Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Noch Entwicklungspotenzial für Plastik-Recycling



Plastik-Recycling in der Schweiz: Es gibt noch viel auszusortieren.

Plastik-Recycling in der Schweiz: Es gibt noch viel auszusortieren.

(Keystone)

Die Zahlen für Recycling von Plastik-Getränkeflaschen haben in der Schweiz eine absolute Rekordhöhe erreicht. Ein nationales Recycling-System für andere Arten von Plastik gibt es nicht.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die weissen, lichtdichten Milchflaschen, welche die Händler - neben den allgegenwärtigen PET-Getränkeflaschen - in der Regel zurücknehmen. Verpackungen von Nahrungsmitteln, Kosmetika oder anderen Alltagsprodukten landen hingegen hauptsächlich in der Abfall-Verbrennungsanlage.

"In der Schweiz besteht der Leitsatz darin, dass wir Plastik nur dann sammeln, wenn es einen klaren ökologischen Gewinn gibt und es sich auch finanziell lohnt zu sammeln", sagt Susan Glättli vom Bundesamt für Umwelt. "Das rezyklierte Material ist von sehr guter Qualität. Es ist möglich, daraus neue Produkte herzustellen, wie zum Beispiel Lebensmittel-Verpackungen."

Wie Glättli gegenüber swissinfo.ch sagt, ist es für andere Arten von Plastik besser, damit das Feuer der lokalen Abfall-Verbrennungsanlagen anzuheizen. Seit dem Jahr 2000 ist es illegal, leichtentzündlichen und chemisch labilen Abfall in die Schweizer Mülldeponien zu werfen.

"Aller Abfall ist brennbar. Bei dieser Energiegewinnung hilft hauptsächlich das Plastik mit. Solange Plastikprodukte nicht einfach zu sammeln und rezyklierbar sind, werden sie für die Energieproduktion genutzt", sagt Glättli.

Pilotprojekte

Einige Schweizer Gemeinden bemühen sich unterdessen darum, ein breiteres Spektrum von Plastikarten zu rezyklieren.

Schon seit mehreren Jahren sammelt die Stadt Zug Plastik. Eine Zeitlang verlangte sie von den Bewohnern 1,90 Franken für einen 40-Liter-Sack, der für alte Shampoo-Flaschen und andere Plastikarten diente.

Das war günstiger als die normale Abfallgebühr, denn wie viele andere Gemeinden und Städte in der Schweiz, verlangt Zug eine Gebühr für Abfallsäcke.

Das System "Bezahlen für das Recycling" hat sich jedoch nie wirklich durchgesetzt. Die Bewohner von Zug können nun ihre verschiedenen Plastikabfälle kostenlos entsorgen. Ein Mitarbeiter prüft die Qualität des Plastiks, bevor er es auf den Haufen wirft, der schliesslich bei PlastOil landet, einem lokalen Betrieb, der mit Plastik Öl produziert.

"Es ist immer noch ein Pilotprojekt. Ob es wirklich der richtige Weg ist, wird die Zukunft zeigen. Aber wenn wir nichts unternehmen, geschieht auch nichts", sagt Hans Schwarzenbach, Direktor des Zuger Recyclinghofes "Ökihof".

256 Tonnen Plastikabfall hat die Zuger Bevölkerung letztes Jahr PlastOil geliefert, was zehn Kilogramm pro Person entspricht. PlastOil gewann 2006 den Innovationspreis des Kantons Zug.

Die Schweizer Hauptstadt sammelt seit 2005 gemischtes Plastik. Dafür stehen den Bernern acht Entsorgungsstellen zur Verfügung. Letztes Jahr seien etwa 250 Tonnen Plastik gesammelt worden, wie Cornelia Kissling, Projektleiterin Abfallentsorgung in der Stadt Bern, gegenüber swissinfo.ch erklärt.

"Wir führen Gespräche mit zahlreichen Betrieben, die das Plastik gerne rezyklieren möchten", sagt Kissling.

Bei den ständig wechselnden Markpreisen für Altplastik ist es jedoch für Recycling-Betriebe nicht immer einfach, daraus Gewinn zu erzielen.

Forschung noch nötig

Eine neue nationale Studie möchte untersuchen, welche verschiedenen Wege und Möglichkeiten für Schweizer Betriebe und Konsumenten bestehen, um Plastik zu rezyklieren.

Geführt wird das Projekt von Redilo, einem Unternehmen, das auf nachhaltige Ressourcen-Konzepte spezialisiert ist. Wie Raymond Schelker, Geschäftspartner bei Redilo, erklärt, gibt es eine Vielzahl von Fragen zu beantworten.

"Wo gibt es noch Potenzial, und was können wir erreichen? Was kann rezykliert werden? Was macht ökologisch als auch wirtschaftlich Sinn? Wir schauen zum Beispiel in anderen Ländern, was bereits getan wurde", sagt Schelker.

"Es gibt keine Standard-Lösung oder ein Standard-System. Im Moment herrscht ein kleines Durcheinander. Mit unserer Studie erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse", ergänzt er.

Neben dem Haushalt-Abfall erfasst das Projekt auch industrielle Produkte wie Plastikfässer oder -folien, welche die Bauern für die Silageballen benutzen. Eine Gebühr auf solch umfangreichen Produkten würde laut Glättli helfen, Recycling-Programme finanziell zu unterstützen,

Schelker sagt, er habe sich darüber gefreut, dass es Redilo gelungen sei, alle wichtigen Akteure an einen Tisch zu bringen: die nationale und die lokalen Regierungen, Recycling-Betriebe sowie Vertreter der Abfall-Verbrennungsanlagen und der Zementindustrie, die das Plastik in der Produktion verwenden kann.

"Wir sind sehr zuversichtlich, mit diesem Projekt einen wichtigen Beitrag dafür leisten zu können, dass künftig mehr Plastik rezykliert wird in der Schweiz ", sagt Schelker.

Auch Hans Schwarzenbach vom Ökihof in Zug ist vom Sinn eines solchen Projekts überzeugt: "Wir können das Recycling nicht verbessern und die nötige Zahl von Abfallverbrennungs-Anlagen reduzieren, wenn wir keine öffentlichen Bemühungen haben, neue Recycling-Wege zu entwickeln."

Susan Vogel-Misicka, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Sandra Grizelj)

PET-PROJEKT

PET steht für Polyethylenterephthalat, ein Kunststoff aus der Familie der Polyester.

Mit einer Verwertungsquote von 81%, ist PET-Recycling ein Erfolg in der Schweiz.

Gemäss dem Verein PET-Recycling Schweiz entspricht dies einer Zunahme um 3% verglichen mit dem Jahr 2008. Das nationale Ziel liegt bei 75%.

Der Grund dafür ist, dass bei einer Quote unter 75% eine Rückkehr zum Depot-System bei Getränkeflaschen folgen würde.

Während 37'543 Tonnen PET-Flaschen rezykliert wurden, landeten 8806 Tonnen in den Abfall-Verbrennungsanlagen.

In der ganzen Schweiz gibt es über 29'000 PET-Sammelstellen oder eine für 250 Personen.

Rezykliertes PET kann in neue PET-Behälter umgewandelt werden. Es wird aber auch für weitere Produkte benutzt, wie Teppichboden, Kleidung, Sportschuhe oder Reisegepäck.

Infobox Ende

GLAS UND DOSEN

Die Recycling-Quote für Glas und Aluminium ist wesentlich höher als für PET.

2008 und 2009 hat die Schweizer Bevölkerung 95% aller Glasflaschen und -behälter rezykliert.

Auch das Aluminium-Recycling ist konstant. Laut dem Bundesamt für Umwelt betrug die Rücklaufquote in den gleichen Jahren 91%.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×