituation.

Mit der Koordination der islamischen Organisationen in der Schweiz habe der SIG zudem eine Kommission gebildet. Diese soll Massnahmen und Veranstaltungen in Erziehung, Bildung und Kultur prüfen.

Unter anderem wird erwogen, dass Juden und Moslems gemeinsam den Abstimmungskampf gegen die Volksinitiative «Tierschutz – Ja!» bestreiten. Diese will unter anderem den Import geschächteten Fleisches verbieten.

swissinfo und Agenturen

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) wurde 1904 gegründet.
Er ist der Dachverband der jüdischen Gemeinden in der Schweiz.
Der SIG nimmt die politische Vertretung der Schweizer Juden wahr.
Er besteht aus 18 Gemeinden, denen insgesamt ca. 18’000 Personen angeschlossen sind.
0,2% der Schweizer Bevölkerung sind Juden.

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