Kein Ansturm auf Rom aus der Schweiz
Die auf Freitag angesetzte Beisetzung von Papst Johannes Paul II. hat in der Schweiz vorerst keinen Ansturm auf kurzfristige Reise-Angebote ausgelöst.
Während aus anderen Ländern zahlreiche Menschen nach Rom strömen, planen bisher in der Schweiz nur die SBB einen Sonderzug.
Sonderzüge aus Polen, Auto-Konvois aus Kalabrien, übervolle Flughäfen: Aus allen Richtungen strömen Menschen nach Rom, zur Peterskirche, an den Hauptaltar, wo der tote Papst Johannes Paul II. aufgebahrt ist.
Rom wird wieder «Caput Mundi»
Am Freitag findet das Begräbnis statt. Und Rom, einst «Caput Mundi», wird wieder zum Mittelpunkt der Welt. Es bereitet sich auf einen der grössten Pilgerströme seiner Geschichte vor.
Von mindestens zwei Millionen Rom-Besuchern ist die Rede. Doch aus der Schweiz hält sich der Ansturm vorläufig noch in Grenzen. Laut einer Umfrage bei Reiseveranstaltern und Transportunternehmen planen einzig die SBB zusätzliche Kapazitäten für Rom.
Die SBB organisieren nach Auskunft von Sprecher Roland Binz einen Extrazug mit 1000 Plätzen in der Nacht zum Freitag. Der Zug kommt am Freitag frühmorgens in Rom an und fährt am Abend wieder zurück.
Zögerliche Nachfrage nach Busreisen
Das Carreise-Unternehmen Eurobus verzichtet demgegenüber auf ein ursprünglich geplantes Sonderangebot einer dreieinhalbtägigen Busreise, wie Sprecherin Ruth Knecht sagte. Die Nachfrage sei zu wenig eindeutig.
Auch andere Carreise-Veranstalter wie Twerenbold oder die Ernst Marti AG hatten bis zum Dienstag bloss vereinzelte Anfragen für Rom-Fahrten erhalten und planen bisher keine Sonderangebote.
Flugreisen: Neu- und Umbuchungen gleich
Ähnlich sieht es bei den grossen Reiseveranstaltern und bei den Fluggesellschaften aus. «Wir beobachten keinen Ansturm auf Rom-Flüge», sagte Swiss-Sprecher Dominik Werner. Neubuchungen und Umbuchungen hielten sich zurzeit etwa die Waage.
Die Swiss bedient Rom ab Zürich-Kloten, Genf und Basel mit insgesamt acht täglichen Flügen. Keinen spürbaren Nachfragezuwachs stellte auch Helvetic fest, die einmal täglich nach Rom fliegt.
Sollte die Nachfrage anziehen, wäre man aber gerüstet, um kurzfristig ein zusätzliches Angebot zu organisieren, sagte Helvetic-Sprecher Thomas Frischknecht.
Rom im April immer gut gebucht
Auch die grossen Reiseveranstalter Kuoni, Hotelplan und TUI Suisse stellten seit der Bekanntgabe des Datums des Papst-Begräbnisses keine spürbare zusätzliche Nachfrage nach Rom-Reisen fest.
Rom sei in in der Zeit um Ostern und um den Weissen Sonntag generell gut gebucht, hiess es. Hotelplan stellte in den vergangenen zwei Wochen sogar deutlich höhere Frequenzen als vor einem Jahr fest. Ob dies mit der Erkrankung des Papstes zusammenhänge, lasse sich aber nicht feststellen, sagte Sprecherin Claudia Zimmermann.
TUI-Sprecher Roland Schmid erklärte sich die fehlende Zusatznachfrage seit dem Tod von Johannes Paul II auch mit den Meldungen, dass die Hotelzimmer in Rom praktisch ausgebucht sind.
Übernachten am Rand von Rom
Die Aussicht, ausserhalb von Rom zu übernachten und am Freitagmorgen zum Petersdom fahren zu müssen, könnte für viele Interessierte ein Hinderungsgrund sein. Kuoni-Sprecherin Eve Baumann vermutete zudem, dass viele Gläubige mit dem Zug oder dem Auto nach Rom reisen würden.
Die Beisetzung des Papstes wird am kommenden Freitagmorgen vom Schweizer Fernsehen direkt übertragen. In der Kathedrale von Freiburg können die Gläubigen das Begräbnis zudem auf einer Grossleinwand verfolgen.
Rund 200 Würdenträger und Persönlichkeiten aus aller Welt werden in Rom erwartet, unter ihnen US-Präsident George W. Bush und UNO-Generalsekretär Kofi Annan.
Die Schweiz wird durch Bundespräsident Samuel Schmid vertreten. Vier Bischöfe, unter ihnen Amadée Grab, Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz, reisen ebenfalls nach Rom.
swissinfo und Agenturen
Rund 200 Staats- und Regierungschefs und über 2 Millionen Pilger werden für die Beisetzung am Freitag in Rom erwartet.
Rom wird ein Sicherheits-Dispositiv aufziehen, inklusive gesperrtem Luftraum und Flugabwehr-Raketen.
Waffen sind verboten, auch für die Leibwächter von George W. Bush und den anderen Mächtigen der Welt.
Die Stadt bietet jenen Pilgern Zelte und Camping-Möglichkeiten an, die keine Unterkunft finden.
Tausende von Polizisten aus ganz Italien werden die römischen Ordnungskräfte verstärken.
Die Totenmesse am Freitag wird vom deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger gelesen. Der Sarg mit dem Papst wird auf dem Petersplatz zu sehen sein.
Nach der Messe wird der Sarg in den Petersdom und in die vatikanischen Grotten gebracht.
Vor der endgültigen Versiegelung werden dem Leichnam die Mitra, eine Eisenhülle mit Lebensdaten und ein Säckchen mit Silber- und Bronzemünzen in den Sarg gelegt.
Johannes Paul II. hatte 1996 in einer Apostolischen Konstitution die Organisation der Beerdigung und der anschliessenden Papst-Wahl festgelegt. So muss die Beisetzung vier bis sechs Tage nach dem Tod eines Papstes stattfinden.
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